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ich, am Weg

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Ap
Wiener Stadtwanderweg 12 (Ost-West)
10.04.2016 20:59

Nun dreht es sich also um vergessene Wanderwege.

Wobei - wie kann man einen Wanderweg vergessen? Der Weg ist ja da! Ob nun offiziell oder nicht. Und solange es Menschen gibt die sich ihrer annehmen und sie weiter mit Begeisterung und Neugierde beschreiten - sind sie nicht vergessen!
Nun, ich werde in einem späteren Bericht näher auf das kleine Projekt "vergessene Wanderwege" eingehen. Dies war nun auch erst Teil 1, wo wir nun endlich beim eigentlichen Thema wären.

Der Wiener Stadtwanderweg 12 (Ost-West) war einer der 13 Wiener Stadtwanderwege, bzw. einer der 4 ausserordentlichen Touren neben dem Nord-Süd und den beiden Rund um Wien Varianten 10 und 11. Ich habe diesen vergessenen Wanderweg zusammen mit der Wander-Ko­ry­phäe Martin Moser unternommen, welcher den Blog "gehlebt" betreibt. (mehr in der Infobox)
Der Weg beginnt im 19. Bezirk, genauer gesagt in Salmannsdorf nahe Neustift am Walde.  Ganz unscheinbar bahnt er sich seinen Weg duch eine Welt des Weingenuss der Wiener Heurigenkultur. In der dazu passenenden Saison dürften es also die meisten motvierten Wanderer nicht viel weiter geschafft haben als bis hier hin :-)
Wer dieser Kulinarik jedoch entsagt wird anders auf seine Kosten kommen. Sei es nun die Neustifter Kirche oder sein gotisches Pendant in Sievering sowie die schöne Aussicht auf der Salmannsdorfer Höhe in den Westen bis zum Exelberg, die volle Aufmerksamkeit gehört eindeutig "Lilli". - Wer?
Nun, Lilli ist wohl die einzige Hausgans auf der Welt der man ein Denkmal gewidmet hat. Ihr glaubt mir nicht? Sieveringer Straße Nr. 116. Dort wartet sie und freut sich auf Euren Besuch.

Nach dem Maria Theresien Schlössl und dem Kloster Döbling ist der Wertheimsteinpark sowas wie eine kleine Belohnung. Eine schöne Grünanlage mit toller Aussicht auf Transdanubia. Doch wisse - hier kommt man schon sehr bald vorbei. Nach dem Ippisch und Döblinger Steig über den Donaukanal ändert sich die Umgebung auch schlagartig. Das gemütliche heurigen- und verträume altstädtische Dasein weicht der Moderne und dem Wasser.

Nach einem kurzen Gastspiel am Donaukanal und einer Kurzvisite am Friedrich Engels Platz erreicht man das blaue Herz der Stadt - die Donau!

Über die Floridsdorfer Brücke sind wir nun endgültig "reif für die Insel". - die Donauinsel.
Und hier kann zu bestimmten Jahreszeiten die Wortkonstelation "Gemma auffe" eine wichtige Bedeutung haben. Hier kann man entlang des Wassers schon mal auf zwei- drei- ....... Milliarden Mücken treffen *gg* Auf so einen herzlichen Empfang waren Martin und ich nicht wirklich vorbereitet, also beschlossen wir das Geschwader still und heimliche wieder in Richtung Inselkern (eben gemma auffe) zu verlassen.

Die Ponte de Cagrana, neben der Reichsbrücke, lässt Dich so zu sagen über das Wasser auf die futuristische Donau City zu gleiten. Dabei ragt Österreichs höchstes Gebäude - der 254 meter hohe DC Tower - natürlich am imposantesten Empor.
Auf der Nordseite der Donau gelangt man dann - hoffentlich weiterhin mückenfrei - nach Kaisermühlen. Wenn man mit der österreichischen Fernsehgeschichte vertraut ist, dann führt hier der Weg unweigerlich in den Bau des Kaisermühlendamms. Bekannt aus der Serie Kaisermühlen Blues.

Am Fusse zur alten Donau verlassen wir den eigentlichen Donaustrom. Doch auf Wasser muss man nicht lange verzichten, denn es geht munter weiter am unteren Mühlwasser. Das fast schon tümpelartige Gewässer bietet vorallem Schilf und Seerosen ein zuhause und wird vorallem im Sommer auch zu einer schönen Wohlfühloase. Aber man merkt schon - Kulinarik-Kultur-Moderne-Wasser-Schilf-..... - dieser Weg quer durch Wien ist sehr Abwechslungsreich.

Auch wenn man nun vergeblich auf einen Hotspot-Überschuss wartet, so bieten die Wenigen doch noch sehr viel. Da wäre zb. der Asperner Heldenplatz samt dem Asperner Löwen oder das Schloss Essling. Doch so unscheinbar wie der Weg begonnen hat, so endet er auch. Nämlich gefühlt im einfachen "Nichts". An einer Querstraße an der Bundesstraße Stadtauswärts kurz vor Groß Enzersdorf neben einer Bushaltestelle.

Fazit:

Vom hügeligen Wein- ins Wasser- und Feldland. Ja selbst ich als Wiener durfte heute wieder einiges dazulernen und kam an Orte die ich vorher noch nicht kannte. Sehr schade ist die Tatsache das dieser Weg auch in seiner aktiven Zeit nicht beschildert war. Keine Hinweistafeln oder Informationen die darauf geschlossen hätten das dieser Weg je existiert hat.
Martin und ich haben je noch ein exemplar einer alten Stadtwanderkarte wo noch die einzelnen Wegpunkte etwas genauer beleuchtet wurden. Doch wenn man heute einen Wanderpass mit Stempelkarte bei der Infostelle im Wiener Rathaus holt, dann hat dieser Weg nie existiert. Und das ist angesichts einiger wirklich sehr schöner Bauten doch recht traurig. Bedenkt man das beispielweise neue motivierte Wanderer oder Touristen niemals "Lilli" die Hausgans zu Gesicht bekommen.

Hat man die  Zeit und will man Wien von verschiedenen Facetten aus betrachten - ja dann ist dieser Querweg von West nach Ost zu empfehlen.
Der brave Spaziergänger aus Liebe zu seiner Gesundheit würde sich hier doch eher die klassischen Kurzwanderwege zu Gemüte führen.

Am Ende noch ein Laudatio für Martin - sein Kampf gegen die Mücken-Übermacht war einfach legendär :-)

Infobox:

Video Clip zur Tour

Martin Moser - gehlebt.at

Wiener Stadtwanderwege 1-9 - ICH, AM WEG
 

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