Wandern - Weitwandern - Bergwandern - Outdoor Sport

ich, am Weg

29
Ok
Wien WRU "Halbe G´schicht 61 km" 2017
29.10.2017 18:58

NOCH EINMAL AN DIE GRENZEN GEHEN...

Einleitung:

Seit meinem Dasein als Hobbysportler, mit dem Bestreben sich immer wieder zu verbessern, ging es bei mir immerzu bergauf. Zweifellos kam da irgendwann einmal der Gedanke auf, die Grenzen zu überschreiten und damit die ersten Rückschritte zu erleben. 
Mein Outdoorsportjahr 2016 war grandios. Mir ist alles aufgegangen. Und egal was da kam, ich hatte scheinbar endlos Energie und ich steigerte mich kontinuierlich. Es gab also keinen Grund zu glauben, dieser Flow würde 2017 enden. 

Und dann, näher gehe ich noch bei meinem Sportjahresrückblick am Ende des Jahres ein, kam vieles anders als erwartet. Zwei Mal fegte mich ein Virus von der Matte. Zunächst über den Winter. Das kostete mich nicht nur 1,5 Monate an Wintervorbereitungszeit, sondern auch die Teilnahme an Events wie Burgenland Extrem, Vertical Up Hinterstoder oder Xletix. Und als ich die Kurve zu kratzen vermochte, landete ich mitten im Sommer erneut im Krankenbett. Die Form wieder weg. Und wieder knapp vor Null starten. Den Karwendelmarsch absolvierte ich, bekanntlich, schon mit angezogener Handbremse. 

Natürlich war das trotzdem schön, aber deprimierend, wenn man es gewöhnt ist, sich immer wieder zu steigern und zu verbessern. Aber da begann dann ein gewisses Umdenken in mir. Fast hätte ich meine Teilnahme beim diesjährigen Wien Rundumadum (Halbe G´schicht) in den Sand gesetzt. Zunächst schien es mir mit meinem Fitnesszustand im September praktisch unmöglich meine Bestzeit aus dem Vorjahr mit 9 Stunden 45 Minuten (BERICHT) zu unterbieten. Dazu kam, dass die Strecke in diesem Jahr adaptiert und von 64 auf 61 Kilometer gekürzt wurde.  Für meinen Ehrgeiz fehlte nun also auch mein direkter Konkurrenzkampf gegen mich selbst und meine Bestzeit. 

Ich entschied mich dann allerdings für die "Ärmel hochkrempeln und trainieren" Variante. Ich sagte mir, in 6-7 Wochen kann ich mich noch einmal für diesen Trail hochtrainieren, ehe ich dann für das heurige Sportjahr den Vorhang vorziehe, um mein set up neu aufzusetzen. Es war eine gute Entscheidung!

Wien Rundumadum (Halbe G´schicht) 2017:

Es ist Samstag, der 28. Oktober. Seit meinem letzten Lauftraining sind 5 Tage vergangen. Zwischendurch habe ich eine kleine Wanderung gemacht, doch im Grunde hatte der Körper genug Zeit sich zu erholen. Die Kohlehydratspeicher sind voll. Und genau so voll ist auch mein Motivationstank. Ja, ich brenne richtig auf den Start. Auch in diesem Jahr ist mir der Support von meinem Vater Josef, Radreiseleiter und Hobby Radsportler, gewiss. Er wird mich entlang des 61 Kilometer-Trails mit Essen, Trinken und Zuspruch versorgen. Er hat auch die Zeit im Blickfeld. - Zeit!
Oh ja, ich habe mir ein Ziel gesetzt. Obwohl ich es vorher nicht ankündige und offen darüber rede, möchte ich den Trail in 9 Stunden und 30 Minuten schaffen. Das scheint mir realistisch. Es sind 3 Kilometer weniger als im Vorjahr. Da müsste ich 15 Minuten aus meiner Vorjahreszeit rausschlagen können.

Um 10:15 erreichen wir das Start- und Zielareal. In diesem Jahr befindet sich dieses im Sportcenter der Donaucity. Die wackeren 130 Kilometer Runner der Ganzen G´schicht sind bereits seit 6 Uhr morgens unterwegs. Wir, die Halben, starten um 11:30.
Natürlich sind viele meiner Freunde von den Turbo Schnecken und Warumlern wieder mit von der Partie. Und nach und nach erkenne ich auch immer mehr Gesichter von anderen Events. Letztendlich ist die Runner- und Walkerszene auch irgendwo ein Wanderzirkus, der wie eine Familie von Stadt zu Stadt zieht.

In diesem Jahr erhalten auch wie Halben einen Tracker. Somit kann man zu jederzeit sehen, wo wir uns auf der Strecke befinden. Die Startnummer ist in diesem Jahr ein Armband aus Gummi. Eigentlich eine supertolle Sache, wenn meines nicht schon beim ersten Stretchen grissen wäre. *haha* 
Um 11:00 gibt es noch die große Teilnehmerbesprechung mit den Organisatoren. Mastermind Markus Michelitsch fehlt uns allen doch sehr. Aber seine Nachfolger geben ihr Bestes. Schließlich geht es hinaus ins Startareal. Ein letztes Beglückwünschen der Freunde, ein letztes lockeres Aufwärmen und los gehts.


Betty Fankhauser und ich

Ich, Legende Emil, Betty Fanki, Vikerl Viktor und Schneckenkönig Berndt

Besprechung für die Teilnehmer der Halben G´schicht

Der Start in der Donaucity ist erfolgt...


Vom Sportcenter Donaucity bis zum Gasthaus Hansi (ca. 20 km gesamt)

Ich laufe mit den vielen anderen Startern vom Sportcenter über den Donaupark hinaus zur Copa Cagrana. Bei der Reichsbrücke wartet auch schon mein rollender Supporter mit der Verpflegung auf mich. Gemeinsam bewegen wir uns südöstlich entlang der Donau hinab zur Donaustadtbrücke. Schon jetzt merke ich, heute geht es sehr gut. Ich habe ein zügiges und bestimmtes Tempo drauf.
Ich weis aber auch das die Strecke umgebaut wurde. Und so würde ich überall viel früher ankommen als in den Jahren davor. Ich darf also nicht glauben, ich wäre schon weiter als ich bin.

Weiter geht es hinab bis zur Steinspornbrücke. Hier verlasse ich die Donau und laufe in die Lobau hinein. Den symbolischen Eintritt dazu macht das Nationalparkhaus in der Lobau. Nur wenig später erreichen wir auch schon die Dechantlacke. Dort lachen wir dem ersten Fotografen in die Linse. Es geht mir immer noch sehr gut. Ich habe nun ca. 10 Kilometer hinter mich gebracht und der Motor läuft. Solange die Tageshöchsttemperatur vorherrscht, kann ich auch meine Trainingsjacke ausziehen. So habe ich ein noch besseres Gefühl beim Laufen.

Kurz vor der Dechantlacke habe ich noch Emil Buresch hinter mir erblickt. Ich nenne ihn, die Legende, weil er dem Alter trotzt und bei diversen Sportevents immer starke Leistungen abliefert. Er kann meinem Tempo aber nicht ganz folgen und so wird es nur ein kurzes Meet & Greet.
Weiter geht es über den Josefsteg hinab zur Panozzalacke. Hier treffe ich auf zwei Läufer, wohl Freunde, die ebenfalls zum ersten Mal hier teilnehmen. Wir lassen das Knusperhäuschen "Imbiss" hinter uns und laufen nun zu dritt am Salzgitter Bunker vorbei zum Zentraltanklager der OMV. Dieses umrunden wir dann fast. Wir unterhalten uns eine Weile, während wir fröhlich dahinjoggen, doch dann setze ich mich ab. Ich habe wahrlich viel Energie und ich merke, dass ich schön gleichmäßig ein flottes Tempo halten kann.

Letztendlich folgt der schöne Nordwestbogen am Rand der Lobau zu Groß Enzersdorf. In den letzten Jahren hatte ich diesem Zeitpunkt schon knapp 30 Kilometer in den Beinen. Da zieht sich dieser Weg manchmal dahin. Heute aber, nach knapp 20 Kilometern, nehme ich diese lange Kurve relativ frisch. Hier treffe ich dann auf Alfred Seiser. Alfred hat ein tolles System für sich entdeckt. Er pflegt ein Wechselspiel zwischen Laufen und Walken. Seine dünnen Walkingstöcke sind leicht und stören ihn beim Laufen nicht. Wir unterhalten uns ebenfalls und gelangen gemeinsam zur ersten Verpflegestation beim nördlichen Ausgang der Lobau, dem Gasthaus Hansi an der Esslinger Furt. Dort treffen, wie schon bei der Steinspornbrücke auf Christine Fankhauser, welche uns fotografiert. Alfred braucht anscheinend keine Pause und läuft gleich weiter.


Locker geht es entlang der Donauinsel bei Kaisermühlen

Vor dem Nationalparkhaus Lobau

Ankunft beim Gasthaus Hansi

Eingang in die Lobau (by Christine Fankhauser)

Der Josefsteg in der Lobau

Kurze Rast bei der Labestation (by Christine Fankhauser)


Vom Gasthaus Hansi bis Gerasdorf (ca. 37 km gesamt)

Nach einer kurzen Stärkung geht es weiter. Die ersten 20 Kilometer konnte ich also super durchlaufen. Jetzt folgt der nächste Teil meiner Taktik. Ich marschiere entlang der Kirschenallee. Ich will das so, denn die Kirschenallee ist zwar sehr hübsch, aber sie zieht sich jedes Jahr. 
Am Ende der Allee überquere ich nun die Esslinger Hauptstraße und folge der Parkanlage in Richtung Himmelteich. Diese befindet sich ganz nahe der Seestadt in Aspern. Es wird frischer und ich ziehe meine ärmellose Jacke an. Ich laufe nun nicht mehr durchgehend, sondern wechsle immer wieder das Tempo.  Doch letztendlich geht es toll dahin und eine erste Vergleichsrechnung zeigt, dass ich jetzt schon fast 15 Minuten schneller bin als im Vorjahr. Aber auf diesen Polster darf ich mich nicht ausruhen.

Nach Essling und Asperen folgen die weiten Felder von Breitenlee. Und damit ist es mit dem Windschutz vorbei. Das Wetter gibt sich Mühe nicht ganz unbrauchbar zu sein, aber der starke Wind ist schon eine Herausforderung für uns alle. Am Tag darauf sollte Wien ja dann von orkanartigen Böhen heimgesucht werden. Es ist zwar kein Orkan was uns hier erwartet, aber gegen den Wind zu laufen, das ist schon eine größere Belastung.

Hier treffe ich erstmals auf Brigitte Fellner, die ebenfalls einen radelnden Supporter an ihrer Seite hat. Sie nimmt an der Kurzen G´schicht teil und hat ebenfalls mit dem Wind zu kämpfen. Sie wirkt noch frischer und überholt mich kurz vor der Breitenleerstraße. 
Dort überholt mich auch der Sieger der Ganzen G´schicht 130 Kilometer. Wahnsinn! Auch Christine Fankhauser ist wieder da. Die rasende Reporterin der Turbo Schnecken ist fast überall an der Strecke anzutreffen. 

In Süssenbrunn kommen die ersten, jedoch ganz normalen, Verschleißerscheinungen. Meine Oberschenkel brummen und meine Knie haben viel zu tun. Aber noch habe ich keine Schmerzen. Auch der Energiepegel ist dank ausreichender Verpflegung noch erstaunlich hoch. Auch mein Gemütszustand ist extrem locker und ich habe jederzeit sehr gute Gespräche mit meinem Vater. Wir sind immer noch gut drauf und auf Rekordkurs. Die Weingartenallee beim Süssenbrunner Golfklub meistere ich wieder läuferisch. Erst kurz vor Gerasdorf, als es wieder gegen den Wind geht, marschiere ich weiter. Und schon erreichen wir die nächste Labestation, welche sich neben dem Bahnhof in Gerasdorf befinden.


Breitenleerstraße (by Christine Fankhauser)

Labestation Gerasdorf

Kurz vor Süssenbrunn

Weiter gehts in Richtung Marchfeldkanal


Von Gerasdorf bis Strebersdorf (ca. 52 km gesamt)

Mehr als die Hälfte ist geschafft. Diese Pause fällt etwas länger aus als noch beim Gasthaus Hansi. Ich muss mich etwas aufwärmen. Es wird nun noch frischer bzw. richtig kalt. Ich schlüpfe wieder in meine Trainingsjacke und ziehe meine Handschuhe an.
Das endlos scheinende Gerasdorf meistere ich ebenfalls wieder im Laufschritt. Kurz vor der Schule tanke ich zwar wieder Energie, während ich schnell marschiere, aber dann laufe ich von der Schulgasse über den Marchfeldkanal bis hin nach Stammersdorf. Wow! So schnell habe ich diese Passage noch nie gemeistert.

Auch die Stimmung ist herrlich. In dieser Phase ist kaum ein Teilnehmer vor oder hinter uns. Und so stimmen mein Vater und ich das eine oder andere Liedchen an. Kein Witz! Das ist auch nicht neu. Das kommt schon mal vor, wenn wir beide sportlich unterwegs sind. Top Favorit ist dabei meistens "Eviva Espana" was aber keinen politischen Hintergrund hat, sondern viel mehr ein Ohrwurm für uns ist. *haha*
Und so erreichen wir laufend, radelnd und singend die Ortschaft Stammersdorf. Einen Vorteil hat diese Streckendrehung. Dadurch, dass ich jetzt noch nicht so weit bin, wie in den Vorjahren, ist es an diesen Stellen noch hell. Und so kann ich endlich einmal die freie Sicht auf den Bisamberg vom Marchfeldkanal aus genießen. Mir persönlich hilft das sehr, weil ich mir leichter tue, wenn ich mich an Orten oder Geländeformen orientieren kann.

Durch Stammersdorf marschiere ich dann wieder. Auch als es dann nahe der Stammersdorfer Schießstätte immer weiter bergauf ging, erhöhe ich das Tempo nicht. Ich hebe mir etwas Kraft für das Finish auf. Auf der Höhe des alten Pulverturms und dem Mitterhaidweg wird es dann so richtig finster und ich setze meine Stirnlampe auf. So erreiche ich nun die Hagenbrunnerstraße bei den Broschäckern. Kurz darauf folgt der steilste Anstieg der gesamten Tour, nämlich die Straße hinauf zur alten Schanze des Bisambergs. Doch diese meistere ich in diesem Jahr besonders gut. Ohne größere Probleme erreiche ich dann auch schon die Eichendorff Höhe beim Bleierwald. Wie immer ist der Ausblick auf die Lichter der Großstadt beeindruckend. Doch ich kann mich nicht länger aufhalten. Jetzt folgt nämlich ein relativ angenehmer Teil. Bis Strebersdorf geht es nämlich nur bergab.

Nach dem Magdalenenhof folgt fast schon ein kleiner Talsprint entlang der Senderstraße bis zum Parkplatz an der Stammersdorfer Kellergasse. Hier stärke ich mich ein letztes Mal, ehe es in das Schlussdrittel geht. Langsam werden die Beine schwerer. Auch meine Knie fühlen sich schon blockartig an. Es wird langsam schwieriger, den Flow aufrecht zu halten.
Diesmal folgt der Abstieg über die Krottenhofgasse, bis wir schließlich Strebersdorf erreichen und uns am Marchfeldkanal wiederfinden.


Mit Betreuer Vater Joe am Marchfeldkanal

Hinauf auf den Bisamberg

nahe Stammersdorf

Labestation an der Sendestraße


Von Strebersdorf zurück zum Sportcenter Donaucity (ca. 52 km gesamt)

Es ist finster. Es ist kalt. Es ist immer noch sehr windig. Und jetzt beginnt es auch noch zu nieseln. Doch es muss weitergehen. Mittlerweile haben sich die Prioritäten etwas verschoben. Was durchaus positiv ist. Denn die 9 Stunden und 30 Minuten sind, sofern das Tempo gehalten wird, längst geschafft. Denn mein Vater und ich hatten schon vor dem Event deinen Schlusslauf der letzten Kilometer bis ins Ziel einkalkuliert. Nun könnte eine ganz andere, vorher unerreichbar scheinende, Marke falle. Nämlich unter 9 Stunden zu kommen. Aber dafür muss ich jetzt kämpfen und beißen.

Ich lasse die Pragerstraße hinter mir und marschiere weiter entlang des Marchfeldkanals bis zum Hubertusdamm. Ich weis ganz genau was ich mich jetzt erwartet. Ich versusche so viele Energiereserven wie nur möglich anzuzapfen und gehe noch einmal in mich. Vom Hubertusdamm gelangt man nämlich zur Donau. Und ab der Donau warten die letzten 8 Kilometer bis ins Ziel. 
Mein Vater packt die Motivationskeule aus. Von nun an gibt es kein Stehenbleiben mehr bis ins Ziel. 53 Kilometer habe ich bis hier geschafft. Davon habe ich sicher so an die ca. 35 Kilometer netto im Laufschritt zurückgelegt. Und nun sollte ich mit schweren Füßen noch einmal 7 Kilometer am Stück laufen.

Dann mal los! -
Ich erkenne nur noch eine endlose gerade Straße vor mir. Mein Blick schwindet immer rechts über die Donau hinweg zum Millennium Tower am Handelskai. Dieser will und will einfach nicht näherkommen. Mein Vater feuert mich an. Meine Füße laufen wie von selbst. Trotzdem fühle ich mich nicht gut dabei. Ich habe das Gefühl, wenn ich jetzt stolpere, dann wars das. Ich stehe nicht mehr auf. 
Jetzt kommt die Erschöpfung zum Vorschein. Da hilft jetzt auch kein gut zureden mehr. In einem gebrochenen Satz erkläre ich meinem Vater, das ich zwar höre, was er mir sagt, er aber nun nicht mehr auf eine Antwort warten darf. Ich brauche jetzt jeden Funken Energie.

Endlich erreichen wir die Nordbrücke. Ich will nur noch, das es aufhört und ich ins Ziel fallen kann. Weiter geht es zur Floridsdorfer Brücke. Der Fußweg hat nun noch einige kleine Ab- und Aufstiege parat. Bei jedem Aufstieg habe ich das Gefühl, ich hätte einen 100 Kilo schweren Ruckack am Rücken. Ich versuche aber das Tempo zu halten, und keineswegs langsamer zu werden. Aber jetzt schießen die Schmerzen ein. 
Die Brigittenauer Brücke erscheint vor mir und ich klammere mich an den Gedanken, dass ich diese von meinem Lauftraining her kenne, wenn es in den Donaupark hinein geht. Es ist nicht mehr weit. Aber der Tank ist leer. Der Körper läuft auf Notstrom. Da ist er ja wieder! Mein Grenzbereich! Schön Dich mal wieder zu spüren!
Und dann erhebt sich auch schon die Skyline der Donaucity vor mir. Jeden Moment folgt die Einkehr in den Donaupark. Mein Geschrei und Gekrächze hört man wohl in ganz Wien. Der letzte Kilometer bricht an. Mein Vater treibt mich noch einmal so richtig an. Dann folgt der Eingang in das Sportcenter Areal. Dort steht eine große Standuhr. Diese zeigt mir an, das ich bereits über 9 Stunden unterwegs bin. Ich quäle mich noch bis zum Eingang in die Sporthalle und schaffe tatsächlich noch einen kleinen Zielsprint über die Ziellinie. Ein Blick auf die Stoppuhr sagt mir "9 STUNDEN UND 5 MINUTEN".

Dann lasse ich mich zu Boden fallen!


Nach 9 Stunden und 5 Minuten erschöpft im Ziel

Ich mit meiner 4. WRU (Halb) Medaille

Erschöpfung und Emotionen im Ziel

Ultra & 130km Finisher Rene Kun und ich


Fazit:

Es dauert ca. 10 Minuten. In dieser Zeit bin ich nicht ansprechbar. Diese Zeit braucht mein Körper um das Betriebssystem zu rebooten. *haha* Danach geht es mir aber wieder gut. Ja, sehr gut sogar.

9 Stunden 5 Minuten für 61 Kilometer. Ich habe mein selbst gestecktes Ziel fast um eine halbe Stunde unterboten. Das es knapp nicht für unter 9 Stunden gereicht hat, ist nicht weiter schlimm. Damit habe ich ja nicht gerechnet. Es wäre sicherlich möglich gewesen. 6 Minuten hätte ich sicher irgendwo rausholen können. Dafür hätte ich aber wissen müssen, das es sehr knapp wird. Und mein Fokus lag ja bei 9 Stunden 30 Minuten.

Für mich ist das eine sensationelle Leistung. Bei dieser Zeit gehe ich soweit, dass ich behaupte, wäre der Trail 64 Kilometer lang gewesen, hätte ich die 9 Stunden und 45 Minuten klar unterboten. Ich war am Ende zwar total fertig, aber doch sehr schnell. Ich hätte aber noch 3 Kilometer marschieren können, wäre es sich ausgegangen. Es spielt zwar keine Rolle mehr, aber ich brauch das für mich und meinen Vergleich gegen mich selbst.

Da ich ja heuer einen Sportjahresrückblick machen werde, möchte ich noch nicht zu viel hier analysieren. Aber nach all den Up & Downs in diesem Jahr, ist das mehr als ein gelungener Jahresabschluss für mich, indem ich noch einmal so richtig zeigen konnte, was in mir steckt.
Der Support von meinem Vater war wieder wichtiger denn je. Mittlerweile harmonieren wir einfach sehr gut, und auch unsere Generalprobe auf der Strecke von Stockerau nach Hetzmannsdorf (BERICHT) war sehr wichtig. Da haben wir schon gesehen, wie gut es klappen kann. Ich muss mich wieder einmal bei ihm bedanken. Schließlich muss er ja die Strecke auch mit dem Rad abfahren und mich daran erinnern, zu trinken.

Das Event war wieder einmal sehr gut organisiert, auch wenn die Lokation im Sportcenter für mich persönlich etwas zu klein und unübersichtlich war im Gegensatz zum Turnsaal in Gerasdorf, wo sonst Start und Ziel sind.
Ich fand es auch gut, das alle Teilnehmer einen Tracker bekommen haben. Nur sollte der auch richtig funktionieren. Bei mir scheint es ja geklappt zu haben, aber bei vielen gab es große Verwirrung durch voreingestellte Programmierungen etc. Trotzdem bin ich der Meinung, das Tracken eine gute Sache ist. Auch das die Startnummer auf einem Armband steht, finde ich toll. Nur frage ich mich, wie sie später dann die Fotos für die Urkunde zuordnen wollen, ohne klar ersichtlicher Startnummer. Die Verpflegestationen waren so weit auch ok. Es war im Grunde alles da, was man braucht. Die zusätzliche Station bei der Sendestraße fand ich auch sehr passend. 

Hat mir die veränderte Streckendynamik gefallen? Teils teils.
Positiv finde ich, das es für mich bis zum Bisamberg noch hell ist. Andernfalls kann der Bisamberg schon anstrengend sein. Da kam es mir oft gelegen, dass im Anschluss bald das Ziel wartete. Das Finish entlang der Donau ist sicher für jeden Teilnehmer noch einmal eine Überwindung.

Zuletzt folgen natürlich noch ganz spezielle Grüße an alle meine Freunde und Bekannte. Jeder hat eine tolle Leistung geboten, wofür ich allen pauschal gratulieren will. Egal ob sie Teilnehmer, Supporter oder Mitfieberer waren. Alle haben einen tollen Job abgeliefert!
Es hat mir auch Spaß gemacht, im Zielbereich mit Euch zu feiern. Immerhin blieb ich nach meinem Zieleinlauf um 20:35 noch bis 1:30 Nachts vor Ort und habe, trotz großer Müdigkeit, keine Sekunde bereut.

Auf das wir schon bald wieder sehr viele schöne Momente zusammen als Sportlerfamilie erleben dürfen!

PS: Danke für die tollen Fotos an Josef Ofner, Christine Fankhauser und der WRU Fotografen!


BEST OF FAMILY & FRIENDS

Video:

Karte:

Kommentare