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ich, am Weg

WIEN RUNDUMADUM TRAILRUN
"60 Kilometer Halbe Gschicht"

01. November 2014
 


Ein Trail der mein Leben mitveränderte...

Um ca. 6:15 traf ich beim Ella Lingens Gymnasium im 21. Bezirk ein. Schon am Vortag hatte ich mir die Startnummer geholt und meinen Rucksack dort gelassen. Im großen Turnsaal der Schule fanden sich dann alle Teilnehmer ein. Um 6:30 folgte das Teilnehmerbriefing, bei dem über eine riesige Leinwand noch mal alle Streckendetails geklärt wurden. Um 6:45 folgte noch das große Gemeinschaftsfoto, worauf es nach draußen zur Laufbahn an den Start ging. Pünktlich um 7:00 ertönte das Startsignal für alle Starter.Gemütlich und bequem folgten die ersten Kilometer entlang des Marchfeldkanals bis zur Donau bzw. Donauinsel.

 


Dort folgte für mich als 60 Kilometer Wanderer eine 10 Kilometer lange gerade vorbei an der Nord, Reichs und Donaustadtbrücke etc. Ab Kilometer 19 zweigte die Strecke von der Donau direkt in den Nationalpark Donau-Auen ab (Lobau). Dieser Streckenabschnitt verging wie im Flug und ich lag mehr als super in der Zeit. Vorbei am Ölhafen folgte eine lange stetige Kurve vorbei an der Auenvorstadt und Groß Enzersdorf, bis ich schließlich Essling erreichte und die Lobau verließ. Hier wartete nach 32 traumhaften Kilometern die erste Verpflegungsstation.

 


Bis hier hin war alles in bester Ordnung, denn um die 30 Kilometer ist eine Marke die ich so am Tag beim Weitwandern oder Pilgern zurücklege. Ab hier wusste ich, das nun langsam meine wahre sportliche Challenge beginnen würde. Durch Essling hindurch folgte der Weg nun auch vorbei an der Großbaustelle der Aspaner Seestadt. Kurz vor Breitenlee war es dann so weit. Ich passierte Kilometer 38 und hatte somit meine bisherige Tageshöchstdistanz überboten. Das war dann auch die Marke, wo sich der Körper erstmals gegen diese Tour zur Wehr setzte. Meine Blasen auf den Füssen waren teilweise schon aufgegangen, was ein angenehmes Aufsteigen schon mal unmöglich machte.
Vor Kilometer 40 traf ich dann auf eine nette Dame, die ebenfalls am Trailrun teilnahm. Und das war nachträglich betrachtet auch mein Glück, denn so hatte man die Möglichkeit sich durch Plaudern abzulenken und gegenseitig zu puschen.
 


Nach 44 Kilometern erreichten wir Süssenbrunn. Hier wurden meine Beine immer schwerer und schwerer. Und schließlich gelangten wir nach 47 Kilometer zur zweiten Verpflegungsstation in Gerasdorf.
Und hier passierte mir ein unnötiger Fehler, denn ich setzte mich hin, um zu entspannen. Zur gleichen Zeit ging aber die Sonne unter und die Temperaturen fielen. Und gleich darauf kühlte mein Körper ein wenig aus. Nicht gut, wenn man weis das noch 16 Kilometer vor einem liegen...

Nun wurde es Zeit für die Stirnlampe und Warnweste. Und ab diesem Zeitpunkt wurde dieser aufregende Superwandertag zur sportlichen Qual für mich.
Ich und meine Wanderbegleitschaft kehrten Gerasdorf nun den Rücken und marschierten über Feld, Stock und Stein bis nach Stammersdorf (53 Kilometer). Nebel zog auf. Trotz Stirnlampe konnte man keine 10 Meter vorausblicken. So konnte man nie einschätzen, wo man sich gerade genau befand und wie weit die nächste Straße oder Ortschaft ist.
Einfach nur grausam, wenn man schon über 50 Kilometer in den Beinen hat und es immer kühler wird.
 

Nach Stammersdorf folgte ein leichter Anstieg über ein weiteres Feld hinauf zum Fuße des Bisambergs. Hier bewegte ich mich absolut am Limit. Da war ich froh in Begleitung zu sein, denn diesen Abschnitt hätte ich wohl alleine nicht überstanden. Der Schmerz zog von den Füssen bis hinauf zum Becken. Die Beine fühlten sich an wie Betonklötze. Auch die Riemen vom Rucksack bohrten sich bereits in die Schultern hinein. Man fragt sich in diesem Moment nur "Wieso das alles?".Ab Kilometer 56 ging es über die Stammersdorfer Kellergasse abwärts. Auch hier taumelte ich eher schon geistig abwesend umher. Bei jedem Schritt abwärts spürte man das gesammelte Wasser in den Zehen.

Jedes zweite Verkehrsschild wurde eine Stütze für mich. Ich war wirklich am Ende, aber ich wollte so kurz vor dem Ziel nicht mehr aufgeben.Letztendlich erreichten wir dann wieder Stammersdorf. Über ein weiteres Feld ging es zurück zum Marchfeldkanal. Die letzten 1,5 Kilometer waren aber wieder von Euphorie geprägt. Da trug uns die Erleichterung und der Stolz über das Geschaffte ins Ziel.Das Ziel war nun wieder im Turnsaal des Ella Lingens Gymnasium. Nach 13 Stunden und 8 Minuten (20:13) erreichte ich das Ziel und hatte bei 61 Kilometer zurückgelgt!Voller Stolz und überschwänglicher Freude nahm ich meine Finisher Medaille entgegen, zog mich jedoch gleich 30 Minuten in eine Ecke zurück, denn mein Körper war derart überdreht, ich wusste weder wo oben noch unten ist.

Nach ca. einer Stunde war zumindest geistig wieder alles top und ich konnte noch mit anderen ebenso erschöpften Teilnehmern den Abend wohl ausklingen lassen. Mein Respekt gehört all jenen, die es geschafft und auch versucht haben.
Ich verneige mich vor allen Teilnehmern welche die volle Distanz von 120 Kilometer geschafft haben. Ihr seid wahnsinnig

Was mich angeht...
Es war wunderschön, doch am Ende wie schon beschrieben bewegte ich mich etwas zu sehr am Limit für meinen Geschmack. Es war aber für mich eine wertvolle Erfahrung meine persönlichen Grenzen kennenzulernen.

Hier gibts die Video Clips Teil 1 und 2 für Euch:
Insgesamt bieten sie Euch in insgesamt 28 Minuten ein Einblick eines Trailrunners :-)

Viel Spass damit:

Video Teil 1

Video Teil 2

Karte:

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