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ich, am Weg

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Ok
Wien RUD "halbe Gschicht 64 km" 2016
30.10.2016 19:06

Bestmarken über Bestmarken und ein starkes Team!

Mein drittes Antreten bei der halben Gschicht´von Rundumadum Wien brachte mir erneut eine Leistungssteigerung. Diese war aber am Ende noch hart erkämpft. Das verletzungsbedingte Abbrechen meines ursprünglichen 16 Wochen Programms für eine Zeit unter 9 Stunden hatte ich abgehakt. Die letzten Wochen vor dem Start habe ich intensiv damit verbracht mich läuferisch noch einmal in die bestmöglichste Form zu bringen um nicht nur meine Zeit aus dem Vorjahr mit 10 Stunden 13 Minuten zu unterbieten, sondern auch unter 10 Stunden zu gelangen. Das dies nicht einfach werden sollte zeigte auch die Tatsache das mein Vater, welcher mich im Vorjahr als Betreuer am Rad begleitet hatte, nicht dabei sein konnte. Dennoch fühlte ich mich fit und war bereit mich dieser Herausforderung zu stellen. Es sollte ohnehin anders kommen.

Während die 130 Kilometer Gladiatoren schon längst am Weg waren, fand ich mich als 64km Starter um ca. 9:45 im Ella Linges Gymnasium ein.

Nach der verpflichtenden Teilnehmerbesprechung um 10:30 folgt schließlich pünktlich um 11:00 der Start an der Laufbahn des Gymnasiums. Gegenüber den letzten beiden Jahren beschließe ich mich vorne ins Läuferfeld zu stellen. Somit ist meine Ausrichtung klar. Ich werde auch die ersten sechs Kilometer bis zur Donauinsel im lockeren Laufschritt zurücklegen um dann die gesamte Donauinsel ebenso abzulaufen.

Mit prallgefüllten Rucksack und den Walkingstöcken die aus der oberen Öffnung herausragen laufe ich los. Schön locker aber mit gutem Tempo. Nach wenigen Metern erreiche ich auch schon den Marchfeldkanal. Es geht super dahin und ich merke das es heute schön rund läuft. Ich lasse die Brünner-, Jedlersdorfer- und Strebersdorferstraße hinter mir und genieße den tollen Start. Nach der Prager Straße nähere ich mich langsam dem Ende des Marchfeldkanals. Plötzlich werden meine Augen groß wie Teller! Sehe ich in der Ferne doch tatsächlich meinen Vater Josef mit einem Geländebike und Rucksack stehen. Ich kann es nicht glauben. Er war tatsächlich zuhause geblieben um mich erneut zu supporten.

Doch für Sentimentalitäten bleibt keine Zeit ;-)
Er schnappt sich sofort alle meine Getränke sowie mein Wechselgewand und die Walkingstöcke aus meinem Rucksack und verläd diese in seinen. Damit ist mein Rucksack nur noch halb so schwer und ich kann es kaum erwarten weiter zu laufen. Das Team Ofner ist also wieder vereint. Ich bin überglücklich und nun noch motivierter mein Ziel zu erreichen.
Und es fühlt sich sofort an wie im Vorjahr. Ich konzentriere mich auf den Sport und mein Vater achtet darauf das ich ausreichend und zur richtigen Zeit trinke. Er füllt die Getränke nach und gibt mir wichtigen Zuspruch. Nach ca. 6 Kilometer erreichen wir nun das Ende des Kanals und wir die Donau auf der Höhe Strebersdorf. Kurz laufe ich am Nordost Ufer entlang ehe es über die Jedleseerbrücke auf die Insel geht.

Auf Höhe der Reichsbrücke, nach ca. 13 Kilometern wartet dann die nächste Überraschung. Meine Mutter Eva ist gekommen um mich anzufeuern. Tja, mit soviel Unterstützung kann es einem nicht schlecht gehen. Ich bin richtig fit und stelle fest das ich gleich meine persönliche beste Laufdistanz schaffen werde. Nach der Kaisermühlenbrücke ist es dann soweit. Ich laufe erstmals weiter als 15 Kilometer. Kurz danach gelangen wir zur ersten Labestation. Ich führe mir etwas Energie zu und laufe weiter. Ich fühle mich großartig und es kam mir garnicht so lange vor.

Weiter geht es zur Donaustadt-, Stadlauerbahn Brücke. Und es dauert auch nicht lange bis ich die Steinspornbrücke erreiche und somit die Donau in Richtung Nationalpark Haus Wien-Lobau verlasse. Und hier höre ich auf meine innere Stimme. Ich beschließe das Laufen einzustellen und ins Schnellgehen bzw. Walken überzuleiten. Immerhin stehe ich vor dem Eingang in die Lobau und habe soeben 20 Kilometer in 2,5 Stunden geschafft. Vielleicht hätte ich noch weiter laufen können, doch die Kraft muss noch für weitere 44 Kilometer reichen. Darum scheint es mir besser nun im schnellen Gehen die Batterien aufzuladen.

Ich marschiere durch die herbstlich prachtvolle Lobau und lasse sowohl die Dechantlacke sowie den Josefsteg hinter mir. Dann geht es weiter den Fasangartenarm hinab zur Panozzalacke. Ich fühle mich super und teile meinem Betreuer mit das ich noch innerhalb der Lobau noch eine Laufpassage mit einbauen werde. Ich walke der Napolionstraße entlang um das Zentraltanklager der OMV herum zum nördlichsten Punkt des Donau-Oberkanals. Und auf Höhe des Unterhausbodens nahe Groß Enzersdorf nehme ich wieder Lauftempo auf. Ich laufe zwischen Napolionschanzen und dem Großenzersdorfer Arms zur Stadler Furt. Hier muss ich mich wieder hier und da etwas bremsen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich nun netto ca. 22 Kilometer erlaufen und das macht sich doch auch bemerkbar. Doch letztendlich erreiche ich die nächste Labestation an der Eßlinger Furt und verlasse die Lobau nach 31 Kilometern in einer Zeit von 4 Stunden und 9 Minuten. Damit bin ich zwischenzeitlich um 28 Minuten schneller als im Vorjahr und 15 Minuten bei gleichbleibenden Schnitt unter einer Zeit von 10 Stunden. Ein guter Polster? Man wird sehen.

Ich habe nun eine Vorsprung auf den Peter aus dem Vorjahr. Doch ich war bislang auch viel mehr gelaufen als dieser Peter. Die nächste Labestation ist im 15 Kilometer entfernten Gerasdorf. Ich muss aber nun wieder Energie sparen um später nochmal einige Abschnitte laufen zu können. Ich greife nun zu den Walkingstöcken und verlasse die Eßlinger Furt. Und da passiert es. Ich merke das der Trailsocken meines linken Fusses an meinem Fussballen klebt. Eine große Blase kündigt ihre Erscheinung an. Meine Fuße sind durchs Laufen aber schon etwas angeschwollen und ich will nicht aus den Schuhen raus. Ich beschließe das zu ignorieren.

Nach der Kirschenallee und der Überquerung der Eßlinger Hauptstraße gelangen mein Vater und ich nun in den Park des Himmelteichs nahe der Asperner Seestadt. Weiter geht es über die Asperner Terassen über den Bahnübergang zum Algenweg. Hier ändert sich die Wegbeschaffenheit. Es geht ins Gelände über Stock und Stein. Und ab hier muss ich einsehen das meine wirklich tollen Laufschuhe eben keine Trailrunner sind. Das Profil ist zu dünn und ich fördere bei jeder Unebenheit das weitere Wachsen meiner Blase am linken Fussballen. Dort wo es richtig unangenehm ist. Nach der Krcal- und Klagergrupe führt ein Karrenweg zur Breitenleer Straße. Nun kann ich es nicht mehr leugnen. Ich habe Schmerzen dort wo nun die 3 cm große Blase wuchert. Beim jedem Auftreten fährt dieses unwohle Ziehen das Bein hinauf. Es ist kein Weltuntergang, aber ich merke wie es mich hemmt. Ich werde langsamer.

Nach dem Paischerwasser der Überquerung der S2 an der Herman Gebauer Straße nahe des Gewerbepark Nord erreiche ich schließlich den Ort Süßenbrunn. Zu diesem  Zeitpunkt habe ich bereits 44 Kilometer in den Beinen. Es folgt die lange Weingartenallee hinauf bis zur Bahnunterführung kurz vor Gerasdorf. Und hier passiert das nächste Unheil. Ein kleiner spitzer Stein gelangt irgendwie in meinen linken Schuh. In der Eile legt er sich genau unter die Blase und ich steige genau in diesem Moment auf. "Aua". Nun ist die Blase offen. Das drückende Knautschgefühl weicht einem noch lästigeren Brennen. Der Socken ist nun auch an den Zehen nass. Im Vorjahr hatte ich kurz vor Gerasdorf meine Freunde Willi Pernold und Christian Tuder eingeholt und war mit ihnen gemeinsam von Süssenbrunn nach Gerasdorf gelaufen. Das schaffe ich diesmal nicht. Ich erreiche die Labestation in Gerasdorf bei Kilometer 47 - doch der 2015er Peter hat aufgeholt. Nun wackeln die 10 Stunden!

Es folgt eine kleine Lagebesprechung mit meinem Vater und Betreuer Josef. Ich stehe nun bei 47 Kilometer und ich habe noch etwas weniger als 3 Stunden Zeit mein Ziel zu erreichen. Dazu geht nun die Sonne allmählich unter und vor mir liegt noch der zähe Aufstieg auf den Bisamberg der nach sovielen Kilometern in der Nacht schon eine kleine Herausforderung ist. Im Vorjahr war ich komplett durch Gerasdorf und weiter gelaufen. Das musste ich jetzt ebenfalls anpeilen denn ich habe Zeit liegen gelassen.

Und so stärke ich mich an der Labestation und setze im Anschluss meine Beine in Bewegung. Tatsächlich laufe ich wie im Vorjahr durch Gerasdorf und einen Teil der Schulgasse entlang hinauf zum Gerasdorfer Bad und dem Marchfeldkanal. Wir beobachten wie zwischen dem Kahlen- und Bisamberg die Sonne untergeht. Mein Vater schnallt sich die Stirnlampe an den Kopf und leuchtet mir, immer noch am Rad langsam neben mir her fahrend, den Weg. Dieses fiese Stück über den Marchfeldkanal nach Stammersdorf zieht sich extrem in die Länge. Man hat das Gefühl es hört garnicht mehr auf. Ich würde so gerne weiter laufen, aber die Schmerzen im linken Fuß hemmen mich erneut. Durch das Laufen durch Gerasdorf habe ich die kleine offene Wunde nicht gerade geschont.

Endlich gelangen wir nach Stammersdorf und ich kämpfe mich weiter, über die Brünnerstraße, hinein zu den Weinstöcken des Mitterhaidweges. Und ab hier setzt der Aufstieg auf den Bisamberg ein. Es ist nicht sonderlich steil aber es zieht sich gefühlt extrem in die Länge. Ich weis das ich hinter mir einen genialen Ausblick auf die Lichter der Großstadt hätte, aber ich muss mich konzentrieren und weiter schnell aufsteigen. Nach dem alten Pulverturm und dem Hügel des Herrenholzes gelange ich zur Hagenbrunnerstraße. Diese überquere ich und steige an den Broschäckern hinauf zur alten Schanze. Hier folgt das wahrscheinlich schwerste Stück der Tour, denn kurzfristig wird der Weg doch etwas steiler und man muss sich hier wahrlich überwinden. Mein Vater fährt zum höchsten Punkt der Strecke, der Eichendorff Höhe, voraus um noch einmal meine Trinkvorräte aufzufüllen.

Dort gibt es einen letzten Check mit der Uhr...

Die Eichendorff Höhe erreicht man nach ca. 57 Kilometern. Der Ausblick ist sagenhaft. Man steht an einer Wegkreuzung. Hinter einem der düstere Wald und vor einem die Lichter der Großstadt. Herrlich! Aber es wird Zeit für die Wahrheit.
Den Weg hinauf auf den Bisamberg habe ich schneller gemeistert als im Vorjahr. Doch hat mein Vorsprung auf den Peter des Vorjahres gehalten?

Es ist exakt 20:00 Uhr. Es sind noch ca. 6 Kilometer bis ins Ziel. Das bedeutet, ich habe 59 Minuten Zeit für 6 Kilometer, mit allerdings bereits 57 Kilometern in den Beinen. Dazu kommt noch diese lästige Blase. Meine Bestzeit von 10 Stunden und 13 Minuten sind natürlich machbar. Doch für eine Zeit unter 10 Stunden würde Gehen allein wohl nicht ausreichen. Es muss also noch eine Laufpassage her, wenn möglich durchgehend bis ins Ziel.

Dast ist aber garnicht so leicht zu verarbeiten. Man ist müde, die Ober- und Unterschenkel machen sich natürlich bemerkbar. Der linke Fuß schmerzt. Man hat auch nicht mehr diese Energie und Elan wie zb. zu Beginn des Events.

Mein Vater ist überzeugt das ich das kann. Und auch ich möchte so knapp vor dem Erreichen meines Ziels nicht mehr scheitern. Ich beisse die Zähne zusammen und setze zu einer letzten Laufetappe an. Diese hat es insich, aber Schmerzen werde ich am Ende des Tages sowieso haben. Ich kann nur noch entscheiden wie ich aus diesem Bewerb hinaus gehen will. Und ich will natürlich mein Ziel erreichen.

Ich laufe die Senderstraße hinab bis zur Stammersdorfer Kellergasse. Auch hier lasse ich nicht locker und laufe weiter hinab bis nach Stammersdorf. Jetzt wird es in der Tat schon sehr schwer. Um mich herum nehme ich nichts mehr wahr. Vor mir ist der Weg, die Straße, der Pfad, egal was. Ich will nur noch ins Ziel. Der Orasteig über ein großes Feld wird noch einmal zur Zereissprobe und mein Vater spricht mir weiter gut zu. Er feuert, bzw. treibt mich an. Meine Atmung wird schwerer. Ich funktioniere nur noch. Wir erreichen erneut den Marchfeldkanal auf der Höhe der Jedleseer Brücke, wo nun der letzte Kilometer zurück zum Ella Lingens Gymnasium folgt. Der Motor läuft. Es gibt kein Stehenbleiben mehr.

Letztendlich erreiche ich erneut die Laufbahn der Schule, doch das Ziel ist im Turnsaal. Ich öffne das Tor, stürme durch den Zielbogen und blicke gespannt auf die Uhr...

!!! 9 Stunden 45 Minuten !!!

Ein lauter Jubelschrei und ich sackte noch im Ziel zu Boden. Was für eine Erleichterung. Ich habe die letzten 6 Kilometer voller Qualen tatsächlich in 45 Minuten erkämpft. Es ist unbeschreiblich. Eigentlich geht es mir garnicht gut, aber ich bin so überdreht das ich alle Schmerzen vergessen habe. Im Ziel wartete auch meine Mutter und auch mein Vater und treuer Begleiter gratulierte mir nachdem er das Rad abgestellt hatte.

Ich suchte mir eine Turnsaalmatte und erholte mich mal von diesem unglaublichen Finish, bei dem ich dem Vorjahres-Peter noch einmal so richtig davongezogen bin. Am Ende waren es wieder die 28 Minuten die ich schneller war als im Vorjahr. Ich habe mein Ziel, unter 10 Stunden zu kommen, nicht nur erreicht, sondern kam auch recht klar unter diese Marke.

Fazit:

64 Kilometer in 9 Std. 45 Min. Davon ca. 28 Kilometer netto gelaufen! Damit muss man zufrieden sein.
Die ersten 20 Kilometer waren der Hammer, weil durchgelaufen. Das ist nahezu perfekt. Hier wird es schwer noch einmal eine Steigerung zu erzielen.
Auch die 4 Stunden 9 Minuten bis zur Eßlinger Furt waren genial. Bis hier hin habe ich 100% an Leistung ausgeschöpft.
Beim Abschnitt von der Eßlinger Furt bis Gerasdorf habe ich dann deutlich an Zeit verloren. Hier war ich im Vorjahr an einigen Passagen stärker und agiler. Damals hatte ich aber auch Trailrunner an und keine Blasen an den Füßen. Das soll keine Ausrede sein. Letztendlich hatte ich damals zu diesem Zeitpunkt auch noch viel weniger Laufkilometer in den Beinen. Das darf man nicht vergessen.
Letztendlich hat es der Aufstieg auf den Bisamberg und der noch bessere Zielsprint ausgemacht. Und das kann ich eher noch an meine mittlerweile ergatterte Erfahrung und Willenstärke zurückführen. Der Peter aus 2015 hatte auf dem Weg nach Stammersdorf nicht mehr die Kraft für eine Laufpassage ins Ziel.

Ich möchte hier aber auch klar unterstreichen das es wohl ohne meinen Vater viel schwerer werden hätte können. Es ist nun mal ein großer Unterschied ob man auf sich alleine gestellt oder der Rucksack schwerer ist. Dazu kommt der Zuspruch und die Tatsache das er, obwohl er eine Betreuerfunktion einnimmt, dennoch auch als Pacemaker fungiert. Vorallem war sein Zuspruch auf den letzten Kilometern wichtig.
Darum geht ein nicht zu ausser Acht lassender Teil des Erfolges natürlich auch auf sein Konto. Auch wenn er das nicht so sieht :-)

Nach diesem tollen Erfolg hatte das Team Ofner allen Grund zum Feiern. Und so beschlossen wir noch in einem guten Lokal einzukehren um über unsere gemeinsame Leistung zu sprechen. Auch der Eine oder andere Gerstensaft durfte dabei nicht fehlen ;-)

Nächstes Jahr werde ich (werden wir) erneut angreifen. Ich bin mir sicher das das noch mehr rauszuholen ist. Doch fürs Erste reicht mir diese Zeit. Damit habe ich auch das Sport Eventjahr 2016 wahrlich positiv abgeschlossen.

Die Karte:

Der Clip:

Infobox:

Wien Rundumadum (Sport Event)

Hollabrunner Heidbirnbaumweg
Bratislava "der Krönungsweg"

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