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ich, am Weg

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Ju
vom Semmering nach Mürzzuschlag
12.06.2016 11:13

Ein Hauch vom Nordalpenweg oder der Tanz mit dem Wetterfrosch...

Ziemlich kurzfristig aber mit großer Freude folgte ich der Einladung meines VAVÖ Wanderführer Kollegen Dr. Paul Krajnik zu seiner geplanten Wanderung vom Semmering über die Kampalpe nach Mürzzuschlag. Wie schon erwähnt hatten wir uns letztes Jahr im Rahmen der Wanderführerausbildung des Dachverbandes der Alpinen Vereine kennen gelernt und hatten bereits dort eine sehr tolle Zeit verbracht.

                                                              Paul und ich während der Ausbildung zum Wanderführer auf der Tauplitzalm

Paul leitet eine Wanderserie für den kleinen Wanderverein Wienerland welcher seinen Sitz in Langenzersdorf hat. (mehr in der Infobox). Ich muss gestehen das er mich schon öfter eingeladen hat, doch meistens hat sich das mit meinen eigenen Touren gekreuzt. Aber dieses mal wollte ich mir das nicht entgehen lassen. Obwohl der Wetterbericht schon Tage zuvor das Worst Case Szenario mit starkem Regen und Wind prognostizierte, kam eine Absage für mich niemals in Frage. Ich versuchte es positiv zu sehen. Ich würde meine Heavy Wet Kleidung für den Ernstfall beim steirischen Mariazellerweg testen, hätte die Chance ein Naturschauspiel von einer Alm aus zu betrachten und natürlich würde ich Paul wieder treffen.

Tag X und seine Wunder...

Ab in den Zug und hinab in den Süden. Nach während der Fahrt lerne ich zwei nette Wandersleute kennen die ebenfalls zur Wienerland Wanderung möchten. Bei der Ankunft am Bahnhof Semmering, dem Treffpunkt, sehe ich das die gesamte Wandercrew inkl. Paul mit dem selben Zug angereist war. Unterstützung erhält Paul vom bekannten Weitwanderer und Buchautor Fritz Peterka der ebenfalls dem Wienerland Team angehört. Nach einer herzlichen Begrüßung und einer kleinen Kennenlernrunde erklärt uns Paul die heutige Tour, welche er schon Wochen zuvor abgeschritten hatte. Sieben tapfere Wanderer trotzen also dem bevorstehenden Schlechtwetter und starten die Tour...

Noch ist es trügerisch schön. Die Sonne blinzelt noch durch das magere Wolkengeflecht und auch die Berggipfel der näheren Umgebung konnte ich vom Zug aus wunderbar erkennen. Es ist 9:15 und laut Wetterbericht sollen uns dunkle dicke Wolken ab ca. 11:00 den Regen auf unsere Häupter klatschen. Doch soweit ist noch alles ok und die Stimmung bei allen Teilnehmern prächtig.

In der Infohalle des Bahnhofs Semmering gibt es ein kleines Museum zur Geschichte der Semmeringbahn. Die Wienerland-Wanderer holen sich dort ihren Stempel. Dann wandern wir los.

Paul führt uns am Fürstenhof vorbei zur katholischen Pfarrkirche zur heiligen Familie. Sie wurde im neuromanischen und neugotischen Stil erbaut und 1895 unter dem Protektorat des Fürsten Liechtenstein fertiggestellt. Sie war einst die Fillialkirche von Maria Schutz und wurde 1934 zur Pfarrkirche erhoben.

Über den Waldsteig des Panhans Weges machen wir gleich einmal ordentlich Höhenmeter. Unser erstes Ziel ist folglich auch das Pinkenkogel Schutzhaus am gleichnamigen Kogel auf 1290m Höhe. Dort kehren wir ein und gönnen uns einen ersten Trank. Die Schutzhütte wird gerade saniert.

Es geht weiter. Wir folgen nun der Südvariante des Nordalpenwegs sowie dem niederösterreichischen Landesrundweg und dem E4 Zypern - Tarifa (alpin). Oder noch spannender gesagt, wir wandern exakt entlang der Landesgrenze Niederösterreich zur Steiermark. Wir sehen uns um. Die Wolken werden dichter aber vom Regenschauer keine Spur. Vielleicht hält es ja länger an. Auch gut. Im Norden bekommen wir einen Ausblick auf die Rax sowie den Schneeberg.

Wir steigen über das Gestein der Windlöcher ab und betreten nun wieder Forstgebiet. Und hier werden wir nun auch ziemlich lange verweilen. Es beginnt eine Hochschaubahn der Höhenmeter. Was wir hinabsteigen müssen wir auch wieder hoch. Am Ende sogar höher als noch beim Pinkenkogel. Die Wegbeschaffenheit ändert sich immer wieder. Mal treffen wir auch breitgetretene Waldwege, mal auf sehr schmale Waldsteige. Vorsicht ist durch das Gestein und Wurzelwerk immer geboten. Aussichtsreich ist dieser Abschnitt nicht, aber die Naturapotheke spendet herrliche Waldluft. Eine wahre Wonne für die Lunge.

Vorbei an der Ochnerhöhe auf 1403m und dem Kerschbaumkogel auf 1490m erreichen wir schließlich die etwas Kampalpe auf 1535m. Die Kampalpe befindet sich in einer abgesenkten Waldlichtung auf der Höhe von Spital am Semmering. Ein markanter wunderschöner Aussichtspunkt auf einem herausragenden Felsen bietet tolle Fernblicke auf das Hoch- und Stuhleck sowie den Steinriegel und den Bärenkogel. Im Mürztal unter uns erkennen wir Spital am Semmering, Mürzzuschlag und in der Ferne Langenwang. Es ist ca. 13:00 und der Regen bleibt immer noch aus. Ein Rundumblick verrät jedoch das es bald ungemütlich werden könnte. Die Rax sowie der Schneeberg sind bereits von Wolken bedeckt. Auch das Stuhleck ist kaum mehr zu erkennen. In Langenwang hängen die Wolken sehr tief und man kann den vorbeiströhmenden Regenschauer gut erkennen.

Wir legen eine kurze Rast ein und zwei meiner Mitwanderer beschließen bereits hier nach Spital am Semmering abzusteigen.

Zu Fünft marschieren wir nun weiter. Das Tempo wird merklich höher. Kein Wunder. Der Himmel wird auch immer dunkelgrauer und die Luftfeuchtigkeit höher. Über einen Karrenweg in Richtung Trattenkogel ist es dann soweit. Der Regenschauer setzt ein. Wir suchen Schutz im Wald  und rüsten auf unsere Heavy Wet Ausrüstung um. Jetzt wird diese Tour wohl eine nasse Angelegenheit. Oder?! Keineswegs. Nach 10 Minuten ist das Schauspiel vorbei und der Regen hört auf. Wir bleiben aber in unserem Regenschutz, denn das Wetter bleibt vorerst instabil.

Wir lassen den Trattenkogel aus und bleiben auf der Forststraße. Der führt uns nun langsam in den Südwesten bis zur Beeralplstall. Viel Pracht ist davon leider nicht mehr übrig, denn der hölzener Stall fällt langsam in sich zusammen. Auch die wohl einst schöne kleine Weidewiese finden wir eher verwildert vor. Wir legen eine kleine Pause ein und müssen uns nun entscheiden. Wandern wir weiter zur großen Scheibe bzw. zur Scheibenhütte oder setzen wir bereits zum Abstieg nach Mürzzuschlag an. Wir beschließen gleich abzusteigen. Eine folgerichtige Entscheidung wie wir feststellen werden. Doch was passiert nun? Die Wolkendecke reisst auf und die Sonne kommt zum Vorschein? Um uns herum schüttet es in Strömen und wir haben Sonne? Wir wandern mit einem heimlichen Grinsen weiter. Jeder denkt das Gleiche. Was für ein Glück.

Der Abstieg beginnt relativ gemütlich über eine weitere Forststraße die in Serpentinen nach unten führt. Später folgen wir wieder einem schmalen Waldsteig welcher sich talwärts als echte Herausforderung entpuppt. Der Waldsteig wird enger und steiler. Man hat das Gefühl in einem Bachbett zu wandern. Steine und Wurzeln stellen unsere Gelenke auf die Probe. Garnicht auszudenken wie es wohl unter starkem Regen gelaufen wäre. Ein nicht zu unterschätzendes Erschwernis.

Letztendlich verlassen wir Berg und Wald und erreichen den kleinen Ortteil Pemreit vor Mürzzuschlag. Ein letzter Abstieg über eine Asphaltstraße und wir stehen vor dem Ziel dieser Tour, dem Bahnhof in Mürzzuschlag. Und jetzt kommts...

Wie in einem spannenden Thriller - ungeschnitten - ungelogen! Der letzte Wanderer unserer Truppe betritt den Bahnhof und die dunklen Wolken öffnen die Wasserschleuse. Ein unheimlicher Platzregen setzt ein. Was für ein Glück kann man nur haben? Wären wir noch zur Scheiben hütte gewandert, hätten wir eine Stunde länger gebraucht. Ein Abstieg über das kleine steinerne Bachbett wäre bei diesem Regenguss ganz bestimmt ungemütlich geworden.

Doch so holen sich die Wienerland Wanderer noch in der Bahnhofshalle ihren wohlverdienten Stempel ab, welcher ein zufriedener Paul seinen Wanderkollegen mit größtem Vergnügen abnimmt. Danach setzen wir uns in den Zug und fahren zurück nach Wien. Es gießt wie aus Eimern. Der Wetterbericht hatte uns vorhergesagt das wir ca. 70% der Tour im Regen marschieren würden. Während es im Umfeld wahrliche Unwetter gegeben hatte, bekamen wir lediglich 10 Minuten Sprühregen ab.

Wer auch immer ein Auge auf uns hatte - VIELEN VIELEN DANK !!!

Originale Tourdaten:

Dauer: ca. 5,5 Std. (netto)
Kilometer: ca. 21
Höhenmeter hoch: ca. 920
Höhenmeter abwärts: ca. 1150

INFOBOX:

Wanderverein Wienerand

Semmering

Pinkenkogel Schutzhaus

Kampalpe

Mürzzuschlag

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