Wandern - Weitwandern - Bergwandern - Outdoor Sport

ich, am Weg

27
Fe
Vertical Up Kitzbühel 2017
27.02.2017 20:04

Den Hügel erklommen - das Ziel erreicht - und doch mehr gewonnen als nur eine Medaille!

Der Horror-Winter und seine Folgen...

Mein Sportjahr 2017 begann richtig mies. Im November krank geworden, gut das kann passieren. Es war ja auch ein langes intensives Jahr 2016. Dann habe ich aber leider zu rasch wieder mit dem Training begonnen, denn ich wollte ja unbedingt erneut beim Vertical Up in Hinterstoder und beim 24h Burgenland Extrem starten. So bekam ich mit einem bösen Rückfall um die Weihnachtszeit die Rechnung dafür präsentiert. Erneut musste ich das Bett hüten und somit Hinterstoder absagen. Mir bleibt ja noch immer Burgenland. 
Und eigentlich ging es aufwärts. Ich startete meine ersten Geheinheiten und wanderte auch von Stadlau nach Stockerau. Ich war also schon mit einem Bein in Oggau. Doch dann schlug die Grippewelle erneut zu. Mein Immunsystem war noch zu schwach und so rannte ich in den nächsten Virus hinein. Diesmal noch viel schlimmer als die beiden Male zuvor. Nichts ging mehr! Game Over! 
Mit viel Wehmut aber Vernunft sagte ich nun auch die 24h Burgenland Extrem Tour ab und konzentrierte mich fortan auf meinen - diesmal richtigen - Wiedereinstieg in den Sport. Ich stand bei 0. Seit 1,5 Monaten kein regelmäßiges Training mehr. Der Körper am Status quo angelangt.

Das Vertical Up als Motivation für den Weg zurück...

Etwas mehr als ein Monat vor dem Vertical Up in Kitzbühl war ich so weit wieder genesen und stellte mir nach einer weiteren Woche Ruhezeit die Sinnesfrage. Macht es Sinn nun auf die extrem steile und daher anspruchsvolle Streif zu steigen? Kann ich, der ja kein Profisportler ist, mich in 4 Wochen in Form bringen? Ich meine, finishen Ja, aber kann ich auch auf meine Bestzeit aus dem Vorjahr mit 1 Stunde 33 Minuten gehen?
SIEHE BERICHT VON 2016
Ich beschloss diese Herausforderung anzunehmen, allerdings mit einem straffen und vernünftigen Trainingsplan. Ich kannte ja den Event und wusste in etwa, was ich trainieren sollte. 


4 Wochen - 9 Indoor und 4 Outdoor Einheiten als Basis für den Sturm auf die Streif


Ich schrieb mir einen Trainingsplan zurecht und begann wieder mit den einfachsten Übungen. Die ersten 2 Wochen trainierte ich überhaupt nur im Fitnesscenter. Die erste Laufeinheit sollte erst dann folgen. Das war zwar nicht so einfach, weil oft der Kopf schon sagte das ich mehr leisten könnte, ich ihm aber Geduld beibringen musste. Ein weiterer gesundheitlicher Rückfall wäre für Körper und Geist fatal gewesen. 

Das Training schlägt an - Bekannte wollen ebenfalls die Streif erklimmen

Das "vernünftige" Training zeigte Wirkung. Es lief von Mal zu Mal besser. Und dann kam die nächste erfreuliche Nachricht. Dank Social Media und der Vernetzung sämtlicher Freunde und Bekannte erfuhr ich, dass sich weitere wackerere Vertikale auf den Weg nach Kitzbühel machen wollten. Schnell folgte die Kontaktaufnahme, worauf sich ein kleiner Trupp bildete.  Man chattete, tauschte sich aus und gab sich gegenseitig Tipps. Ich war doch bislang der Einzige von dieser Crew, der bislang am Vertical Up teilgenommen hatte und gab meine Erfahrungswerte sehr gerne weiter.
Unsere kleine Abenteuergruppe bestand aus Denise Bader, Markus Michelitsch, Rene Kun, Emil Buresch, Viktor Vorauer und mir. 
Mich persönlich freute dies sehr, denn bislang hatte ich meine Reisen zum Vertical Up immer solo angetreten. Und nun würden wir uns in Kitzbühel vor dem Event treffen. Einfach genial. So macht das gleich noch viel mehr Spaß und motiviert zusätzlich.Meinen traditionellen Abschlusslauf auf den Leopoldsberg absolvierte ich noch mit Michael und zwei Tage später konnte das Abenteuer Kitzbühel beginnen.

Kitzbühel Vertical Up 2017 - Aus Bekannte werden Freunde!

Die Brüder Viktor und Rene reisten mit dem Auto an und bezogen in der Nähe ein Quartier.  Ähnlich wie Markus, der im Nachbarort einquartiert war und am Tag X mit dem Bus anreiste. Denise und Emil reisten, nach dem Motto - der frühe Vogel... - schon früh mit dem Zug an. Genau so wie ich, der seinen Reiseplan dem Vorjahr anpasste. Ich hielt es für angebracht zeitnaher zum Event anzureisen. Den Heimweg sollte ich zusammen mit Denise und Emil antreten. Und dann war es so weit. Die wackeren Vertikalen trafen einander um ca. 16:00 bei der Startnummernausgabe vor dem K3 in Kitzbühel.


hinten links nach rechts: Denise, Emil, Viktor und Rene
vorne: Markus und ich


Die letzten Stunden vor dem Bewerb - die Besichtigung des Hausbergs - ein letztes Come Together!

Die Truppe kannte sich untereinander schon etwas besser. Im Grunde stieß ich sozusagen dazu. Aber egal. Wir haben uns alle gleich super verstanden und hatte sofort viel Spaß. Der Schmäh lief und die Nervosität stieg. Denn egal wo man sich in Kitzbühel aufhält, man hat immer einen direkten Blick auf den Hausberg der Streif sowie der Hahnenkamm Bergstation. Und wir wussten - dort müssen wir hin! 
Ich persönlich hatte sicher einen großen Vorteil. Ich kannte dies alles schon. Ich wusste genau, wie der Event abläuft und war folglich nicht mehr aufgeregt. Im Gegenteil. Ich wollte sofort starten. Für meine Freunde mussten dies wohl bange Momente vor dem Start gewesen sein. Aber so ging es mir ja auch bei meinem ersten Antreten 2015. Alles normal! 

Unsere Wege trennten sich. Viktor und Rene suchten noch einmal ihr Quartier auf um sich startklar zu machen. Denise, Markus, Emil und ich marschierten schon einmal in den Streif Zielhang - unser heutiges Startareal.


Emil und Markus schlüpfen in die Spikes

Ich, bei der Besichtigung des Hausbergs. Ich kann es kaum erwarten.

auch Denise macht sich streifklar

Michael und ich steigen bis zur Kitztafel hoch und weiter


Und hier wird wohl allen der "Ernst" der Lage bewusst. Die Streif ist kein Jux-Hügel. Nicht dass dies jemand geglaubt hätte, aber es ist ein Unterschied wenn man mitten drin hängt oder nur aus Bildern und Berichten davon erfährt.
Emil und Denise brechen die Besichtigung vorzeitig ab. Markus und ich marschieren bis zur Kitztafel und weiter. Es ist eisig - brutal eisig. Und auch mir kommen wieder diese Erinnerungen hoch. Es ist fast eine Kopie zum Vorjahr und ich stehe erstmals nahe am Ort, wo ich damals durch einen abstürzenden Teilnehmer mitgerissen wurde. Ein weiterer Sportler steigt an uns vorbei und meint das der Hausberg in all den Jahren noch nie so eisig war wie in diesem Jahr. Markus ist sprachlos und muss das erst einmal verarbeiten. Aber auch ich habe großen Respekt vor der Aufgabe. Ich weis, nein wir wissen, welche Linie wir wählen müssen um diesen Monsteranstieg zu packen.

Nun steigen auch Markus und ich zurück in das Startareal und treffen dort noch einmal auf die gesamte Crew der wackeren Vertikalen.


ein letztes Meeting bevor es los geht

kurz vor dem Start - ich bin bereit


Wir plaudern noch eine Weile, sprechen uns Mut zu, bauen uns auf. Doch die Uhr ist gnadenlos und macht unglaublich große Sprünge in Richtung Start. Noch einmal checken wir das Material, besprechen den Treffpunkt nach dem Event, wünschen uns Glück und verabschieden uns.

Es geht los! Die Streif wartet auf Ihren Sturm! Jetzt wird sich zeigen ob 4 Wochen Training ausreichten! 

Und wie in einer Scrubs-Episode zieht sich die Wir-Sicht in eine Ego-Sicht und ich bin von nun an nur noch mit mir beschäftigt. Denn jeder muss ja für sich seine Leistung bringen, seinen Pfad bestreiten. 
Meine Rechnung ist ganz simpel. Ich bin in diesem Jahr nicht so fit wie im Jahr davor. Das ist mir bewusst. Doch Peter 2016 war am Hausberg abgestürzt und "musste" lt. Rennleitung dann über die familienfreundliche Abzweigung über den Slalomhang gehen. Das kostete Zeit. Sollte es mir also gelingen dieses Mal den Hausberg auf Anhieb zu packen, dann kann ich - trotz Manko in der Fitness - meine Bestzeit schlagen. Diese Zeit würde Peter 2016 wohl nicht mehr aufholen. Doch den Hausberg ohne Absturz packen, das sollte in diesem Jahr wahrlich eine Kunst sein. Es ist so weit. Gleich werden wir es wissen.

3-2-1 - LOS !!!

Wir starten um 18:30. Die Organisatoren haben dieses Mal die Speedklasse und die Rucksack-Klasse getrennt. War das auch im Vorjahr schon so? Ich weis es nicht mehr. Jedenfalls ein guter Ansatz des Veranstalters, der aber leider kaum etwas bringt, wenn 1500 Teilnehmer gleichzeitig hinauf auf den Hausberg wollen. Diesmal habe ich meine Aufstiegslinie im Kopf. Im Vorjahr war ich ganz Links gestartet und kam folglich so frontal zum Aufstieg. Ein Fehler!
Dieses Mal nicht. Ich starte ganz rechts und folge dieser Linie. 
Der Startschuss ertönt und die Massen setzen sich in Bewegung. Wie im Vorjahr beginne ich im lockeren Laufschritt, komme aber nicht so schnell weg wie im letzten Jahr. Das liegt aber daran das vor mir mehr Teilnehmer umher steigen als damals. Egal, ich bleib meiner Linie treu.

Wie viele andere erreiche ich nach dem Abfahrts-Zielsprung den Einstieg in den Hausberg vor der Kitztafel. Hier teilt sich der Weg zum ersten Mal. Entweder man wagt den Aufstieg oder man umrundet ihn über den Slalomhang, so wie ich es im Vorjahr nach dem Sturz machen musste.
Ich bewege mich immer noch rechts und steige natürlich die original Strecke hoch. Da höre ich hinter mir schon eine bekannt Stimme. Es ist Markus! Klar, er wählte dieselbe Linie wie ich. Und als wir uns begegnen ertönen bereits die ersten, mir leider wohl vertrauten, Schreie vom Hausberg. Doch diesesmal ist es noch viel Schlimmer, als ich es mir vorstellen wollte.

In einem Lichtermeer der vielen Stirnlampen rutschen die Übermotivierten aus und stürzen schreiend zu Tale. Dabei nehmen sie viele andere Teilnehmer mit. Doch das Menschen-Bowling erreicht heuer ein neues Level an Fassungslosigkeit. Markus und ich steigen weiter rechts hinauf und sind dadurch ziemlich außer Gefahr, aber was da nun links neben uns abgeht, das ist schockierend. Ganze Menschentrauben rutschen am eisglatten Hausberg zurück, erreichen dabei eine unkontrollierbare Geschwindigkeit. Manche rutschten am Hintern mit ausgestreckten Spikes nach unten, haken ein, und überschlagen sich! Man wird unfreiwillig an die Szene aus Titanic erinnert, als das Schiffsheck sich hebt. Kein Witz! Es grenzt an ein Wunder, das es auch dieses Mal keine gröberen Verletzungen gab. 

Es nutzt nichts. Ich muss das ausblenden und mich auf meine Schritte konzentrieren. Markus ist zunächst noch hinter mir. Ihm geht es genau so. Ich bin froh die ideale Linie gefunden zu haben und steige, stampfe und ziehe mich immer weiter nach oben.
Ich hörte zwar noch die Vorsichtrufe und Schreie aber habe ganz andere Probleme. Ich merke bereits jetzt, wie intensiv dieses Hochsteigen für mich ist. Sofort sind meine Energieakkus angezapft. Wow! Jetzt schon?!
Die Traverse ist geschafft und damit mal der wahrscheinlich schlimmste Teil. Jetzt wird es zwar weiter mühsam aber nicht mehr so gefährlich wie zuvor. Ich blicke nach oben zur Hausbergkante. Woah ist das steil! Markus ist gut in Schuss und überholt mich nun. Er macht das sehr gut. Ich kann nicht sagen, wie es den Anderen ergeht. Ich sehe nur Markus vor mir. 

Der Hausberg ist geschafft! Doch jetzt muss ein Kraftakt her!

Und dann erreiche ich die Hausbergkante, jenen Ort wo auch die familienfreundliche Variante wieder einherführt. Wahnsinn! Ich muss jetzt schon mit der Kraft kämpfen und bleibe an der Kante kurz stehen. Markus stapft weiter. Er nimmt mir immer mehr Meter ab.
Ich rechne einmal überschlagsartig und spekuliere mit einem Zeitguthaben von ca. 8-9 Minuten auf Peter 2016. Doch dieser Peter war verdammt gut drauf, voller Sturzadrenalin und mit dem  Jetzt-ists-eh-schon-wurscht-Geist ausgestattet. Den hatte ich jetzt nicht. Ich war bereits jetzt erschöpft.

Doch egal. Ich hatte den Hausberg geschafft und will jetzt diesen Vorsprung ins Ziel bringen. Es folgt nun ein Teil der kurz eben und abwärtsverläuft, ehe der steile Anstieg zur Seidlalm erfolgt. - Der Lärchenschuss. Hier sehe ich Markus wieder. Der Hang rutscht leicht links ab und er wählt die Variante rechts oben zu bleiben. Ich kenne diesen Trichter und versuche die Zugkraft vom Bergablaufen zu nutzen. Ja, ich setze zu einem Lauf an und stürze den Hang hinunter und stürme beim Seidlalm-Aufstieg wieder hoch. Hier hole ich Markus ein. Und hier sehe ich ihn auch zum letzten Mal im Rahmen des Aufstiegs.

Die Seidlalm, die alte Schneise und der Steilhang

Der Aufstieg zur Seidlalm kommt mir heuer so lange vor wie noch nie. Im Vorjahr war, das einer dieser Punkte die ich relativ klar gemeistert hatte. Dieses Mal kämpfe ich mich also bis zur Labestation und gieße mir einen Tee in den Schlund. Der ist heiß! Aber das spür ich nicht. Mein Puls geht ordentlich hoch. Und dann spüre ich noch den Atem meines 2016er Egos im Nacken. Dieser Peter holt auf. Ich weis es.


Hoch zur Seidlalm - Lärchenschuss

Hinauf entlang der Mausefalle

Hinab in die alte Schneise

die letzten Meter ins Ziel


Ich stapfe zur Rampe der alten Schneise hoch, führe dort - ja auch schon fast traditionell - einen lustigen Disput mit den Streckenposten. Heuer frage ich, wie viele Sünden ich denn nun für das restliche Jahr gut hätte.
Nun folgt der leichte Abhang in die Schneise, ehe es auf der anderen Seite wieder steil aufwärtsgeht. Im Vorjahr war ich hier nahezu abwärts gesprintet. Auch heuer setzte ich zum Laufen an, muss aber nach ca. 100 Meter abbrechen. Egal. Wieder ein Stück weiter. Ich stapfe Schritt für Schritt die Schneise wieder hoch und gelange in das Gschöss. 

Gschöss, Steilnhang, Karusellkurve und Mausefalle

Das ist zu diesem Zeitpunkt wohl die angenehmste Stelle vor dem letzten Drittel, denn das Gschöss verläuft zunächst fast eben. Erst kurz vor dem Einstieg in den Steilhang geht es wieder zügig bergauf. Im Vorjahr war ich hier auch gelaufen. Heuer schaffe ich es nicht. Ich befinde mich zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich am Limit meiner körperlichen Kräfte. Laufen ist nicht drin. Ich kann nur schnell gehen.
Vorbei am Brückenschuss geht es nun hinauf am Steilhang, der seinen Namen wieder einmal alle Ehre macht. Doch wie in den Jahren zuvor warten hier schon Spuren der Läufer vor mir und ich kann ihre Fußabdrücke als Stufen verwenden. Obwohl ich gut vorankomme weis ich, wenn ich jetzt stehen bleibe, um zu rasten, könnte es dies heuer tatsächlich gewesen sein. Ich bin wahrlich ausgepowert. Und das noch vor der Mausefalle und dem Zielsprint.

Am Ende des Steilhangs erreiche ich die Karussellkurve. Für uns Teilnehmer nicht weiter relevant, denn wir haben einen direkten Weg zur Mausefalle. Und hier kommt langsam Zielstimmung auf. Man hört die Moderation, man hört die begeisterten Zuschauer und Flutlichter spenden grelles Licht.
Ich stampfe erschöpft zur Mausefalle, als ein Läufer im Wikingerkostüm neben mir meinte, das wir aktuell bei einer Zeit von 1 Stunde 16 Minuten liegen. Das baut mich etwas auf, denn ich weis nun das ich es noch schaffen kann unter 1 Stunde 30 Minuten zu kommen.
Ich steige nun die Mausefalle hinauf, welche heuer etwas entschärft wurde. Man hatte den Aufstieg etwas weiter nach rechts verlegt und somit den linken 85% Gefälle Hügel aufgelassen. Es gibt heuer auch kein Seil zum Hochziehen.

Die letzten Höhenmeter ins Ziel

Erschöpft und erleichtert stehe ich nun vor den letzten ca. 200 steilen Metern ins Ziel, das Abfahrtsstarthaus am Hahnenkamm. Der Moderator begrüßt die Finisher und verrät die aktuelle Zeit. Sie liegt bei 1 Stunde 22 Minuten. Mir bleiben 8 Minuten um mein Ziel zu erreichen.
Peter 2016 war damals, wie in Trance hier hoch gerast. Peter 2017 hingegen kann nicht mehr. Jeder Schritt tut schon weh und auch mit der Luft habe ich so meine Probleme. Aber ich muss da hoch. Ein Jahr lang müsste ich warten, um es erneut versuchen zu können. Ich beiße die Zähne zusammen und steige und stapfe fast schon verzweifelt nach oben. Ich will das unbedingt packen! Nicht nächstes Jahr! - Jetzt! 

Wie im Vorjahr verzichte ich auf den Gänsemarsch ins Ziel und wähle die Querfeldeinvariante. Ich starre gar nicht mehr auf das Ziel, sondern nur auf die digitale Uhr. Ich purzel noch an einer kleinen Gruppe vorbei und springe mit einem Hechtsprung über die Ziellinie. 
Das hat wohl weniger elegant ausgesehen, aber das war mir egal. Die Uhr stoppte für mich nach 1 Stunde 28 Minuten und 49 Sekunden !!! GESCHAFFT !!!
Ich hatte die Streif unter 90 Minuten bezwungen und Peter 2016 um 4 Minuten geschlagen. 

Realisieren was erreicht wurde - die wackeren Vertikalen treffen einander wieder

Mein Kreislauf spielt eine Symphonie und mein Puls tanzt Lambada. Nach einer kurzen Erholungspause schnappe ich mir meine Medaille und verlasse das Ziel Areal. Ich finde schnell weitere zufriedene Teilnehmer die Finisherfotos von mir machen. 

Und, um so mehr ich wieder zu mir komme, mache ich mir Gedanken über meine vertikalen Freunde. Wo waren Sie geblieben? Wie war es Ihnen ergangen?
Rene, unser Speedklassenteilnehmer, kommt mir als Erster entgegen. Er hat die Streif in 1 Stunde 12 Minuten und 11 Sekunden erklommen.

Wir beschließen nun, uns bei einem Getränkeausschank vor der Hahnenkamm Bergstation zu treffen. Ich suche noch die Innenräume der Station auf um mich mal etwas wärmer zu kleiden. Immerhin hat es nun bereits - 3 Grad und in der verschwitzen Sportkleidung auch noch auskühlen ist sicher nicht das Beste. Als ich zurück komme sind bereits auch Viktor und Markus am Treffpunkt eingetroffen. 


Noch völlig überdreht aber überglücklich! Ich und meine Finisher-Medaille

Markus ist enttäuscht (verständlich), Rene baut ihn wieder auf

Die Emotionen sind groß! Nach diesem Kraftakt muss der Jubelschrei raus.

etwas verwackelt - aber die wackeren Vertikalen sammeln sich


Viktor war nach 1 Stunde 52 Minuten und 6 Sekunden ins Ziel gekommen. Markus hingegen wirkt etwas enttäuscht. Was war geschehen? Ich hatte ihn ja vor der Seidlalm überholt und hatte ihn dann nicht mehr gesehen. Er musste bei der Labestation aufgrund gesundheitlicher Probleme WO geben und den Event beenden. Zu dieser Entscheidung kann man ihn aber nur gratulieren, denn da gehört ordentlich viel Mut dazu. Vor allem wenn man nicht weis was da gerade mit einem geschieht. Trotzdem hat es mir sehr leidgetan, denn er war unglaublich stark unterwegs. Er hat sich kontinuierlich von mir entfernt und wäre sicher auch vor mir ins Ziel gekommen. 
Aber Markus ist ein Sportler durch und durch und hat schon so viel in dieser Zeit erlebt und erfahren. Er weis das richtig einzuschätzen und wird im nächsten Jahr voll attackieren. Da bin ich mir sicher.

Auf dem Weg zurück zur Bergstation treffen wir auch Denise und Emil, welche sich ebenfalls in den Räumlichkeiten umgezogen hatten. Denise hatte die Streif nach 1 Stunde 44 Minuten und 58 Sekunden bezwungen. Super! Doch den größten Respekt hat mir wohl Emil abgerungen. Er bezwang die Streif nach 1 Stunde 24 Minuten und 8 Sekunden! Wahnsinn!!!

Nun teilten wir uns eine Gondel für die Talfahrt und verwandelten diese für die Fahrtzeit in eine Party-Gondel. Im Tal angekommen marschierten wir gemeinsam zurück ins K3, wo auch die offizielle Siegerehrung stattfand. 
Hier verweilten wir noch eine ganze Weile, ehe Denise, Emil und ich unseren Zug nach Wörgl erwischen mussten. Und so verabschiedeten wir uns von Markus, Viktor und Rene und traten den langen Heimweg an.

Zunächst ging es zurück nach Wörgl und von dort nach Innsbruck. Schließlich fielen wir um 0:44 erschöpft in den ÖBB Euro Night zurück nach Wien. Ich hatte mir im Vorfeld einen Platz in einem 4er Liegeabteil gegönnt. Um knapp vor 7:00 Uhr am folgenden Morgen war ich wieder zu Hause und das Abenteuer Vertical Up Kitzbühel 2017 war gut zu Ende gegangen.


Mein Nachtlager im ÖBB Euro Night von Innsbruck nach Wien

Guten Morgen aus dem Euro Night - kurz vor der Heimat


Mein Fazit:

Obwohl es mein bislang schwerster Event war, ist meine Rechnung aufgegangen. Der Hausberg machte den Unterschied. Trotzdem merkte ich in diesem Jahr, wie fit ich im Jahr davor gewesen sein musste. Nach dem Hausberg hatte ich mindestens 8 Minuten Vorsprung auf Peter 2016. Im Ziel waren es dann gerade einmal 4 Minuten gewesen. Ohne Sturz am Hausberg hätte ich letztes Jahr wohl eine Traumzeit hingelegt. 
Egal - ich habe alle Ziele erreicht. Neue Bestzeit und zum ersten Mal unter 90 Minuten. 4 Wochen hatte ich mich auf diesen Event vorbereitet. Es wäre beinahe zu wenig gewesen. Die Streif ist brutal. Egal ob man mit zwei Holzlatten runter saust oder ob man diese extremen Neigungen von unten nach oben bewältigt. 

Diese brutalen Stürze am Hausberg bilden leider jedes Jahr ein Bild des Schreckens. Ich versehe nicht, warum der Veranstalter hier keinen Blockstart durchführt. Es geht weniger um die Personen die abstürzen, sondern um jene die mitgerissen werden. Mit weniger Personen am Hausberg wäre dieses Risiko eingedämmt. Mir ist schon klar, das jeder Teilnehmer für sein eigenes Risiko unterschreibt, aber muss erst was wirklich Schlimmes passieren damit man hier reagiert? Ich weis wie schlimm das ist. Ich habe es im Vorjahr selbst am eigenen Leib erfahren, wie das ist, wenn man mitgerissen wird. Man kann nur die Hände zusammenfalten und "Danke" sagen das es auch heuer ohne gröbere Verletzungen über die Bühne gegangen ist. Aber heuer war das Fallen der Menschentrauben wirklich am Höhepunkt.

Und ich fürchte, das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Man kann nur die ideale Linie über die rechte Seite wählen und tapfer nach oben steigen.

Meine größte Errungenschaft im Rahmen meiner Streif-Trilogie war aber nicht die Medaille. Nein! Mein schönster Gewinn war diesen Tag gemeinsam mit fünf sportbegeisterten Freunden zu verbringen. Wir hatten es stets lustig und die Stimmung war familiär und fantastisch. Ich denke, man wird noch öfters von den wackeren Vertikalen hören und lesen.

Ist dies nun mein Ende nach der Vertical Up Trilogie in Kitzbühel? - Wo denkt Ihr hin? - GANZ BESTIMMT NICHT! ICH KOMME WIEDER !!!

UND... SOVIEL STEHT FEST.... BESTIMMT NICHT ALLEINE !!! 

Wanderpuzzle Kreuzstetten

Kommentare