Wandern - Weitwandern - Bergwandern - Outdoor Sport

ich, am Weg

Einleitung:

2012 folgte ich der Einladung meines Vaters ihn auf den Wiener Wallfahrtsweg 06 zu begleiten. Er war einige Jahre zuvor beim Soloversuch gescheitert. Diese 4 Tage veränderten wohl nachträglich betrachtet mein Leben, denn sie zeigten mir eine neue Perspektive und fügten mir eine neue Identität hinzu. Von nun an wusste ich das Wandern und Outdoor Sport mein Lebensinhalt sein soll. Ich gründete mein Projekt Ich, am Weg und bin heute schließlich zertifizierter Wanderführer.
Es dauerte fast zwei Jahre ehe ich meinen Vater überzeugen konnte den burgenländischen Mariazellerweg zu erwandern. 2014 war es soweit und das Pilger Dreamteam - so nennen wir uns scherzhaft - kehrte zurück. Von nun an schwebte der Gedanke, alle Mariazellerwege zu schaffen, über unser Haupt wie das Damoklesschwert. Im Sommer 2015 nahmen wir den Oberösterreichischen Mariazellerweg in Angriff. Bei brütender Hitze, nach bereits 8 Tagesetappen, bewältigten wir auch diesen Weitwanderweg. Er zeigte uns jedoch erstmals körperliche und organisatorische Grenzen auf. Lange war nicht absehbar wie unser Vorhaben weiter laufen sollte. Doch im Frühjahr dieses Jahres gab mein Vater Josef "Joe" das OK für die Planung des nächsten Großprojektes - den "steirischen Mariazellerweg 06".

210 Kilometer und knapp 7500 Höhenmeter - DAS war nun meine Planungsherausforderung. Etappen, Unterkünfte und die Frage "ist das alles für uns Beide körperlich durchgehend zumutbar?" Wir wagten es, und am Ende der Planung standen 10 Tagesetappen auf dem Plan. Bereits 4 Monate vor Tourstart reservierte ich alle Unterkünfte und setzte auch meinen Willen, zwei Pakete mit Wechselgewand voraus zu senden - durch. Ich ließ neue Pilger Shirts - hat bereits Tradition für uns - drucken und behielt das Wetter im Auge bis der Tag X gekommen war.

                                                                                   Unsere Tourenbesprechung und T-Shirt Präsentation

Anreise Wien - Eibiswald:

Um möglichen zeitlichen Startstress zu vermeiden reisen Vater Joe und ich bereits einen Tag vor dem offiziellen Tourstart mit dem Zug nach Eibiswald und übernachten in Josi´s Gästehaus nahe am Hauptplatz. Am Abend stärken wir uns noch im Hotel-Restaurant Kloepferkeller und begeben uns anschließend zur Ruh´um am Morgen fit zu sein. Den ganzen Tag über scheint die Sonne und es hat angenehme Tempraturen. Wir freuen uns das es endlich los geht.

02. Juli 2016
Steirischer Mariazellerweg 06 - Etappe 1 von 10
von EIBISWALD nach DEUTSCHLANDSBERG

Es rappelt der Wecker früh am Morgen. Man steht freudestrahlend auf denn man weis das der Tag X gekommen ist. Man möchte sofort raus und öffnet das Fenster und.... "Regen, Nässe".
Das ist jetzt nicht unbedingt das Wetter was man sich wünscht, wenn man einen 10 tägigen Fussmarsch vor sich hat. "Das gehört zum Weitwandern dazu" sagt Vater Joe und holt seinen Regenschutz aus dem Rucksack. Na gut - er hat recht. Ist ja nicht so das wir bei den anderen drei Weitwanderwegen noch nie einen Regentag gehabt hätten. Wir frühstücken, verabschieden uns von Josi und machen uns endlich auf den Weg. Dieser führt uns zunächst zur Krippenkapelle im Westen von Eibiswald. Hier startet der steirische Mariazellerweg lt. dem Buch "Pilgerwege nach Mariazell" von Erika und Fritz Käfer. Den westlichen Ast über Soboth haben wir bewusst ausgelassen. Dieser gehört ja noch zur Kärntnervariante des 06ers.

Wir starten! Endlich! Durch den Regenschutz kann man zwar unsere schönen Pilgershirts nicht sehen, aber wir tragen sie dennoch traditionsbewusst. Und im Gegensatz zu unseren anderen Weitwanderwegen beginnt der steirische Mariazellerweg sofort mit einem kleinen Anstieg als wolle er sagen "Tja Jungs - Willkommen in der Steiermark".
Und nur wenige Schritte später erwartet uns ziemlich verwilderter sumpfiger Pfad im Wald bei dem jeder Tritt doppelt soviel Energie kostet. All das was man nicht zu Beginn einer Tour haben möchte, das erleben wir jetzt. Unsere Heavy Wet Ausrüstug hält dem Regen tapfer stand.

Wir erreichen nach wenigen Kilometer Vordersdorf und sehen aus als wären wir schon 8 Wochen durch den Dschugel gewildert. Nun steigen wir weiter hinauf über Etzenberg und dem Wirtshaus Hochmasser in den Wald bis vor die Tore von Schloss Limberg. Von Aussen sieht es so aus als beinhaltet dieses Schloss eine Gaststube, denn im Vorhof stehen Tische und Bänke und das Tor ist offen. Nichtsahnend treten wir ein, und werden sofort mit ungehaltenen Worten zurück gewießen. Hm, ist mir wohl entgangen das Schloss Limberg ein Jugenderholungszentrum ist. Aber so ungut muss man uns auch nicht aus dem Schloss werfen. Oder haben wir doch zu verwildert ausgesehen?

So marschieren wir nun weiter, wir - die nassen, matschigen, schwitzenden Einbrecher! Was für ein Tag. Was für ein Tourbeginn *hihi*
Doch nun erreichen wir die nächste größere Ortschaft namens Schwanberg. Hier sind wir schon eher willkommen und wir legen eine kleine Pause ein und stärken uns an der Terasse eines Gasthauses. Inzwischen hat der Regen aufgehört. Ein Glück!

Nach der Stärkung folgt nun ein langer Bogen um Schwanberg herum wo wir auf die Josefikirche und die Altburg treffen. Über den Großgraben gelangen wir schließlich nach Aichberg, im Norden Schwanbergs.
Und nun kommen sie - weitere Höhenmeter hinauf bis zum Gasthof Gregorhansl, der leider geschlossen hat. Doch nun liegt etwas anderes Interessantes vor uns. Nämlich die Wolfgangikirche am Kruckenberg. Hier werden wir erstmals für den doch anstrengenden Tag entschädigt. Wir erhalten einen tollen Fernblick in den Norden und erkennen unter anderem auch den Schöckl und die Veitsch. Kaum zu glauben das wir noch so weit gehen müssen.

Gut, wir bringen es zu Ende und steigen durch enge Waldpfade hinab bis wir schließlich vor uns die Burg Deutschlandsberg erblicken. Im gleichnamigen Ort kommen wir nun, sichtlich beeindruckt von diesem ersten Tag, doch noch zufrieden an.  Klar, nun kommt auch die Sonne zum Vorschein.  Unser Quartier für heute ist ein Doppelzimmer beim Hotel Kolar-Göbl. Ein riesiges Haus und wir sind die einzigen Gäste. Die Inhaber sind jedoch ganz liebe Leute und wir verstehen uns prächtig.

Am, nun sonnigen, Abend spazieren wir noch durch die Fussgängerzone von Deutschlandsberg und gönnen uns noch ein zünftiges Mahl in einer Pizzaria. Der Einstand ist gelungen. Diese Tour hat uns sofort klar gemacht das wir es vom Anspruch her mit einem neuen Kaliber an Weitwanderweg zu tun haben. Doch wir sind gewillt uns dieser Herausforderung zu stellen.

Tourdaten:

Distanz: ca. 26 Kilometer
Höhenmeter: ca. 1060
Abstieg: ca: 1070
Zeit: ca. 7 Std. (netto)

                                                                                                                        VIDEO:

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03. Juli 2016
Steirischer Mariazellerweg 06 - Etappe 2 von 10
von DEUTSCHLANDSBERG nach SÖDING

Guten Morgen! Die Sonne lacht!
So stellt man sich den Beginn eines wunderbaren Wandertages vor. Wenig bis gar keine Wolken am Himmel, angenehme Temperaturen und gute Luft. Es ist Montag, und trotzdem haben die meisten Einwohner Deutschlandsbergs am Hauptplatz ein Lächeln im Gesicht. Es ist noch relativ früh und uns zieht es schon bald in den Speisesaal zum Frühstück. Gut gespeist ist halb gegangen, oder so ähnlich. Heute folgt die längste unserer 10 Tagesetappen.
Dann geht es los. Wir machen uns startklar und kaufen in der Fleischerei Kollar-Göbl nebenan noch Getränke für die nächsten Kilometer ein. Die Pfarrkirche Allerheiligen nahe dem Bahnhof wird auch noch schnell besucht.

Dann verlassen wir Deutschlandsberg und wir machen gleich wieder einige Höhenmeter, was uns aber an diesem Tag noch sehr oft wiederfahren soll. An der L647 angelangt führt unser Weg in den Wald, vorbei an großen Himbeersträuchern. Die erste Erhebung haben wir gemeistert und wir finden uns in Geipersdorf wieder. Dieses liegt wie Blumau in einem kleinen Tal. Wir halten uns nördlich und überqueren den Wildbach sowie eine weitere kleine Erhebung und gelangen so nach Bad Gams. Dort legen wir eine kurze Rast ein. Wir freuen uns schon auf die Stainzer Warte am Stainzer Kogel, welchen wir schon vor uns erblicken. Ein netter älterer Herr erklärt uns das auch Bad Gams eine Aussichtswarte hat. Doch leider führt unser Weg dort nicht vorbei.
Als wir Bad Gams verlassen geht es wieder bergauf. Eine Serpentinstraße im feinsten Mini-Glockner Hochalpenstraßen Stil führt uns schließlich hinauf auf den Kogel und wenig später stehen wir vor der Stainzer Warte. Das ist ein 25 Meter hoher Holzturm. Die Aussicht ist herrlich wie man am Foto nun sehen kann...

Wir marschieren weiter und wandern durch einen steileren Waldpfad hinab bis wir die Gemeinde Stainz erreichen. Wir haben nun in etwa die Hälfte unserer Tour geschafft und legen eine Pause ein. Bei der Hitze wird es auch mal Zeit für ein Eis.

Schließlich füllen wir unsere Proviantreserven in einem kleinen Supermarkt wieder auf und marschieren weiter. Die steile Jakob-Rosolenz-Stiege führt uns hinauf zur beeindruckenden Pfarrkirche zur heiligen Katharina. Wenig später verlassen wir Stainz und setzen unsere Tour nun bei ansteigender Hitze fort.

Nun steigen wir auf den Sechtaberg und gelangen über den Lichtenhof in die kleine Gemeinde St. Stefan. Die Sonne steht nun am höchsten Punkt und knallt uns rund 30 Grad vor die Füsse. Es hilft nichts. In St. Stefan kehrn wir erneut in einem Supermarkt ein um uns zu erfrischen. Aber für das prachtvolle Wetter nimmt man das schon in Kauf.

Wir verlassen St. Stefan und wandern durch hügeliges Gelände und weitere Waldwege bis wir am Sanibach noch einmal im Schatten pausieren. Wenig später gelangen wir zu einer großen Apfelplantage. Doch hier war man schon dabei diese abzutragen. Die Unwetter der letzten Wochen hatten die komplette Ernte zerstört. Schade, so ein saftiger steirischer Apfel wäre jetzt sicher auch sehr bekömmlich gewesen.

Unsere Tagesetappe neigt sich dem Ende zu. Wir erreichen Kniezenberg und steigen schließlich hinab nach Fluttendorf. Hier können wir bereits das donnernde Geräusch von hunderten Fahrzeugen der A2 Südautobahn vernehmen. Eine Brücke darüber führt uns schließlich nach Mooskirchen. Ein schöner Feldweg führt uns schließlich zu unserem Etappenziel Söding und wenig später erreichen wir unser Quartier beim Gasthof zur Post der Familie Eckhart am Södingbach bzw. der L315. Am Abend liesen wir uns noch kulinarisch verwöhnen und konnten zufrieden zu Bett gehen.

Diese Tour hatte eine ähnliche Charakteristik wie die erste Etappe. Diesmal hatte uns jedoch der Sommer fest im Griff statt Regen und Nässe. Die ca. 900 Höhenmeter waren am Weg zum Stainzer Kogel am meisten zu spüren. Doch alles egal, denn die Südsteiermark hat sich endlich von seiner grandiosen Seite gezeigt. Vor einem wartet der Schöckl, hinter einem verflüchtigt sich der Grenzkamm immer weiter. So kann es weiter gehen.

Tourdaten:

Distanz: ca. 33 Kilometer
Höhenmeter: ca. 900
Abstieg: ca: 920
Zeit: ca. 8 Std. (netto)

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04. Juli 2016
Steirischer Mariazellerweg 06 - Etappe 3 von 10
von SÖDING nach GRAZ EGGENBERG

Der 3. Tag sollte schon etwas Besonders sein. Am Ende der 3. Etappe würden wir die steirische Landeshauptstadt Graz erreichen. Und da wir an diesem Tag mit 19 Kilometer auch eine kürzere Strecke vor uns haben, bleibt noch genug Zeit für einen Stadtbummel am Nachmittag.

Doch zunächst wird noch gewandert. Erneut lacht die Sonne vom Himmel und wir erspähen kaum Wolken. Nach einem guten Frühstück - das Brotschneidemesser glich einer Machete - machten wir uns bereit. Noch einige Fotos von der schönen Blumenvielfalt beim Gasthof zur Post der Fam. Eckhart gemacht und schon geht es los. Dann ein kleiner Schreck. Vor lauter Vorfreude haben wir doch glatt auf unseren Trinkvorrat vergessen. "Na, wir werden schon was finden" - so denken wir und marschieren los.

Wir verlassen Söding zunächst ostwärts richtung Schadendorfberg. Wir stapfen durch einen Wald dessen Pfad fast komplett verwachsen ist. Hüfthohes Gras und Dunst erwarten uns also gleich am Anfang. Doch die rot-weis-rote Markierung gibt unserem Navi recht. Da müssen wir durch.
Nach einem Kilometer ist der Jungleride vorbei und wir steigen hinauf zur Andacht von Schadendorfberg. Dort plaudern wir mit einem älteren Herren über Pilger und Weitwanderer und welche Bräuche es damals gab wenn man sich auf eine Pilgerreise machte.

Wieder geht es weiter durch den Wald, aber diesmal auf angenehmen Pfaden. Wir durchqueren Attendorf und bekommen doch langsam Durst.
Und als wir schon daran denken bis nach Graz Buße zu tun und zu fasten, passiert uns die Rettung. Bei der Jandlkapelle am Pfalzberg ist die Markierung irreführend. Der 06er Weitwanderweg und der Attendorfer-Rundwanderweg haben das gleiche Markierungsmuster so das wir diese Verwechseln und so nach Mühlriegel bzw. Riederhof absteigen statt über den Tapper auf den Blasenberg zu gelangen. Wir merken dies zuspät, beschließen aber aufgrund der Chance auf Trinkpause in Mühlriegel einzukehren. Und dort werden wir beim Hotel und Tennisanlage Riederhof auch fündig.

Frische Getränke und ein aufgefüllter Trinkvorrat, so kann es weiter gehen. Gut das uns der Weg fehlgeleitet hat, denn die Energie sollten wir noch brauchen. Wir begeben uns auf die Suche nach unseren Weg, steigen über den steilen Katzenleitenweg auf die Wolfgangserhebung und sind nun wieder am originalen Weitwanderweg.

Es folgt das schönste Stück des Tages vor dem Eingang in den Wald nahe am Bockkogel. Dort können wir noch einmal weit in den Süden blicken von wo wir schon gekommen waren. Auch Langhornrinder haben dort ihr Gehege.
Nun sind wir motiviert und wollen zur Kronprinz Rudolf Warte am Buchkogel. Wir marschieren durch den Wald, quälen uns bei nun brütender Hitze über eine offene Weidefläche weiter nach oben und erreichen schließlich die Warte. Doch diese ist leider ein Reinfall. Die Warte gleicht einer Ruine. Das Steingehäuse ist am verfallen und die Wendeltreppe rostig. Für einige kurze Aufnahmen ist Zeit. Auch die Aussicht ist nicht so wie man es sich vorgestellt hatte. Man sieht auf Graz herab, aber erblickt gerade mal ein Viertel davon. Schade!

Es wird wärmer. Aus dem Nordwesten zieht ein Gewitter auf und es wird sehr schwül. Es dürfte nun die 30 Grad überschritten haben und die Luft steht. Eine Konstelation die mir die Kräfte entzieht wie eine Entladestation für Batterien.
Wir marschieren am Militärgelende vorbei zur Peter & Paul Andacht und steigen hinab zum Feliferhof. Es folgt noch eine Umrundung des Kollerkogels und klettern über den Gaisbergsattel und einen waldbachbettartigen Steig zu unserem Quartier Pension Steinbilcher in Graz Eggenberg ab. Nach einer weiteren Erfrischung und dem Blick auf die Uhr sind wir nun motiviert noch einen Stadtbummel durch Graz zu unternehmen. Auch unser erstes vorgesendetes Kleiderwechselpaket ist angekommen. Also rein in die frische Wäsche und ab in die Stadt.

Tourdaten:

Distanz: ca. 19 Kilometer
Höhenmeter: ca. 570
Abstieg: ca. 490
Zeit: ca. 6 Std. (netto)

GRAZ STADTBUMMEL SPEZIAL:

Es wird etwas trüber um nicht zu sagen finster. Wir müssen uns doch etwas beeilen, wenn wir die Stadt Graz noch besichtigen wollen. Das Gewitter zieht nördlich an der Stadt vorbei und türmt sich nun nordöstlich auf. Die Luft steht immer noch. Egal.

Wir stapfen 300 Meter abwärts zur Staßenbahnlinie 7 und fahren damit bis zum Hauptplatz. Dort spazieren wir durch die Altstadt und steigen schließlich hinauf zum Grazer Uhrturm. Schnell einige Fotos gemacht und weiter. Wir steigen die markanten Treppen hinab und gehen weiter Richtung Jakominiplatz. Dort wird erstmal wohltuend Gespeist. Dann holen wir uns vom Supermarkt noch den Proviant für den nächsten Tag. Inzwischen hat sich das Gewitter in den Süden verlagert, als hätte es Graz umrundet. Glück gehabt. Wir fahren mit der Straßenbahn zurück und ziehen uns ins Quartier zurück. Von unserem Balkon aus konnte man das Wetterleuchten im Süden klar erkennen. Das Gewitter war tatsächlich an uns vorbei gerauscht.

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05. Juli 2016
Steirischer Mariazellerweg 06 - Etappe 4 von 10
von GRAZ EGGENBERG aufs STUBENBERGHAUS AM SCHÖCKL

In der Nacht hat es geregnet, doch das große Unwetter ist ausgeblieben. Es  war tatsächlich in die Südsteiermark abgewandert. Das Wetterleuchten konnten wir in der Nacht vom Balkon aus sehen. Der Tag beginnt mit leichter Bewölkung. Die Sonne tut sich zunächst sehr schwer und es ist windig. Wir rechnen mit Sprühregen. Schade, denn heute marschieren wir auf den Schöckl, den Grazer Hausberg. Ich bin etwas enttäuscht, denn ich hätte mir gewünscht den Schöckl bei Schönwetter hoch zu steigen. Nun müssen wir uns sogar sorgen ob wir den Aufstieg bei Regen und Nässe überhaupt machen können. Ich sollte mich irren.

Wir verabschieden uns nach dem Frühstück von der Pension Steinbichler und marschieren los. Zunächst geht es durch die Stadt Graz. Am Hauptbahnhof machen wir ein Selfie an jener Stelle wo wir schon bei unserer Anreise bzw. beim Umsteigen in die S-Bahn am Weg nach Eibiswald ein Foto gemacht haben. Es geht weiter und die Sonne kommt zum Vorschein. Oh, etwa doch Sonne? Sehr fein.

Wir erreichen den Hilmteich am westlichen Ende des Leechwaldes und verlassen endlich die Stadt. Wir marschieren durch das Erholungsgebiet und passieren den Ortsrand von Rettenbach und Teichhof. Hier gibt es auch einige Lauf- und Radrouten. Die Wolken weichen. Es wird immer schöner. Der Wind macht die Temperaturen erträglich bis angenehm. Und so dauert es nicht mehr lange bis wir ein weiteres Highlight dieser Tour erreichen, nämlich die Wallfahrtskirche Maria Trost.

Hier legen wir eine kurze Rast ein. Schade das noch kein Souvenirladen geöffnet hat. Hier hätte ich mir gerne schon eine Anstecknadel mitgenommen. Einige Schulklassen sind vor den Stufen anzutreffen. Sie alle haben anscheinend eine laufende Exkursion zur Basilika. Wir unterhalten uns nett mit einigen Lehrern und marschieren schließlich weiter.

Es folgen teils Wald- und Wiesenwege sowie Betonstraßen durch Fölling und Haidegg. Es wird mir zu warm und ich zippe meine Beinlinge von der Hose. Der Schöckl kommt immer näher und wir können trotz der Ferne schon unser Tagesziel klar und deutlich sehen - das Stubenberghaus neben der Sendestation an der höchsten Erhebung. Man merkt deutlich das wir uns dem Grazer Hausberg nähern, denn es geht immer stetig bergauf.
Nach der Ortschaft Niederschöckl gelangen wir nach Rinegg. Jetzt knallt die Sonne unerbittlich auf unser Haupt. Wie war das mit dem Regen?

Der Schöckl vor uns wird immer mächtiger. Vorallem im Mühlgraben in dem wir noch hinabsteigen müssen. Bei der Willkommensquelle machen wir noch einmal Rast ehe wir den erneuten Anstieg nach St. Radegund in Angriff nehmen. Am Hauptplatz angelangt kehren wir in einem Gasthaus ein. Dort treffen wir auf viele Wanderer und wir haben einen recht netten Plausch. Hier werden wir für unseren bisherigen Weg von Eibiswald bis hier her schon gelobt. Doch das schwerste Stück sollte noch folgen.

Wir verlassen St. Radegund und erreichen die Schöcklbahn Talstation. Doch wir denken nicht daran diese zu benutzen. Wir wollen selbst hochsteigen. Wir folgen dem Wald-, Wiesen-, Fels-, Stein und Wurzelpfad der teilweise richtig anspruchsvoll bergauf verläuft. Dieser verläuft quer durch die Forststraße nach oben. In der Senke zu Schöneben macht der Weg dann eine Kehre und führt so direkt hoch fast bis zur Bergstation des Liftes. Der Aufstieg kostet uns kraftraubende 2 Stunden, doch wir haben es geschafft. Wir erreichen unser Tagesziel - das Stubenberghaus - und sind überwältigt von der Aussicht. Kurz nach Eibiswald haben wir den Schöckl schon erspäht. Jetzt stehen wir oben. Wahnsinn.

Noch besser ist unser Zimmer im ersten Stock. Direkt neben meinem Bett führt das Fenster ins Freie. Wenn ich im Bett entspanne kann ich direkt über das Fensterbrett hinab auf Graz schauen. Es ist überwältigend. Das Wetter hatte gehalten. Wir wurden vom Regen verschont. Westlich erkennen wir Graz, östlich Weiz. Dazwischen können wir bis an Österreichs Landesgrenzen hinab sehen. Das sind diese Momente die einem wohl lange begleiten.

Das Essen beim Stubenberghaus ist phantastisch und das Personal sehr freundlich. Wir fühlen uns sehr wohl, würden am liebsten noch länger bleiben als eine Nacht. Während die Abendämmerung über das Land zieht, marschieren wir noch zum Gipfelkreuz. Dieses liegt 10 Minuten entfernt vom Stubenberghaus. Erstmals, auf unserer Weitwandertour, erkennen wir die Berge und Täler die noch vor uns liegen. Doch es ist relativ kühl und wir marschieren zurück um zu ruhen. Wir beschließen am nächsten Morgen noch einmal zum Gipfelkreuz zu gehen um dort in den Tag zu starten.

Unser Zimmerfenster ist der beste Fernseher überhaupt. Ich kann mich garnicht sattsehen an der Aussicht und ich kann später auch kaum schlafen beim Anblick der vielen tausend Lichter der Stadt und Ortschaften sowie dem Sternenzelt über uns...

Tourdaten:

Distanz: ca. 25 Kilometer
Höhenmeter: ca. 1300
Abstieg: ca. 230
Zeit: ca. 9 Std. (netto)

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06. Juli 2016
Steirischer Mariazellerweg 06 - Etappe 5 von 10
vom STUBENBERGHAUS AM SCHÖCKL nach PASSAIL

Ja! So möchte man aufwachen!

Die Sonne strahlt, keine Wolke am Himmel und man ist auf 1450 Meter Höhe und schaut auf die Welt herab.
Es ist auch angenehm warm an diesem Vormittag. Heute wartet mit 14 Kilometer die zweitkürzeste Strecke der Tour. Darum können wir uns auch einmal richtig ausschlafen. Das Frühstücksbuffet vom Stubenberghaus lässt keine Wünsche offen. Wahnsinn! Und dann speisen wir auch noch auf der Terasse mit diesem unsagbar tollen Ausblick.

Trotzdem müssen wir nun unseren Weg fortsetzen, auch wenn es hier wirklich schwer fällt zu gehen. Wie vorgenommen gehen wir noch einmal zum Gipfelkreuz. Auch hier ist der Fernblick phenomenal und wir können ein letztes Mal auf Graz und unseren bisherigen Weg zurück blicken. Es ist, wie wenn ein Abschnitt erledigt ist und ein neues Kapitel beginnt. Denn vor uns erkennen wir nun schon die Sommeralm sowie die Veitsch. Aber nicht nur diese Berge können wir sehen. Von den Seckauer Tauern über das Gößeck, die rote Wand und den Hochlantsch, alle tauchen sie vor uns auf. Schnell noch Fotos gemacht und los gehts mit dem Abstieg.

Zunächst führt der Weg noch bei der Bergstation vorbei, doch dann geht es kontinuierlich bergab. Zuerst folgen wir einer Schotterstraße und bald hängen wir in mitten eines steilen Steigs welcher im Angesicht des Schöcklkopfes immer weiter talwärts führt. Nach einiger Zeit erreichen wir so das markante Materl des Schöcklkreuzes welches am Pass der Schöcklstraße steht.

Wir folgen der Straße westlich des Rabnitzberg und überqueren dabei den Plenzengreitweg. Die Straße verläuft zumeist im Wald, so das wir nicht wirklich viel Aussicht genießen können. Erst als wir im kleinen Ort Burgstall ankommen, können wir einmal zurück auf den Schöckl sehen. Kaum zu glauben, aber da waren wir gerade noch oben!

Wir marschieren über einen kleinen Hügelrücken, weg von der Straße, weiter und gelangen wieder auf einen Waldsteig. Wir bewegen uns weiterhin talwärts. Wir stärken uns an einer Quelle und marschieren weiter. Links von uns taucht dann auch die Ruine Stubegg auf, was uns zeigt das wir schon bald in Arzberg sind. Und in der Tat. Nicht weit davon entfernt marschieren wir der Raab entlang direkt nach Arzberg. Dort machen wir eine kleine Pause und sehen uns im Ort ein klein wenig um. In Arzberg gibt es ein Silberbergwerk. Das alte Brauchtum wurde in einem Heimatmuseum ausgestellt. Auch der bekannte Almland-Stollenkäse hat hier seinen Ursprung.

Es geht nun weiter über einen ziemlich verwilderten Weg, wieder einige Höhenmeter aufwärts, bis wir mit Wiedenberg ein weiteres charmantes kleines Bauerdörfchen antreffen. Von nun an folgen wir der Straße nordwärts über freie Flächen bzw. weite Felder. Einmal geht es noch aufwärts auf den Hundsberg, doch dann fällt die Straße wieder deutlich ab und wir gelangen nach Passail-Josefinnensiedlung. Wenig später treten wir dann endlich am Ziel der heutigen Etappe ein, nämlich Passail.

Unser Quartier ist beim Gasthof Schrenk, bekannt für seine wunderbaren Knödel. Der Ruf der "Köndelwirtin" eilt dem Gasthof ja schon Kilometerweit voraus. Wir haben das Pilgerzimmer reserviert und sind überrascht wie groß und komfortabel es dennoch ist. Wir machen uns frisch und gehen noch im Ort spazieren. Am Abend gibt es dann natürlich eine Portion der sagenhaften Knödel die ihren Ruf wirklich verdient haben.

Dann aber gehen wir bald zur Ruh, denn die nächste Etappe war im Vorfeld die Kritischste gewesen. Warum und weshalb? Lest selbst bei Etappe 6.

Tourdaten:

Distanz: ca. 14 Kilometer
Höhenmeter: ca. 150
Abstieg: ca. 920
Zeit: ca. 4,5 Std. (netto)

                                                                                                                     VIDEO:

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07. Juli 2016
Steirischer Mariazellerweg 06 - Etappe 6 von 10
von PASSAIL auf die SCHANZ

Es ist früh am Morgen als wir beim Frühstück sitzen. "Heute wird ein schöner Sommertag" sagt die Knödelwirtin.

Das ist genau das was ich hören will, denn heute folgt die wahrscheinlich anspruchsvollste Tour des gesamten steirischen Mariazellerwegs, zumindest wie ich sie geplant habe. Auf uns warten über 30 Kilometer bei ca. 1800 Höhenmetern und das fast ausschließlich über Almgebiet. Diese Tour hatte mir im Vorfeld am meisten Kopfzerbrechen bereitet, denn der Wetterbericht hatte bis eine Woche vor unserer Abreise an diesem Tag ein Gewitter vorhergesagt. Und würde dieses hier eintreffen, dann wäre eine Überschreitung der Sommeralm beim besten Willen nicht möglich gewesen. Das hätte ich uns vernünftigerweise erspart. Doch es kommt alles anders und der Wettergott hat anscheinend ein Auge auf uns geworfen. Ich weis nun, wenn wir diesen Tag ohne körperliche Probleme überstehen, dann kann uns auch sonst nichts mehr stoppen. (Obgleich noch einige Abenteuer bis zum Ziel warten sollten).

Es geht also los. Wir statten der Pfarrkirche von Passail noch einen Besuch ab und machen uns dann auf dem Weg. Wir verlassen den Ort nördlich entlang der Raab und zweigen in Wieden in Richtung Hohenau an der Raab ab. Der Weg verläuft zunächst noch angenehm eben. Es geht nur ganz leicht bergauf. Wir durchqueren noch Kriechlee, überqueren den Bach des Gaasgrabens und setzen schließlich zum Anstieg über diverse Waldsteige an. Es ist zwar nicht so steil wie am Schöckl, aber trotzdem bedarf es an Kraft in den Waden für diesen Anstieg.
Wir erreichen die freien Wiesen des Ochsenhalt und gelangen so zur Ochsenhalt Hütte wo zwei ältere Herren gemütlich bei einem Bier sitzen. Die Hütte ist einerseits für den Senner gedacht, ist aber auch eine Art Waldschanke mit freiwilliger Spende. Hier die Aussicht vom Ochsenhalt.

Wir marschieren weiter bergauf am Schwarz- und Bründlkogel vorbei bis wir auf den Rücken des Saukogels gelangen. Und hier offenbart es sich erstmals wie gefährlich ein Anstieg bei Regen gewesen wäre. Teils ist der Weg auf steilen Weideflächen ausgesetzt. Die Tage zuvor hatte es offenbar geregnet, denn Rind und Mensch haben hier tiefe Einstapflöcher hinterlassen. Dieser tiefe Boden hätte uns sicher nicht verschohnt. Der Weg verläuft nun schon almartiger, damit meine ich auf freien Wiesenflächen. Wir umrunden den Saukogel und erreichen den Pass auf der Sommeralm Landstraße die westlich auch zur Teichalm führt. Die rote Wand und der Hochlantsch verfolgen uns ja schon länger.

Wir steigen hoch zum Sommeralm Windrad, lassen jedoch das Plankogel Gipfelkreuz aus. Dennoch machen wir neben einer Rinderherde Rast und genießen die tolle Aussicht auf der Sommeralm...

Nach kurzer Stärkung geht es also weiter und wir spazieren zufrieden über den leicht abfallenden Rücken der Sommeralm und treffen dabei auf viel Weidevieh. Das ist zwar nett anzusehen, sollte aber nicht unterschätzt werden. Zu dieser Jahreszeit gibt es viel Jungrinder und Kälber. Nicht das Rinder jetzt primär gefährlich sind, aber man sollte ihnen mit Respekt begegnen.

Die 4-köpfige Gruppe hinter uns tut das nicht. Sie hat einen Hund dabei der auch nicht an der Leine geht. Der Hund läuft auf der Weide frei herum und ein Jungstier lässt sich davon provozieren und läuft dem Hund nach. Der Hund läuft zurück zur Gruppe und mit ihm der nervöse Stier. Mein Vater und ich bleiben stehen und beobachten die Situation die nicht ganz so ungefährlich erscheint. Doch zum Glück beruhigt sich die Situation und Hund sowie Stier schließen frieden. Danach wird der Hund auch an die Leine genommen. Wie gesagt - so etwas bitte nie unterschätzen!!!

Es geht weiter bergab und wir umrunden den Zechnerschlag und streifen dabei den Mitterbachkogel. Aus Weideland wird wieder Wald und wir steigen immer weiter abwärts. Dann treffen wir einen netten Bauern der seinem Traktor und uns ein Gatter öffnet. Er plaudert kurz freundlich mit uns und fährt dann weiter. Er kommt uns Beiden sehr bekannt vor, sind uns aber nicht sicher.

In der Ferne hören wir bereits die Autos der Bundesstraße L104. Damit ist klar. Gleich erreichen wir den Straßegg-Pass und damit den legendären Stroßeggerwirt. Dort kehren wir natürlich ein und erfrischen uns. Die Wirtin erklärt uns jedoch das der bekannte "Quetschn Rudi" nicht da ist. Er verarbeitet das Heu am Feld. Zur Erklärung - der Quetschn-Rudi ist jener Wirt der für seine unterhaltsame Musik an der Ziehharmonika berühmt ist.
ABER wir erfahren wer der freundliche Bauer zuvor war. Es ist doch tatsächlich Reinhold Willingshofer, Musiker bei den Stoakogler. Mein Vater kennt natürlich die Band und ich hatte ihn als Jugendlicher schon einmal persönlich getroffen und einen netten Plausch geführt. Schade das wir ihn nicht angesprochen haben. Er betreibt hier in der Nähe seinen Bauernhof und leitet noch ab und zu Wanderungen aus dem benachbarten Gaasen.

Wir gehen weiter und betreten den Naturpark Almenland. Der Weg führt uns Unterhalb eines Hügelkamms weiter in Richtung Hinterleitenwald und treffen dabei auf einige Bauern denen wir etwas auf die Finger schauen dürfen. Hin und wieder geht sich auch ein kurzes Plauscherl aus. Es ist schon interessant zu sehen wie diese Leute sich auch heute noch ins Zeug legen. Das darf man ruhig "Arbeit" nennen.
Wir steigen nun noch hoch auf die Herrnalm, die aber geschlossen hat. Die Sonne hat sich wieder durchgesetzt und die Hitze steigt. Aber das ist uns immer noch lieber als das vorhergesagte Gewitter. Eine Quelle gibt uns noch mal die nötige Frische für die letzten Kilometer. Ja diese Höhenmeter gehen schon mächtig in die Beine, und das nach bereits 5 Weitwandertagen.

Nach der Herrenalm geht es noch auf den Fürstkogel worauf dann eine Forststraße talwärts führt. Sie schlängelt sich zwischen den Breitengraben und dem Breiteggkogel vorbei in Richtung Schanzpass. Der Weg zieht sich und zwischenzeitlich verlaufen wir uns kurz und machen einen Bonuskilometer mehr als geplant. Trotzdem erreichen wir in den frühen Abendstunden den Schanzpass und damit auch unser Quartier, den Alpengasthof Schanz.

Überglücklich und erleichtert gönnten wir uns noch Speis und Trank. Ich persönlich war in der Tat beruhigt, denn die für mich schwerste Etappe hatten wir überstanden. Jetzt konnte uns wohl nichts mehr bremsen. Das glaubte ich zumindest...

Tourdaten:

Distanz: ca. 32 Kilometer
Höhenmeter: ca. 1800
Abstieg: ca. 1200
Zeit: ca. 8 Std. (netto - wir waren wirklich flott unterwegs)

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Guten Morgen aus dem eigentlichen Pilgerzimmer!

Warum das eigentliche Pilgerzimmer? Unser Quartier auf der Schanz war eine im alten Stil gehaltene Holzkammer mit der notwendigsten Ausstattung. Aber was solls? Geschlafen haben wir trotzdem sehr gut und die Energie sollten wir noch brauchen. Es sollte wieder eine kurze Tour als Regeneration folgen. Doch hat dieser Abschnitt auch seine anstrengende Passagen.

Wir verlassen die Schanz und es geht gleich einmal bergauf. So kennt man das auf steirischen Wanderwegen mittlerweile. Wir marschieren im Häschlwald und erkennen schon aus der Ferne die vielen Windräder am Heuberg. Und wir wissen, dort kommen wir auch vorbei. Vorallem hat man uns auf der Schanz erzählt das zwei junge Künstler, welche ebenfalls hier übernachtet haben, schon seit Tagen an der Arbeit sind die Masten der Windräder zu bemalen. Auch das wollten wir uns nicht entgehen lassen.

Wir erreichen die Südhälfte des Hochpürschtlings als die Wolken aufziehen und der Sprühregen einsetzt. Kein Problem. Wir ziehen die Regensachen an und gehen weiter. Keine 5 Minuten später kommt die Sonne hervor und es wird warm. Kein Problem. Wir ziehen die Regensachen wieder aus. Keine hundert Meter später setzt der Regen ein und wir ziehen die Regensachen wieder an um sie wenig später dann doch wieder auszuziehen weil die Sonne hervor kommt. Ja dieses Spiel haben wir an diesem Tag oft gespielt.

Wir erreichen die Windräder die nun garnicht mehr so klein aussehen. Kein Wunder, die sind auch an die 35-40 Meter hoch und deren Rotoren machen doch jede Menge Lärm. Man glaubt ständig das ein Flugzeug über einem herum fliegt oder das der Sturm aufzieht. Doch das alles kommt von den Windrädern. Und tatsächlich, einige Masten sind bereits bemalt.

 

Nun scheint die Sonne jedoch gesiegt zu haben und wir können die Regensachen heute zum letzten Mal einpacken. Wir marschieren über die Bäreneben als plötzlich der Nebel über uns herein bricht. Es sind die Wolkenfelder die vom Mürztal aufziehen. So gehen wir einige Minuten im verschleierten Wald ehe sich auch dies wieder legt und die Sonne sich durchsetzt. Wir erreichen schließlich den Berggasthof Stanglalm.

Wir beschließen einzukehren, wir haben ja genug Zeit heute, und gönnen uns eine warme Suppe. Druch das Wechselwetter war es doch auch ziemlich windig und frisch gewesen. Da tut das schon gut.

Als wir den Stanglwirt verlassen können wir uns einmal die Aussicht in Ruhe ansehen.

 

Wir wissen nun das uns ein langer Abstieg bevor steht. Er führt name am Roßgraben abwärts über den Führhauptkogel weiter talswärts bis Mitterdorf im Mürztal. Dabei ist aber auch Vorsicht geboten, denn der Steig ist wohl ziemlich anspruchsvoll.

Wir steigen über Gestein und Wurzelwerk immer weiter talwärts. Durch das ständige ruckartige Bremsen beim Abstieg müssen unsere Knie höchstarbeit verrichten, doch Schritt für Schritt arbeiten wir uns nach unten. Wir fragen uns wie anstrengend es erst beim Anstieg sein würde.

Dann hören wir bereits den Verkehr der S6 und es dauert nicht lange bis wir auch tatsächlich im Tal angelangt sind und diese mittels Brücke überqueren. Und so sehen wir schon unser Etappenziel, nämlich Mitterdorf im Mürztal welches zur Gemeinde St. Barbara im Mürztal gehört. Eine relativ große Ortschaft die leicht mit Deutschlandsberg mithalten kann.

Und so erreichen wir den Hauptplatz von Mitterdorf wo auch unsere Unterkunft, der Gasthof zur Post, so zu sagen auf uns wartet. Am Ende war es eine gelungene und eher kurze Tour die aber trotzdem ihre Eigenheiten mitsich brachte. Nach einer kurzen Stärkung haben wir endlich wieder die Gelegenheit unsere Vorratsspeicher in einem Supermarkt aufzufüllen. Auch unser zweites Gewandpaket wartet bereits in der Unterkunft auf uns wir haben wieder frische Wäsche zur Verfügung. Das Zimmer ist ebenfalls richtig toll und gemütlich und langsam kehrt ein gewisses - wir haben es bald geschafft - Gefühl ein.

Und so lassen wir den Tag mit einem gemütlichen Spaziergang ausklingen und begeben uns schon bald zur Ruh um fit für die nächste Etappe zu sein.

Tourdaten:

Distanz: ca. 14 Kilometer
Höhenmeter: ca. 370
Abstieg: ca. 950
Zeit: ca. 4,5 Std.

                                                                                                                         VIDEO:

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Guten Morgen! Erneut haben wir eine erholsame Nacht gehabt!

Zu sehr wollen wir uns nicht an unser Superzimmer gewöhnen - welches wahrlich alle Stückerl spielt - denn heute geht es hinauf auf die Rotsohlalm. Dort wartet mit einem Nachtlager das krasse Gegenteil. Aber irgendwie freuen wir uns schon darauf. Vorallem ich, denn ich habe noch nie in einem Nachtlager auf der Alm geschlafen. Aber soweit sind wir noch nicht. Erst wird ordentlich gefrühstückt, denn wir brauchen Kraft und Energie. Es warten nämlich wieder unheimlich viele Höhenmeter auf uns.

Gestärkt beginnen wir unsere Etappe gleich am Hauptplatz von Mitterdorf im Mürztal. Wenig später stehen wir auf einer Brücke an der Mürz und beginnen nun mit dem Aufstieg auf die Hundskopfhütte. Zuerst latschen wir noch durch eine Siedlung, später gelangen wir dann auf einen Forstweg. Langsam aber doch gewinnen wir wieder an Höhe. Wir marschieren wieder durch den Wald von Lutschaun und gelangen schließlich zur Hundskopfhütte auf ca. 1000 Meter. Die Hundskopfhütte ist eine kleine bewirtschaftete Holzhütte die leicht in einen Fels hineingeschlägert scheint. Neben der kleinen Terasse kann man über eine Holzleiter den Fels bezwingen. An oberster Stelle thront eine Gams aus Metal, welche je nach Wetterlage in eine andere Richtung schaut. So sagt zumindest der freundliche Gastwirt. Und natürlich gibt es auf der Hundskopfhütte auch einen Hund.

Ein weiterer Wanderer aus der Gegend gesellt sich zu uns. Er ist aus der Gegend und begleitet uns einige Kilometer. Ein netter Zeitgenosse der uns einiges über das Gebiet erzählt und bei Fernblicken erklärt um welche Berge es sind handelt.
Zu Dritt wandern wir am Hochreiter- und Wurmkogel vorbei. Wir befinden uns stets auf der Nordseite des Scheibsgrabens und können im Tal weitere Bauernbetriebe erkennen. Wir gelangen an jenen Ort wo früher der Hubertushof stand, bevor er abgebrannt war. Dies war einst eine Wohlfühloase. Heute ist davon nichts mehr übrig geblieben. Aber den Weitwanderern könnte der Ort schon bekannt sein, denn hier ist der Zulauf der jüngeren Kärtner Mariazellerweg 06 Variante die nun mit dem steirischen 06er einher geht.

Hier trennen sich unsere Wege und unser netter Zeitgenosse marschiert weiter um den Scheibsgraben herum. Mein Vater und ich wandern jedoch eine Forststraße und viele Höhenmeter hinab bis zum Pretalsattel, dem Verkehrssattel zwischen Veitsch und Turnau.
Kurz vor dem Sattel werden wir kurz sentimental, denn wir haben nun die 165 Kilometer des oberösterreichischen Mariazellerwegs 06 geknackt und sind immer noch gut unterwegs. Somit haben wir unsere Weitwanderbestmarke überboten.

Am Pretalsattel treffen wir auf drei Radfahrer (33, 54 und 77 Jahre) die weils eine Generation vertreten. Der bewundernswerte 77 jährige Radsportler packt in seinem Alter noch immer den Pretalsattel und war auch nur eine Minute hinter den Anderen am Sattel eingetroffen. Respekt!

Doch wir sind noch nicht fertig. Wir müssen weiter Richtung Hohe Veitsch, Richtung Rotsohlalm. Und nun beginnt der wohl schwerste Abschnitt der gesamten Tour. Laut Wettervorhersage ist heute der heisseste Tag der Woche. Über 30 Grad drücken auf uns herab und wir stapfen über den Rücken des Einserkogels, auch Langeben genannt, hinauf. Dies ist lediglich ein ganz schmaler Steig und das Gras ist oft Kniehoch. Die Luft steht, der Dunst der nassen Gräser steigt auf. Es ist wie bergwandern in einer Sauna mit Kräuteraufguß. Eine wirklich harte Prüfung und wir müssen öfter rasten.

Nach dem Einserkogel erhalten wir jedoch Trost, denn vor uns baut sich die mächtige Hohe Veitsch mit ihren fast 2000 Metern auf. Bei diesem Wetter hätte es sich Spass gemacht die Variante über die Veitsch zu gehen, doch das hätte uns wohl noch mehr Kilometer und Höhenmeter gekostet. Ausserdem hätten wir nicht das Nachtlager im Programm gehabt.
Wir marschieren zwischen dem Schwarzkogel und dem Schallergraben hindurch und erreichen die Fadeneben. Hier zweigt unser Weg noch einmal westlich ab und wir gelangen ins Rabensteingebiet mit Erzvorkommen im Gestein.

Wenig später erreichen wir unser Etappenziel - die Rotsohlalm! Es handelt sich um zwei Holzhütten. Der vordere Bauteil ist für die Gastronomie da und hat eine Almterasse. Der hintere Teil ist das "Stadl" für das Nachtlager.

Bis auf einen älteren Herren der später noch dazustößt sind wir die Einzigen auf der Alm bzw. im Bettenlager. Wir beziehen die Betten an der Fensterseite mit Ausblick auf die Alm. Es gibt nur ein Waschbecken mit Kaltwasser. Irgendwie cool - im wahrsten Sinne des Wortes.

Langsam kehrt bei uns Feierstimmung ein, denn wir haben den 8. Tag gemeistert und haben nur noch 1,5 Tage vor uns. Die schwersten Etappen sind geschafft und wir sind von der Atmosphäre auf der Alm überwältigt. Die Sonne geht langsam unter und man weis, man hat eine Alm fast für sich alleine. Nur "Vroni" die Almwirtin bleibt über Nacht in der Almhütte und wir haben noch eine recht lustige Zeit. Als es langsam finster und kühler wird verlagern wir unseren Plausch in die nette Gaststube. Es ist schon relativ spät als wir uns ins Bettenlanger begeben, doch bevor wir ruhen, erhalten wir noch einen unbezahlbaren Blick in den weiten klaren Sternenhimmel. "Was sind das nur für Momente?" denken wir.

Es sollte noch eine volle Tagesetappe folgen, aber langsam kehrt das "Wir haben es geschafft" Gefühlt ein. Doch dieses Gefühl wird noch auf eine sehr harte Probe gestellt. Und wie hart diese Prüfung für uns war könnt ihr bei Etappe 9 nachlesen...

Tourdaten:

Distanz: ca. 22 Kilometer
Höhenmeter: ca. 1400
Abstieg: ca. 400
Zeit: ca. 7 Std. (waren wieder richtig flott unterwegs gewesen für unsere Verhältnisse)

                                                                                                                            VIDEO:

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11. Juli 2016
Steirischer Mariazellerweg 06 - Etappe 9 von 10
von der ROTSOHLALM nach MOOSHUBEN

Geschlafen haben wir nicht wirklich viel. Das liegt aber nicht am Bettenlager. Ist es die Aufregung oder das Gefühl zum ersten Mal in einem Hütteschlafsack zu liegen? Ich kann es nicht sagen. Liegt es daran das wir noch recht lange wach waren und mit der Almwirtin gefeiert haben? Wer weis das schon so genau? Doch egal wie es auch immer war, vor uns liegt die letzte "Tages"Etappe ehe es am letzten Tag nur noch gemütlich nach Mariazell geht. Oh, wir sind in Feierlaune und können es garnicht glauben das wir dem Ziel schon so nahe sind. Keine Blasen an den Füssen und kein Muskelkater. Einfach nur genial.

Vielleicht muss es ja so kommen das wir so kurz vor dem Ende noch eine harte Prüfung bestehen müssen. "Hochmut kommt vor dem Fall" kann man dazu sagen. Doch noch ahnen wir ja nichts. Es ist ein herrlicher Morgen auf der Rotsohlalm. Fast keine Wolken weit und breit und es ist warm genug um auf der Terasse zu frühstücken. Immer wieder fällt mein Blick in das Buch von Fritz & Ericha Käfer "Pilgerwege nach Mariazell (Band West + Süd)" denn ich möchte trotz Euphorie wissen was auf uns noch wartet. Und das ist auch gut so, denn es werden wieder einige Höhenmeter dabei sein.

Wir verabschieden uns von Vroni und der Rotsohlalm und wandern los. Gleich neben dem Nikolokreuz gibt es eine Hinweistafel das der ehemalige Pilgerweg über Gußwerk nach Mariazell führt. Doch wir folgen den Weitwanderstrecke und steigen neben der Bärentalerwand der Hohen Veitsch weiter in den Norden. Und dort wartet gleich mal ein richtig herrliches Panorama.

Im Westen erkenne ich einer meiner Lieblingserhebungen der Aflenz Bürgeralm, den Kampl. Das hohe Felsmasiv der Gschirrmauer lenkt fast schon ein wenig vom Dachstein ab. Auch dieser zeigt sich in voller Pracht.
Wir marschieren weiter entlang der Veitsch bis wir durch den Wald den Hirschl erreichen. Es folgt noch eine Umrundung des Radlbodens ehe wir über eine Forststraße zum Niederalplpass und Ploderhof absteigen. Wo im Winter sonst der Skibetrieb läuft, ist das Areal im Sommer eine kleine Geisterstadt. Und wie kann es anders sein? Wir steigen wieder nach oben zur Wetterinalm. Dort kehren wir bei einer Almhütte ein und stärken uns.

Und hier bahnt sich das Unheil langsam an. Die Wolken rotten sich ganz langsam zusammen. Eine dunkle Wolke zieht über unseren Kopf hinweg. Zunächst ist das ja angenehm, weil sie sich vor die Sonne schiebt. Wir fragen den Hüttenbetreiber ob ein Gewitter heran rollt. Er sagt uns das dies erst für die Abendstunden vorhergsagt wurde.

Wir gehen also weiter, stapfen über die Wetterin und erreichen vor der Weißalm unseren höchsten Punkt der gesamten Tour mit über 1500 Meter. Auf der Weißalm wird aus dem himmelblau langsam ein fahles Grau. Immer mehr Wolken im Umkreis rotten sich zusammen und verdichten sich. Doch wir sind optimistisch das wir rechtzeitig zur Mooshuben gelangen. Ausserdem taucht vor uns der Tonionstock auf. Und über den Daumen gespitzt wissen wir, auf der Nordseite liegt Mariazell. Es fühlt sich heimelig an. Zunächst geht es aber noch mal bergab zum Ochsenboden. Wir glauben das es jetzt nur noch bergab geht, doch falsch gedacht. Wir müssen den Tonion entlang der Ostseite umrunden und dabei über einen kleinen Felssteig wieder aufsteigen.

Wir streifen den Teufelskessel, und das ist ein gutes Stichwort, denn hinter uns im Süden öffnen sich nun langsam die Tore zur Hölle. Die Luft steht, es ist schwül. Alles ist in Grau gehalten und da ertönt auch schon der erste Donner. Jetzt ist uns klar. Das Gewitter ist im anrollen.
Wir erreichen den Herrenboden und die Almhütte. Der Herrenboden ist eine weite Weidefläche eingebettet zwischen dem Schneekogel und dem Schwarzkogelausläufer. Wir fragen die Wirtin ob wir es bis nach Mooshuben schaffen ohne Nass zu werden. Sie winkt uns skeptisch ab. Und trotzdem marschieren wir weiter.

Hinter uns ziehen dicke schwarze Wolken über den Herrenboden und der Donner kommt jetzt in immmer kürzen Intervallen. Wir befinden uns bei der Madonna am Herrenboden und stehen vor dem schmalen steilen Steig durch den Wald nach Schöneben. Eben hat ein Blitz nahe bei uns eingeschlagen und der Donnerlärm ist gewaltig. Doch zurück zur Hütte können wir nicht mehr ohne frontal ins Gewittertreiben zu laufen. Ausserdem bringt es nichts auf der freien Fläche am Herrenboden zu verweilen. Also steigen wir trotz Gewitter ab. Mitten am Steig bergab überholen wir eine weitere Gruppe von Wanderer die vom Gewitter überrascht wurden. Wir überholen diese worauf auch schon der Regen einsetzt. Wir können gerade noch unseren Regenoberteil anziehen und die Rucksäcke einpacken, ehe es richtig los geht mit dem Unwetter.

Wir versuchen ruhig zu bleiben. Das gelingt meinem Vater mehr als mir. Ich bin richtig nervös und will nur noch runter vom Berg.
Wir sind recht flott unterwegs, was aufgrund des Steigs nicht so einfach ist. Schließlich erreichen wir das Tal Schöneben. Ab hier schließt sich der Kreis mit der Variante die wir vor zwei Jahren am burgenländischen Mariazellerweg 06, von Frein an der Mürz her kommend, genutzt haben. Doch wir haben keine Zeit zu verlieren und müssen weiter den Freigraben hinab.

Das Gewitter bleibt wahrlich am Berg kleben, doch wir sind noch nicht durch. Es folgt ein richtig brutaler Wolkenbruch über uns und es entwickelt sich ein brutaler steirischer Platzregen. Einige von Euch wissen was das bedeutet. Für Jene, die sich darunter weniger vorstellen können. Das ist ein Regenguss wie unter der Brause in der Dusche. Es schüttet und schüttet und schüttet. Auf 10 Meter können wir nichts mehr erkennen ausser Wassermassen. Die Heavy Wet Ausrüstung sowie der Rucksackschutz können nichts mehr ausrichten. Auch unsere toll geprüften Wanderschuhe haben gegen "diese" Wassermassen keine Chance. Binnen weniger Minuten ist der Falbersbach neben uns um das doppelte angestiegen und das Regenwasser plätschert nur so entlang der Straße. Wir müssen unsere Geräte schützen, darum gibt es auch kein Foto mitten im Regen. Nur die GoPro hat tapfer einige Sekunden mitgefilmt (siehe Video). Unsere Navis setzen aus, der Touch funktioniert nicht mehr. Es ist irre !!!

Drei Kilometer lang verfolgt uns die Gratisdusche, ehe der Wettergott endlich ein Einsehen hat uns uns erlöst und als Trost Sonnenschein spendet. Alles ist Nass. Und damit meine ich auch alles. Sobald ich mit den Füssen aufstapfe spritzt das Wasser aus meinen Schuhen heraus. Bei meinem Vater ist es nicht anders. Wow. Ich habe zwar schon mal einen Platzregen miterlebt, aber ich war noch nie fast eine Stunde lang in einem marschiert. 

Die Flucht vor dem Gewitter und das Standhalten des Superregens haben uns doch ziemlich müde gemacht und so kommen wir doch ziemlich geschafft beim Mooshubenwirt, dem Ziel unserer 9. Etappe, an. Endlich raus aus den nassen Klamotten. Die Elektrogeräte sind noch ok, was man von meinem Reisepass nicht gerade behaupten kann. Der trieft nur so vor sich hin.

Wir erholen uns und lassen uns am Abend natürlich noch Fischgerichte der berühmten Fischwirtin schmecken. Erst jetzt realisieren wir das wir nur noch 6 Kilometer von Mariazell entfernt sind und es praktisch geschafft haben. Auch wenn mein Vater schon einige Gewitter in seinem Leben Outdoor erlebt hat, für mich war das schon eine ganz neue Erfahrung. Heute sehe ich das Ganze etwas entspannter und denke, das war unsere letzte Prüfung ehe es nach Mariazell geht. Auf der Rotsohlalm waren wir uns bereits zu sicher und haben dort schon gefeiert. Ich denke dieser Denkzettel kam zur richtigen Zeit. Doch nun haben wir Himmel und Hölle auf unserem Weitwanderweg erlebt und dürfen morgen mit Stolz ins Ziel nach Mariazell einmarschieren.

Tourdaten:

Distanz: ca. 22 Kilometer
Höhenmeter: ca. 630
Abstieg: ca. 1070
Zeit: ca. 7 Std. (netto)

                                                                                                                           VIDEO:

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12. Juli 2016
Steirischer Mariazellerweg 06 - Etappe 10 von 10
von MOOSHUBEN mach MARIAZELL

Guten Morgen! Nach über 10 Stunden Schlaf sind wir wieder top fit für das Grande Finale!

Die ganze Nacht über hat ein weiteres Gewitter über uns gewütet, doch jetzt am Morgen ist es richtig angenehm. Die Sonne scheint. Ich denke das ist die Belohnung für die bestandene Prüfung des Vortags. Zwar ist wieder ein Regenschauer angesagt, doch erst für Mittag. Und zu diesem Zeitpunkt sind wir ja schon lanage am Ziel. Wir haben ja nicht mehr weit. Es sind lediglich 5 Kilometer bis auf den Kreuzberg und damit dem Tor zu Mariazell.

Wir frühstücken gemütlich und streifen unser offizielles Pilgershirt über. So wie es sich bei uns gehört. Am ersten und letzten Tag.  Ein letztes Mal wird der Rucksack für diese Tour gepackt. Wir verabschieden uns von der Fischwirtin und marschieren los.
Diesen Teil der Strecke kennen wir schon. Wir waren beim burgenländischen Mariazellerweg 06 über Frein an der Mürz durch Schöneben nach Mariazell gewandert. Damals hatten wir den Mooshubenwirt noch passiert. Heute spazieren wir die letzten Kilomter mit Genuß ins Ziel. Wir sind gut ausgeruht und glücklich.

Über die Mooshubenstraße und dem Rieglerweg gelangen wir zu einem kleinen Steig der durch den Wald leicht abwärts führt. Schließlich gelangen wir auf den Stögerleitenweg welcher uns zu einer Holzbrücke über die Salza führt. Wir stehen vor dem Gasthof Weinperle an der Gutensteiner Straße und plaudern noch nett mit drei ungarische Radfahrer.
Hier her verläuft nebem den Wiener Wallfahrerweg und einer niederösterreichischen Mariazellerweg Variante auch die Originaletappe des burgenländischen Mariazellerwegs aus Terz kommend.

Es folgt der bekannte Aufstieg auf den Kreuzberg entlang der B21. Ist man als Weitwanderer nach Mariazell unterwegs, dann weis man spätestens ab hier, das man ja eigentlich bereits angekommen ist. Zumindest fühlt es sich so an.
Am Kreuzberg angekommen wartet auch schon das Luckerte Kreuz, ein Steinmarterl mit einem Durchgang, auf uns. Marschiert man hier durch, so lässt man seine Sünden zurück und tritt reinen Herzens ein nach Mariazell.

Wir marschieren weiter und gelangen zuletzt noch auf die Wiener Neustädter Straße. Hier warten bereits der Torbogen mit der Aufschrift "Willkommen in Mariazell" und die Ortstafel auf uns. Die letzten Meter feiern wir ausgelassen. WIR SIND DA !!! WIR SIND IN MARIAZELL !!!

Nach einigen weiteren Schritten stehen wir dann tatsächlich vor der markanten Basilika am Hauptplatz von Mariazell. Das Gefühl ist überwältigend, auch wenn man es garnicht wahrhaben will. Wir sind nun eine Stunde unterwegs und nun soll es also zu Ende sein. Nach einigen besinnlichen Minuten suchen wir die Apotheke zur Gnadenmutter auf. Doch leider arbeitet der Altchef nicht mehr hier. Ihn haben wir am Ende jeder Weitwanderreise nach Mariazell und zu Advent besucht. Trotzdem dürfen wir unsere Rucksäcke einstweilen hier lassen, während wir noch einen kleinen Spaziergang auf den Kalvarienberg mit seiner kleinen Aussichtsterasse machen. Hier kommt man auch bei der berühmten Holzkrippe vorbei.

Letztendlich besuchen wir noch die Basilika und holen uns bei den Ständen noch das eine oder andere Andenken. Wir genießen die Zeit. Letztes Jahr waren wir doch schon müde und hatten es auch recht eilig. Diesmal kosten wir jede Minute voll aus. Doch irgendwann laufen auch diese ab und wir müssen uns langsam von der Basilika und Mariazell verabschieden. Wir steigen ab zum Bahnhof, welcher etwas ausserhalb liegt, und steigen in die so genannte Himmelstreppe ein. Das ist jener Zug welcher zwischen Mariazell und St. Pölten verkehrt. Kaum sitzen wir im Zug öffnet der Himmel wieder seine Schleusen und es regnet. Doch jetzt kann es das ruhig. Nach nicht ganz 3 Stunden kommen wir in St. Pölten an. Hier steigen wir in einen Anschlusszug und fahren zurück nach Wien. Das wars !!!

Der steirische Mariazellerweg 06 ist vollendet! Dieses Abenteuer wird wohl auf ewig in unserem Herzen verweilen.

Tourdaten:

Distanz: ca. 5,5 Kilometer
Höhenmeter: ca. 150
Abstieg: ca. 180
Zeit: ca. 1,5 Std. (netto)

                                                                                                                           VIDEO:

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