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ich, am Weg

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Ju
Großglockner Hochalpenstraße 2015
28.07.2017 20:21

 

DER NATIONALPARK - UNENDLICHE GIPFEL - EIN KINDHEINTSVERSPRECHEN

Die Großglockner Hochalpenstraße

Wir haben doch einige wunderschöne Nationalparks in Österreich. Und sie alle haben gewiss ihren Reiz. Lehne ich mich zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, der Bekannteste und einer der schönsten Parks,  ist wohl unser Nationalpark Hohe Tauern?
Mindestens genau so bekannt wie der Nationalpark selbst, immerhin steht in ihm mit dem Großglockner Österreichs höchster Berg mit 3.798 Meter , ist die berüchtigte Großglockner Hochalpenstraße. Viele suchen das himmlische Panorama auf fast 48 Kilometer, oft geschlängeltem, Asphalt. Und ihr höchster Punkt liegt auch auf sagenhaften 2.500 Meter über den Meeresspiegel. Die steilste Neigung liegt bei 12%.
Jedes Jahr werden Auto und Motorradfahrer sowie Radsportler nahezu magisch von ihr angezogen. An einem bildschönen Tag möchte man oft gar nicht mehr zurück ins Tal. Man findet gewiss Spuren des ewigen Eis auf den Gipfeln des Nationalparks.

Ein Kindheitsversprechen

Mein Vater ist ein spät berufener, aber sehr leidenschaftlicher Radfahrer. In seiner aktiven Zeit fuhr er für einige Klubs im österreichischen Amateurbereich bei diversen Rad Events mit. Und das, gar nicht Mal so übel. Zu Hause hat er heute noch duzende Pokale, Urkunden und Medaillen. Heute nennt er sich selbst Genussradler und ist beim Bus- und Reiseunternehmen Elite Tours Radreiseführer.
Ganze vier Mal nahm er damals beim Großglockner Radmarathon teil. Dies ist eine ziemlich anspruchsvolle Runde durch die Felbertauern nach Matrei, Lienz und weiter über Heiligenblut entlang der Großglockner Hochalpenstraße nach Bruck und zurück nach Mittersill.
Darauf war und ist er natürlich heute noch stolz, denn die Großglockner Hochalpenstraße am Rennrad zu biegen, das ist wahrlich eine Meisterleistung. Dabei hat er auch seinen Geschwindigkeitsrekord von satten 98 Kilometer pro Stunde aufgestellt. Das muss man sich ebenfalls erst einmal vorstellen.

Mit den Jahren verflog der sportliche Ehrgeiz und macht Platz für den, schon besagten, Genuss. Respektive der Wunsch, er würde einmal in seinem Leben gern mit einem seiner Söhne die Großglockner Hochalpenstraße fahren. Und ich kann mich noch gut erinnern. Bei einem unserer Familienausflüge vor langer Zeit, als dieses Thema wieder zur Sprache kam, versprach ich ihm, ich denke, ich war um die 16 Jahre alt, einmal mit ihm die Glocknerstraße zu fahren. Natürlich hatten das weder er noch ich so recht geglaubt und wir haben dies schnell abgehakt. 
Doch im Jahr 2015 griff ich dieses Thema, aus einem Spaß heraus, noch einmal auf. Ich hatte gerade erst Erfolge beim Red Bull 400 und dem Vertical Up gefeiert und war noch mitten im Training. Und ich wusste, wenn ich das Versprechen jetzt nicht einhalte, dann womöglich nie.

 

Für das passende Outfit wird das Zimmer umgegraben

Ach wirklich? - Bergauf?

Einer der vielen Kehren hinauf

Das Pilger, bzw. Rad-Team macht sich auf dem Weg

Es wartet ein herrlicher Tag

Ich warte auf den nachkommenden Joe


 

Ich, am Weg & Ich, am Rad Special:

Wir nannten es, das Ich, am Weg und Ich, am Rad Special. Wir gönnten uns beide eine mehrtätige Auszeit vom Alltag und fuhren mit dem Auto, die Räder waren im Kofferraum fein verpackt, nach Mittersill. Es sollte ein Wander- und Radfahrspecial werden.

Doch die große Challenge war natürlich die Fahrt auf die Großglockner Hochalpenstraße von Zell am See aus. Es war ein typisches Juniwetter. Unter Tags war es bildschön, und am späten Nachmittag bzw. am Abend türmten sich Wolken zu heftigen Wärmegewittern, samt kurzweilige Schauer auf. Auf den Bergen natürlich trotzdem nicht zu unterschätzen.

Ich besitze ein Citybike, einen Hybriden aus Gelände und Stadtrad. Doch eines war mir schon vom Anfang an klar. Mit diesem würde ich es nicht weit schaffen, denn es ist doch ziemlich schwer.
Mein Vater borgte mir daraufhin eines seiner leichteren Geländerennräder. Dieses war mir zwar vom Gestell etwas zu groß, bzw. zu weit, doch beim Bergauffahren würde ich das ohnehin nicht so merken, da mir in der vertikalen Neigung der Lenker doch entgegen kommt. Das Gewicht des Rads spielt doch schon eine große Rolle bei so einem Vorhaben.

 


Was für ein traumhaftes Wetter an diesem Tag

Vater und Sohn am Rad

Die mächtige Glockner Hochalpenstraße

Juni-Wasserfälle im Nationalpark

Es geht immer höher hinauf

Den Gipfeln entgegen


 

Auf nach Ferleiten und der Mautstelle

Schon früh machten wir uns auf dem Weg von Mittersill über Zell am See nach Ferleiten. Und ich kann froh sein, dass mein Vater nicht auf die Idee gekommen ist, schon in Zell am See zu starten. Die Auffahrt durch dieses bildschöne Tal ist  zwar nicht besonders steil, aber dafür sehr lange gehalten. Und dennoch bewegt man sich ständig aufwärts.

Bei der Mautstelle parkten wir das Auto und machten dann unsere Räder startklar. Es versprach ein bildschöner, und malerischer Tag zu werden. Die Berggipfel auf über 3000 Meter Höhe waren so markant sichtbar, das man glaubt, sie anfassen zu können.
Nun würde ich ja sehen, wie es mir dabei ergehen würde, diese berüchtigte Straße aufwärtszufahren. Ich stieß noch einige Gebete in den Himmel und setzte mich, gemeinsam mit meinem Vater, in Bewegung.

 


Ich, der Radfahrer

Auch am Berg immer für Business

Ich kämpfe mich brav nach oben

4-facher Glocknerkönig Joe

Bereits über 2300 Meter !!!

This is awesome


Der Straßenverlauf bis zum Fuschertörl

Alles beginnt, wie schon beschrieben, bei der Kassenstelle Ferleiten im Ferleitental. Es geht gleich ziemlich zur Sache, und die erste Kehre befindet sich doch schon auf 1400 Meter ü. A. und liegt etwas unterhalb der Pfiffalm.
Weiter führt die Straße nun parallel zum Ferleitental, und trotz Anstrengung sind wir einfach nur begeistert vom einzigartigen Bergpanorama. Einige Kehren später erreichen wir die sogenannte Hexenküche, ein Bergsturzgebiet. Nun verlassen wir die Baumgrenze und winden uns weiter aufwärts entlang der Edelweißwand bis zum Nassfeld. Von hier kann man zum ersten Mal die Edelweißspitze und das Fuschertörl erkennen. 

Entlang der Straße legen wir einige Pausen ein. Einerseits aufgrund der Anstrengung. Anderseits natürlich aufgrund des umwerfenden Aussicht auf die Ostflanke der Ostalpen bzw. des Wiesbachhorns.
Schließlich erreichen wir das Restaurant Fuschertörl auf 2430 Meter. So hoch war ich bislang noch nicht einmal gewandert. Wir hatten ca. 3 Stunden gebraucht. Um uns herum befindet sich die Auffahrt zur Edelweißspitze, dem höchsten Punkt der Großglockner Hochalpenstraße auf 2571Meter. Auch das Steinhäuschen des Fuschertörls können wir erkennen. Dort verläuft die Hochalpenstraße weiter in Richtung Hochtor. Diese Infos habe ich teilweise aus Wikipedia gesammelt, da ich nicht alle Details der Strecke auswendig wusste.

Doch dann ist für uns jedoch Schluss. Ein Weiterfahren bis zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe wäre zu riskant. Am Himmel über uns türmen sich erneut die besagten Wärmegewitter, und wir beschlossen doch zügig wieder das Tal aufzusuchen.

Damit kamen wir dann auch zum angenehmsten Teil dieser Tour.


Dieses Bier haben wir uns verdient

Blick auf das Hochtor

Die Pose des Glocknerkönigs

Rasten auf 2430m - Wow

Weiter geht es heute leider nicht mehr

Beeindruckend oder?


In 27 Minuten zurück im Tal!

Und somit rollten wir diese 13 Kilometer zurück ins Tal. Dies war durchaus ein großes Abenteuer, da man an einigen Stellen das Rad echt gut ziehen lassen kann. Doch bei den Kehren war dann wieder Vorsicht geboten. 
Mein Vater, der ehemalige Rennradsportler, ließ keinen Zweifel darüber aufkommen, er wäre die Hochalpenstraße noch nicht gefahren. Er legte sich stellenweise richtig gut in die Kurven und hatte ein überschaubares aber ordentliches Tempo vorgelegt.

Mir war die Talfahrt nicht ganz so geheuer, denn so schnell war ich persönlich auch noch nie mit einem Rad gefahren. Vor der Geschwindigkeit hatte ich doch etwas zu viel Respekt. Dazu muss man wissen, ich war als Kind relativ schwer mit dem Rad gestürzt. Seit dem meide ich das Rasen mit dem Rad und trau mich einfach nicht eine bestimmte Geschwindigkeit zu überragen.

Aber, beim Ausrollen vor der Kassenstelle in Ferleiten, erreichte ich mit 60 Kilometern pro Stunde trotzdem noch meine persönlichste Höchstgeschwindigkeit. Ich hatte dies zwar nicht vor, aber so kann es dann gehen, wenn man sich etwas daran gewöhnt hat. 
Schließlich erreichten wir wieder unser Auto und freuten uns über dieses Erlebnis. Noch in Ferleiten besuchten wir ein nettes Gasthaus und stärkten uns dort ordentlich. Das hatten wir uns schon verdient.

Auf dem Weg zurück nach Mittersill setzte dann der erwartete Regenschauer ein.


Versprechen eingelöst

Ich, bei der Talfahrt

Die beeindruckende Glockner Hochalpenstraße

Joe bei der Talfahrt


Infobox:

Großglockner Hochalpenstraße
Restaurant Fuschertörl
Wildpark Ferleiten
 

Karte:

Videos:

Großglockner Berglauf 2017

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