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ich, am Weg

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Ma
Der Wiener Wallfahrerweg 06
01.05.2017 09:47

Die Geburt des "Pilger-Dreamteams" und von "Ich, am Weg"
- Eine kleine Vorgeschichte - 

Oft führt der Zufall Regie im Film des Lebens. Oft ist es nur ein kleiner Funke, der das Feuer entfacht oder ein Leben schlagartig verändert. Es ist schon erstaunlich. Da hat ein Mann, schon eher sportlicher Natur, die Idee von Wien nach Mariazell zu gehen. Das daraus so eine irre Kettenreaktion für mein eigenes Leben folgen sollte, damit konnte ich niemals rechnen.

Vater und Sohn, mit der Idee, alle Mariazellerwege zu erwandern. Das klingt schon sehr abenteuerlich oder gar kitschig. Doch wie kam das?
 

"Der Weg ist das Ziel"

Im Jahre 2009, aus welchen Gründen auch immer, beschloss mein Vater Josef auf eigene Faust, ohne große Vorplanung, einfach so, von Wien nach Mariazell zu gehen. Mit Gepäck, so schwer wie der halbe Mann selbst. Mit der Ausrüstung, als würde man einen Tagesmarsch machen. Ohne Wandererfahrung und mit dem falschen Schuhwerk.
Um diese Erfahrung machen zu dürfen, ging er wortwörtlich an die Schmerzgrenze. Mit geschwollenen Beinen und blutigen Blasen an den Zehen brach er die Tour wenige Kilometer vor dem Ziel ab und lies sich dann nach Mariazell fahren.
Er schilderte diese Erlebnisse in einem Tagebuch, welches er "Der Weg ist das Ziel" nannte. Dieses werde ich bei Zeiten in meinem Blog neu übersetzen.

Doch er wusste immer, eines Tages würde er diese Weitwanderung schaffen. Hätte er damals schon gewusst, dass er eines Tages alle Mariazellerwege gehen sollte, er hätte es nicht geglaubt.
Drei Jahre später wandte er sich mit dieser Idee an mich, seinen jüngeren Sohn. Er fragte mich, ob ich es mir zutrauen würde, mit ihm von Wien nach Mariazell zu pilgern. Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich selbst in einer Selbstfindungsphase, wo ich nicht wusste, was ich in meinem Leben noch alles erreichen möchte. Ich war selbst gerade dabei mein Leben neu zu ordnen. 

Ich sagte ihm zu, denn Abenteuerscheu war ich nie. Er sagte mir damals aber gleich, ich solle diese Tour nicht unterschätzen. Es wäre gut, wenn ich vorher einige kleine Touren machen würde, um mich an das Gehen zu gewöhnen. Und das tat ich natürlich - NICHT!
Denn noch war ich ja nicht der Wander- Peter. Erst dieses Abenteuer hat mich zu dem gemacht. Diese viertägige Weitwanderung war der Anfang eines neuen Lebensabschnittes für mich.
Wir brachen auf, ohne GPS, ohne große Tourenvorbereitung, ohne Erfahrung, mit überfüllten Rucksäcken und mieser Ausrüstung. Doch nach dieser Tour wusste ich endlich, was ich wollte. Die Faszination des Wanderns hatte mich gepackt. Ich zückte meine alte Handheld-Kamera und dokumentierte meine allererste Wandertour. Als ich vier Tage später wieder zuhause war, konnte ich es kaum erwarten, meine nächste Wanderung zu dokumentieren. Die Plattform "Up & Away" entstand nur wenige Wochen später. Und aus "Up & Away" wurde ein Jahr später ... ja, ganz genau ... ICH, AM WEG !!!

Viel Spaß nun bei diesem Weitwanderbericht, mit dem alles begonnen hatte ...


DIE GESAMTE TOUR

WIENER WALLFAHRERWEG 06 
(29.05. - 02.06.2012)

Strecke gesamt: ca. 119,8km 
Dauer: ca. 30 Std. (3,5 Tage)

Aufstieg: ca. 3022m
Abstieg: ca. 2440m

Etappen:
1. Tag: Perchtoldsdorf - Weissenbach an der Triesting
2. Tag: Weissenbach an der Triesting - Rohr am Gebirge
3. Tag: Rohr am Gebirge - Gscheid
4. Tag: Gscheid - Mariazell

Karte: 


1. Etappe: PECHTOLDSDORF - WEISSENBACH AN DER TRIESTING
Distanz: ca. 34,5km  Höhenmeter bergauf: ca. 1230m Höhenmeter berab: ca. 1100m / Unsere (netto) Gehzzeit: ~ 10 Std.

 

VIDEOCLIP INKL. FOTOS:

 

Früh treffen wir uns am Wiener Praterstern. Zusammen fahren wir mit der S-Bahn hinab nach Perchtoldsdorf, wo unsere Tour auch schließlich starten sollte. Zunächst marschieren wir direkt in den Ort hinein zum Marktplatz und der Burg Perchtoldsdorf.
Hier beginnt nun offiziell der Wiener Wallfahrerweg und das Abenteuer kann beginnen. Zunächst geht es noch entlang der Hyrtallee, bis wir auch schon den Wald und unseren ersten Anstieg erreichen. Und dieser Anstieg führt uns hinauf zur Kammersteinerhütte bzw. der Josefswarte.
Schon auf dem Weg dorthin sah ich so viele neue Dinge, die ich so noch nie wahrnehmen konnte. Ich habe zum allerersten Mal einen Dachs in freier Wildbahn gesehen. Wir klettern auf die Josefswarte und verabschieden uns für die nächsten Tage von der Großstadt.

Wir folgen dem Weitwanderweg vorbei an der Waldandacht und dem bekannten Wirtshaus an der Kugelwiese. Weiter geht es durch den Wienerwald über den großen Sattel und lassen dabei auch den Predigerstuhl aus. Über die Hochstraße gelangen wir zum Wirtshaus Seewiese. Hunderte Meter später wartet auch schon der Rastplatz der Seewiese mit der großen Föhre, welche dem Weitwanderer bei einer Umarmung viel Kraft für den langen Weg geben soll. Nach dem Kreuzsattel verläuft der Weg dann südlich hinab nach Neuweg und dem Sparbach.
Nun befinden wir uns auf dem Neuweg, welchen wir nun weiter südlich, vorbei am Schloss Wildegg, folgen. Letztendlich verlassen wir den Wald und erreichen die kleine Gemeinde Sittendorf.

Es folgt ein weiterer Anstieg auf den großen Buchkogel und in die Lichtung von Füllenberg. Dort beobachten wir den großen Pferdehof und marschieren weiter westlich über den Klosterberg bis zur Wiener Außenring Autobahn. Diese überwinden wir ebenso und marschieren zufrieden in Heiligenkreuz ein. Doch zunächst besuchen wir noch den Kreuzweg am Kalvanenberg, ehe wir in das Ortszentrum gehen. Dort folgt unsere erste, wohlverdiente Rast. 

Nach Speis und Trank wandern wir am Stift Heiligenkreuz vorbei weiter in den Westen. Der Weg führt nun westlich entlang der Mödlinger Bundesstraße am Fuße des Privatenbergs. Nach einiger Zeit übersetzen wir die Straße und treten in den Wald des Hühnerkogels ein.  Wir folgen dem Waldweg, bis wir am Ende den geschichtsträchtigen Ort Mayerling und das alte Jagdschloss erreichen.
Wir durchqueren Mayerling und umkreisen den Kritschenkogel bis wir den kleinen Ort Untermeierhof erreichen. Hier bricht er Weg sogleich in den Süden ab und wir folgen dem Feldweg bis nach Maria Raisenmarkt. Kurz darauf folgt ein weiterer steilerer Anstieg hinauf zur Ruine Arnstein. Dort legen wir unsere zweite Pause ein. Nun führt der Weitwanderweg über den Schlossberg weiter bis zum Peilsteinhaus. Hier muss man sich entscheiden, welche Variante man geht. Westlich über Holzschlag würde der Weg auf den Unterberg über das Kieneck erfolgen. Wir marschieren aber am Peilsteinhaus vorbei hinab nach Neuhaus. Hier marschieren wir weiter in den Süden zum Ende unserer ersten Tagesetappe, nämlich Weissenbach an der Triesting. Bei den Prymhäuser wartet unser Quartier. Das Gasthaus zur Bruthenne.

Karte:


2. Etappe: WEISSENBACH AN DER TRIESTING - ROHR AM GEBIRGE
Distanz: ca. 31km  Höhenmeter bergauf: ca. 1000m Höhenmeter berab: ca. 700m / Unsere (netto) Gehzzeit: ~ 8 - 8,5 Std.

 

VIDEOCLIP INKL. FOTOS:

 

Ausgeruht und motiviert setzen wir unser Weitwanderabenteuer fort.

Wir folgen der Further Straße westlich entlang des Further Bachs. Stets entlang der Straße lassen wir den Maierhof unter uns und wandern weiter durch das kleine Tal, bis wir schließlich den kleinen Ort Schromenau erreichen. Hier halten wir uns nun südwestlich und betreten das Dürntal. Und dieses wiederum führt uns direkt zum wunderschönen Steinwandgraben.
Dieses Stück kommt einem schon ewig vor, doch der tolle Blick auf die Umgebung entschädigt für die Eintönigkeit. Wir folgen nun dem Ebeltal immer weiter südwestlich, bis wir am Ende des Steinwandgrabens, nach dem Ruschhof, den Eingang in die Steinwandklamm erreichen. Bei der Jausenstation Reischer machen wir unsere erste Rast.

Leider lassen wir die Steinwandklamm aus und folgen einer Serpentinstraße hinauf, direkt zum Gasthaus Jagasitz bei Kreuth. Von dieser Lichtung aus hat man einen wunderschönen Blick auf den Schneeberg. Wir wandern nun weiter zügig hinab an den Hirschwänden, bis kurz vor die Ortschaft Muggendorf. Vorher führt der Weg aber bereits in den Westen, entlang des Myrabachs, hinauf bis zum Gasthof Leitner.
Es folgt nun eine lange, etwas in den Westen einbrechende, Straße zu Thal zwischen dem Traflberg und dem Kirchwaldberg bis hinein ins Lamwegtal. Und hier beginnt er nun langsam, der Aufstieg auf den Unterberg. Zunächst führt ein Waldpfad vorbei an der Myralucke, ehe wir schon den Talbereich des Skigebietes am Unterberg erreichen. Nun folgt der Weg einer Skipiste empor bis zum Unterberghaus, wo wir die nächste Rast einlegen.

Gestärkt setzen wir unsere Reise fort. Wir marschieren an der Kapelle Maria Einsiedel vorbei, hinab entlang des Rainbachs. Nun geht es immer zu bergab entlang des Myragrabens, vorbei an der Brunntaler Höhe, bis zur Lichtung von Gries am Rainbach. Nun führt uns der Weg weiter in den Süden entlang der Falkenleiten vorbei am Furtnerberg bis zum Klauswirt im Raintal. Weiter geht es über die Klausbacherstraße vorbei am Mitterberg weiter südlich hinab bis zu unserem zweiten Etappenziel. Nämlich Rohr im Gebirge. Beim Gasthaus Kaiser Franz Joseph finden wir unser Quartier.

Karte:


3. Etappe: ROHR AM GEBIRGE - GSCHEID
Distanz: ca. 30km  Höhenmeter bergauf: ca. 940m Höhenmeter berab: ca. 660m / Unsere (netto) Gehzzeit: ~ 9 Std.

 

VIDEOCLIP INKL. FOTOS:

 

Es hatte die ganze Nacht lang geregnet. Am Morgen bleibt nur nasskaltes Wetter, jedoch mit traumhaft guter Luft.

Motiviert setzen wir unsere Reise fort. Wir marschieren entlang des 06er Weges, vorbei am Sägewerk, und übersetzten wenig später die B21 nahe am Zottlhof. Danach folgen wir einem Waldpfad durch das Gstettneröd bis zum Weberbauer und Hiaslbauer. Weiter führte der Weitwanderweg nun entlang der Bodenwiese hinab zur Gutensteiner Straße und dem Gasthof Kalte Kuchl. Der Gasthof ist vor allem für Biker ein beliebter Treffpunkt.

Hier treffen wir auch auf die kleine Kapelle von Innerhalbbach und einem kleinen Bauernmuseum. Unser Weg führt uns nun jedoch weiter durch den Wald, entlang der Gutensteiner Bundestraße bis zur Lichtung namens In der Grün. Dort verlassen wir die Bundesstraße und marschieren nun weiter südwestlich hinab durch ein längeres Tal, bis wir ein dann schließlich in Werasöd ein letztes Mal auf die Bundesstraße treffen.

Hier folgt ein Eintritt in das wunderschönen Tiefental, zwischen dem kleinen Größenberg und dem Lappental. Bei den Werasöder Wiesen treffen wir auf eine Horde Langhornrinder, die dort ein schönes Plätzchen zum Verweilen haben. Nach einer Weile gelangen wir an eine Wegkreuzung, doch wir folgen dem Bach grüne Schwarza weiter in den Süden, bis wir im Tiefental, zwischen dem Größenberg, Trauchberg und Steinaberg stehen. Hier bricht unser Weg links ab, und wir folgen dem Bach dürre Schwarza entlang des Pinstergrundgrabens. Es folgt ein kleiner Aufstieg nahe der Siedlung zu Hochreith, bis wir am Sattel des Tettenhengstes auf eine kleine Waldkapelle treffen. Von nun an geht es wieder merklich bergab, bis wir den kleinen Ort Obermitterbach erreichen. Hier führt unser Weg noch einmal hinab in den Süden bis zum Zöchlinghof, ehe nach einer Runde um den Steinerkogel zunächst das Kroatendorf und später St. Aegyd am Neuwalde bzw. die Pfarrsiedlung erreichen. Hier legen wir eine weitere Rast ein.

Nun folgt ein etwas anspruchsvolleres Stück. Es ist zunächst nicht steil, aber es zieht sich ordentlich. Der Weg führt nämlich nun direkt hinein in das Tal der Unrechttraisen und dem Ödenhof. Das kleine Tälchen ist wirklich sehr schön anzusehen, doch dies alles täuscht nicht über die Tatsache hinweg, dass vor uns nun der Aufstieg auf das sogenannte Gscheid folgen sollte. Ab dem Wegscheiderhof, über das Gasthäusl und dem Knallhof wird es merklich steiler. Man wandert jetzt über einen Kiesweg immer weiter aufwärts. Wir lassen nun den Dürnbach am Schusterkogel hinter uns und erreichen nach einem letzten Kraftakt unser Etappenziel am Gscheid, an der Gutensteiner Bundestraße am Rotenbach. Wir übernachten in der Pension Raffinger, am Fuße der Salza-Eben. An diesem Tag war erst eine Herde an Jungkühen hier eingetroffen, die sich auch ziemlich lautstark bemerkbar machen.

Karte:


4. Etappe: GSCHEID - MARIAZELL
Distanz: ca. 24,5km  Höhenmeter bergauf: ca. 260m Höhenmeter berab: ca. 350m / Unsere (netto) Gehzzeit: ~ 6 - 6,5 Std.

 

VIDEOCLIP INKL. FOTOS:

 

Die letzte Etappe bricht an. Erneut hat es über die Nacht hinweg geregnet, doch das Schauerwetter bleibt bestehen. Es hilft nichts. Rein in das Regengewand und los geht es. Und hier wird uns auch gleich ein Missgeschick passieren, welches uns aber später viel Glück bescherte.
 
Im Regen marschieren wir nun hinab zum Gasthof Gscheid und gelangen dort an eine Kreuzung. Fälschlicherweise biegen wir hier nun rechts ab. Und anstatt zum unteren Knollenhals zu wandern, marschieren wir nun nördlich hinauf der L101 Bundestraße. Ein etwas weiterer Umweg, wenn man so will.
So wandern wir entlang der Straße an der Ulreichsberg Siedlung vorbei. Der Bogen der Straße führt uns nun wieder langsam südwestlich, entlang des Kramerbachs, hinab zur eigentlichen Ortschaft Ulreichsberg.
 
Hier haben wir unser Missgeschick bereits bemerkt, finden uns aber sogleich wieder zureckt, da wir hier auf eine Variante des "Niederösterreichischen Mariazellerwegs" stoßen. Und wo dieser endet, da wollen wir ja schließlich auch hin. Wir folgen dem Rottenbach zwischen dem Klauserkogel und dem kleinen Sulzberg. Letztendlich treffen wir am Fuße des Spanleuchtergrabens wieder auf unseren Wiener Wallfahrerweg, der sich mit der NÖ Variante vereinigt. Wir folgen dem Weg nun westlich entlang der weißen Walster und besuchen das legendäre Gasthaus zur Wuchtl-Wirtin.
 
Weiter folgen wir der Walsterstraße bis zum östlichen Ende des Hubertussees. Am südlichen Ufer erblicken wir das Jagdschloss. Wir stärken uns an der Hubertusquelle, direkt bei der Hubertuskapelle,  und marschieren am Nordufer entlang des Sees. Wir lassen die Bruder-Klaus-Kirche hinter uns und gelangen so zum Westufer des Sees. Hier kann man dann entscheiden, wie man nach Mariazell einmarschieren möchte. Wir entscheiden uns für einen Abstieg über den Rechengraben, da man hier doch auf einige schöne Denkmäler stößt, wie zb. das Morzindenkmal, das Franz-Josef-Denkmal oder das Heldendenkmal. Am Ende des Grabens treffen wir auf weitere Mariazeller Weitwanderwege. Aus dem Osten kommt der Burgenländische Mariazellerweg, und aus dem Süden, der Steirische Mariazellerweg. Beim Gasthaus zur Weinperle stärken wir uns ein letztes Mal, ehe der Aufstieg entlang der Ungarnstraße erfolgt. Oben angelangt, stehen wir auch schon vor dem luckerten Kreuz.
 
Die Ungarnstraße führt uns direkt zur Abzweigung in die Wiener Neustädter Straße. Und dort wartet auch schon der Willkommenstorbogen und das Ortsschild von Mariazell auf uns. Wir haben es geschafft. Wir folgen der Straße nun direkt in den Ort und besuchen auch sogleich die Basilika.
Im Anschluss marschieren wir noch zum Bahnhof bei St. Sebastian. Wir steigen in den Zug der Mariazellerbahn und fahren zufrieden über St. Pölten zurück nach Wien.
 

Karte:


Wiener Herzlauf 2017

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