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ich, am Weg

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Ma
der oberösterreichische Mariazellerweg
16.05.2017 20:20

DIE ERSTEN GRENZEN FÜR DAS PILGER DREAMTEAM

2015 -
Der oberösterreichische Mariazellerweg sollte uns erstmals Grenzen aufzeigen. Nicht dass wir an ihm zerbrochen wären, keineswegs. Aber dank ihm hat in uns ein Umdenken stattgefunden. Eines, welches uns nachhaltig die Augen öffnen sollte. - Wie ich das meine?

Der Wiener Wallfahrerweg und der burgenländische Mariazellerweg waren von der Charakteristik sehr ähnlich, lässt man mal die Etappe Eisenstadt bis Forchtenstein weg. Diese 4 bzw. 6 Tage haben unsere Naivität und Unerfahrenheit nicht wirklich zum Vorschein gebracht. War es nun die fehlende Kartenkunde oder das Material. Wir wuchsen mit der Aufgabe. Und darum war zum Beispiel der burgenländische Mariazellerweg schon ein klein wenig besser organisiert und abgeleistet worden, als noch der Wiener Wallfahrerweg, wo wir sogar ohne Zimmerbuchung losmarschiert sind.

Meine Wanderführerausbildung als zusätzliche Sicherheit

Im Gegensatz zum burgenländischen Mariazellerweg bedurfte es keine Überredungskunst mehr, meinen Vater für die weitere Tour zu begeistern. Und langsam schwebte auch der Gedanke, alle Mariazellerwege zu gehen, über unseren Häuptern.
Was uns beiden sicherlich zugute kam, war meine Ausbildung zum Wanderführer. Denn dank dem VAVÖ lernte ich alles Erdenkliche zum Thema Wandern. Ich lernte Karten- und Wetterkunde. Ich beschäftigte mich mit Erste Hilfe Maßnahmen und allgemeinem Verhalten auf Wanderwegen. Plötzlich wusste ich wie man einen Rucksack "richtig" packt und auf was es beim Material wirklich ankommt. Von diesem Wissen sollten wir, das Pilger Dreamteam, richtig profitieren.

Präsentation der OÖ MZWG Shirts

Mein Vater überließ mir die gesamte Organisation. Er gab mir freie Hand bei der Wahl und Einteilung der Routen und vertraute mir bei den Quartieren. Das war schon mal ein sehr schönes Gefühl. Und ich wollte und sollte ihn nicht enttäuschen.

Vergleicht man die Etappenplanung mit den früheren Weitwanderwegen zu dieser, so wird man feststellen, dass diese ein komplett eigenes Schema hat. Bei Etappen mit weniger Höhenmetern, plante ich mehr Kilometer ein und ließ uns bei schwierigeren Etappen oft gar nur 12 bis 16 Kilometer marschieren.
Aber das hatte nicht nur einen regenerativen Grund. Nein, ich plante die Etappen so ein, das wir auch die Möglichkeit bekamen uns an tollen Worten wie zum Beispiel Steyr oder Waidhofen etwas umzusehen. So wurde aus dem Weitwanderweg auch gleichzeitig eine Sightseeing-Tour. Für mich war dies wichtig, damit wir auch einmal den Kopf freibekommen konnten.

Ein guter Plan, wie sich später angesichts der hohen Temperaturen und der üppigen Landschaft herausstellen sollte.

Reife trifft auf Sturheit

Für diese Tour besorgte ich mir einen tollen Weitwanderrucksack, der meiner Meinung nach, perfekt für mich passt. Mein Vater hingegen vertraute jenem Rucksack, den ich ein Jahr zuvor beim burgenländischen Mariazellerweg getragen hatte. Und dieser Vergleich fiel nach diesen 8 Tagen sehr deutlich zugunsten meines Rucksacks aus.
Dann kam ich erstmals mit der Idee, unser Wechselgewand schon per Post vorauszuschicken. Ich wollte, dass wir zwei Boxen mit frischer Wäsche an das Quartier in Waidhofen an der Ybbs schicken und folglich die Schmutzwäsche von dort wieder heimwärts.
Mein Vater hielt nicht sehr viel von dieser Idee und wollte eben die gesamte Adjustierung über alle 8 Tage im Rucksack mithaben. Mit meiner Packordnung in meinem fantastischen Rucksack war das, bis auf das Gewicht, weniger problematisch. Mein Vater, mit der unpraktischen Variante, sollte dies leider später zu spüren bekommen.

Erkenntnisse nach den ersten Rückschlägen

Was waren nun unsere Grenzen? Anhand des ungleichen Antritts zwischen mir und meinen Vater wurden diese eher an ihm sichtbar. Schon nach 4 Tagen bekam mein Vater Probleme mit seinen Schultern, Rücken und Rumpf. Der Rucksack war viel zu schwer für diese Tour, welche schon wesentlich reicher an Höhenmetern war. Es war nicht zwingend notwendig gewesen, das Gewicht von 8 Tagen Marsch auf den Schultern zu tragen.
Eine weitere Hürde stellte unsere Spontanität dar. Ursprünglich war die letzte Etappe, von Lackenhof nach Mariazell, nicht über die Ötschergräben geplant. Sie wäre folglich kürzer gewesen und wir wären früher in Mariazell angekommen. Das war das Ziel. Es ging auch darum, die Mariazellerbahn am späteren Nachmittag zu erwischen. Als wir uns aber dann spontan für die Ötschergräben entschieden hatten (und ich bereue es nicht, denn diese waren traumhaft), mussten wir aufgrund mangelnder Zeit sogar den Kodex der Weitwanderer brechen und mit der Seilbahn hinauf zum Ötscherhaus fahren. Hätten wir das nicht getan, dann hätten wir unseren Zug niemals erreicht. Und so hatten wir ständig die Zeit im Nacken und am Ende nur ganz wenig Zeit für die Basilika. Das geht insofern auf meine Kappe, denn als Planer der Etappen hätte ich auf die Einhaltung der originalen Strecke pochen müssen. *hihi*
Die Hitze und die Schmerzen setzten meinen Vater auch schon psychisch etwas zu, sodass dieser Einzug in Mariazell leider nicht zu den emotionalsten gehört.

Doch genau aus diesen Fehlern sollten wir lernen. Die Tour selbst war natürlich traumhaft schön, wenn auch etwas zu hochsommerlich. Doch ich möchte keinen Schritt davon missen. Wir packten unsere Pilgershirts und stürzten uns ins dritte Weitwanderabenteuer ...


OBERÖSTERREICHISCHER MARIAZELLERWEG 06
(01.08. - 08.08.2015)

Strecke gesamt: ca. 167 km 
Etappen:
1. Tag: Linz (Pöstlingberg) - St. Florian
2. Tag: St. Florian - Steyr
3. Tag: Steyr - Maria Neustift
4. Tag: Maria Neustift - Waidhofen an der Ybbs
5. Tag: Waidhofen an der Ybbs - Maria Seesal
6. Tag: Maria Seesal - Lunz am See
7. Tag: Lunz am See - Lackenhof
8. Tag: Lackenhof - Mariazell


1. Etappe: VOM PÖSTLINGBERG LINZ NACH ST. FLORIAN
Distanz: ca. 19km  Höhenmeter bergauf: ca. 150m Höhenmeter berab: ca. 400m / Unsere (netto) Gehzzeit: ~ 4,5 - 5 Std.

VIDEOCLIP INKL. FOTOS:


Nach nur 1,5 Std. auf der Westbahn erreichten Vater Joe und ich den Linzer Hbf. Schnell noch in ein Taxi und rauf auf den Pöstlingberg. Dort wo der OÖ MZWG seinen Ausgangspunkt hat. Das Wetter war optimal zum Start dieser Weitwanderung. Von der Aussichtsplattform bei der Pfarre am Pöstlingberg konnten wir noch die tolle Aussicht auf Linz und die noch bessere Fernsicht in den Süden, dort wo es uns hin verschlagen sollte, genießen.

So stiegen wir den Kreuzweg hinab und folgten dem Weg bis zur Linzer Hauptstraße, welche uns auch bald zur Nibelungenbrücke an der Donau führte. Nach deren Überquerung standen wir auch schon direkt vor der Dreifaltigkeitssäule am Linzer Hauptplatz. Ein großer Flohmarkt verwandelte die gesamte Innenstadt in den Ausnahmezustand. Entlang der Landstraße erreichten wir wenig später schon das Stelzhammer und Kneip- Denkmal im Volksgarten.

Hier wanderten wir am Musik- und Landestheater ab auf die Wienerstraße, welche uns nun lange begleiten sollte. Nach der Unterführung der A7 marschierten wir entlang der Südbahn und ließen so die Linzer Altstadt hinter uns. Es sollte nicht lange dauern, ehe wir die Stadtgrenze erreichten. Nach der Überquerung des Jauckerbachs und der Traun fanden wir uns in Eblsberg wieder. Vorbei am Schloss Eblsberg erreichten nach der Unterführung der Autobahn A1 entlang der Florianerstraße die Abzweigung in Richtung Ölkam.

Und nun hatten wir dem städtischen Treiben den Rücken gekehrt. Entlang von Hügeln, Wald und Feldern kamen wir am Bildstock "Pestsäule" am Brucknerweg vorbei. Hier konnte man die Turmspitzen unseres Tagesziels, dem Stift bei St. Florian, schon sehen. Wir passierten noch den Gemerginghof und setzten zum letzten leichten Anstieg durch den Wald an und hatten es geschafft. Der mächtige Stift begrüßte uns herzlich.

 

Karte:


2. Etappe: VON ST. FLORIAN NACH STEYR
Distanz: ca. 30km  Höhenmeter bergauf: ca. 280m Höhenmeter berab: ca. 260m / Unsere (netto) Gehzzeit: ~ 7,5 - 8 Std.

VIDEOCLIP INKL. FOTOS:


Schon am Abend des Vortags waren Wolken über das Land gezogen. Das Bild hatte sich am Morgen nicht geändert. Es kam noch vereinzelt Sprühregen hinzu. Die Temperaturen waren aber sehr angenehm. Es sollte sich als Glücksfall herausstellen, dass wir entlang der doch 30 Kilometer keine tropischen Temperaturen hatten. Im Reich der oberösterreichischen Hügel und Vierkanthöfe wäre das sicher nicht angenehm gewesen. Nach einem guten Frühstück im Florianerhof brachen wir zeitig auf. Rein ins Regengewand und los. Wir verließen St. Florian südlich querend der Landstraße. 

Mittlerweile hatte sich der Salzsteigweg zu uns gesellt. Diese bewölkte leicht nebelige Atmosphäre passt irgendwie zur verträumten markanten Landschaft. Vierkanthöfe, soweit das Auge reichte. Zunächst wanderten wir an Fernbach und dem Rumplhof vorbei. Es folgte eine kurze Abzweigung in den Westen. Doch ab Grünbrunn verlief der Weg weiter südlich. Unser Weg führte am Ort Hofkirchen im Traunkreis vorbei. Am Hauzenbach konnte man sich dann für zwei MZWG Varianten entscheiden.
Entweder die Bundesstraße weiter nach Losenleiten oder den kurzen Umweg über die Wallfahrtskirche in Maria Laah. Wir beschlossen Zweiteres und suchten einmal Zuflucht vor dem Regen. Danach ließ der Regen jedoch nach und wir gingen weiter. In Haidbach gab es für uns kleine eine Mittagsrast. Nach Haidbach hatten wir anscheinend einen Wegweiser übersehen, sodas wir anstatt über Wickendorf direkt über die Felder des Kettenbergs wanderten. Vor Oberwolfern führten die Wege aber wieder zusammen.

Nach dem Wald Enzengam konnte man ab dem Huber Hof bereits unser Tagesziel Steyr erkennen. Wir überquerten den Fluss Steyr und marschierten die letzten Höhenmeter hinauf in den allseits bekannten Kleinort Christkindl. Von dort führte der Pfad langsam absinkend hinein in den verträumten Ort Steyr. Dort wo die Flüsse Steyr und Enns zusammenführen, wartete unser Quartier.

 

Karte:


3. Etappe: VON STEYR NACH MARIA NEUSTIFT
Distanz: ca. 28km  Höhenmeter bergauf: ca. 1150m Höhenmeter berab: ca. 760m / Unsere (netto) Gehzzeit: ~ 8 Std.

VIDEOCLIP INKL. FOTOS:


Gut geruht und gestärkt traten wir aus der Pension Leichtfried heraus, um uns dem 3. Tag unserer Weitwandertour zu stellen.
Doch zunächst lag alles im grauen Schleier verhüllt. Dicke Nebelschwaden hingen in Steyr und Umgebung fest. Auch die angekündigten Sommertemperaturen ließen sich zunächst nicht blicken. Wir marschierten motiviert entlang des Ennskanals und überquerten dann die Schönauer Brücke, um dem Bergkanal in den Süden zu folgen. Langsam ließen wir Steyr hinter uns und erreichten das Gebiet um St. Ulrich bei Steyr. Dort zweigte der Weg östlich ab. Leider führte unsere MZWG Variante nicht an der Kirche vorbei. Es folgten die ersten Höhenmeter des Tages durch den Wald empor zum Wirtshaus Schoiber auf ca. 650 hm. 

Dort angekommen kämpften sich die ersten Sonnenstrahlen durch das Nebelfeld, welches langsam emporstieg. Dann verließen wir für einen Moment den markieren Weg und stiegen zur Aussichtswarte am Damberg auf. Dort stand ein 30 Meter hoher hölzerner Aussichtsturm. Hier überließ ich Vater Joe die tolle Aufgabe nach oben zu steigen, um Fotos und Clips zu machen. Nun folgte eine lange Tour durch den Wald am Braschenberg und der Hertlerwiese vorbei. Nach dem Schwarz- und Willleitenberg erreichten wir das kleine Tal der Wolfsgrube.

Hier legten wir eine Rast ein. Südöstlich kommend umkreisten wir den Plattenberg (mit seinen Windrädern) und folgten dem Weg nun gänzlich in den Osten. Kurz vor Hinterplatten trafen wir auf die ehrenamtliche Naturschenke des Alfred Pfaffeneder beim Plattenberg Nr. 42. Selbstlos bietet er dort neben seinem Gartenhaus Erfrischungen an. Respekt! Nach tollen Fernblicken in das Enns & Steyrtal ging es erneut durch den Wald zu unserem höchsten Punkt, dem Spadenberg auf genau 1000 hm. Nun folgte ein abenteuerlicher Abstieg. 

An manchen Stellen ist bei dem verwachsenen Wurzelwerk wahrlich Vorsicht geboten. Nach dem Geierskogel konnte man unser Ziel - Maria Neustift - schon sehen. Es lag so nah und doch so fern. Der einst originale Weg führte über den Ober- und Unterbramberg in den Ort. Eine Abkürzung über die Buschachen bietet sich jedoch an. Der Sommer war zurückgekehrt. Bei 30 Grad und mehr waren wir froh am Ziel zu sein.

 

Karte:


4. Etappe: VON MARIA NEUSTIFT NACH WAIDHOFEN AN DER YBBS
Distanz: ca. 15km  Höhenmeter bergauf: ca. 230m Höhenmeter berab: ca. 640m / Unsere (netto) Gehzzeit: ~ 4 Std.

VIDEOCLIP INKL. FOTOS:


Der 4. Tag war angebrochen. Nach dem erfrischenden Frühstück im Gästehaus Ahrer konnte es losgehen. Nach 2x 30km in Folge sollten nun drei kürzere Etappen kommen. Dies gab uns die Möglichkeit doch mal an einigen Stellen zu verweilen, um die Umgebung und alle Einflüsse rund um einen zu genießen. Gleich nach unserem Quartier begann der nordöstliche Anstieg hinauf in Richtung Bischofberg. Wir wanderten an so manch schönen Hof vorbei, bis wir den kleinen Bach Raming überquerten. 

Inzwischen hatte sich der E4 Voralpenweg zu uns gesellt. Wir bewegten uns auf einer asphaltierten Straße entlang der hügeligen Gegend die uns jedoch nicht erlaubte im Wald vor der Hitze zu fliehen. Die Sonne war an diesem Tag unbarmherzig.
Nach dem Bischofsberg im Norden marschierten wir auch am Freithofberg vorbei, welcher sich im Süden erstreckte.

Nach dem ebenso schönen Kindslehenhof Hof kamen wir auch an Haunoldstein Siedlung vorbei. Nun führte uns der Weg stets östlich dem Hügelrücken hinab bis nach Konradsheim, dessen Kirche eindrucksvoll in einen kleinen Hügelfels eingebettet ist. Von hier aus konnte man in nordöstlicher Richtung auch schon die Basilika am Sonntagberg erkennen.

Entlang des Haidrückens ging es noch weiter bergab. In der Ferne konnte man auch schon unser Tagesziel Waidhofen erkennen. Beim Vordereck mussten wir noch einen kleinen Hügel überqueren und waren nach einem kleinen Abstieg über die Konradsheimerstraße in Waidhofen an der Ybbs angelangt.

 

Karte:


5. Etappe: VON WAIDHOFEN AN DER YBBS NACH MARIA SEESAL
Distanz: ca. 19km  Höhenmeter bergauf: ca. 430m Höhenmeter berab: ca. 180m / Unsere (netto) Gehzzeit: ~ 4,5 - 5 Std.

VIDEOCLIP INKL. FOTOS:


Hinaus ging es, aus der Stadt der Türme, bei traumhaften Wetter. Zunächst über die Ybbs südöstlich entlang der Schmiedestraße bis zur Ecke Arzbergstraße wo normalerweise der Mariazellerweg hinauf auf den Arzberg führte. "Normalerweise" - aber wir entschieden uns für eine andere Route. Nämlich entlang des Ybbstal-Radweges entlang der Ybbs. Das hatte vor allem den Grund, dass die Temperaturen wieder auf über 30 Grad hinauf kletterten und wir am Arzberg der Sonne ausgesetzt gewesen wären. Die tolle Umgebung hatten wir ja bereits am Vortag vor Waidhofen genossen. 

Der Radweg an der Ybbs war perfekt. Entlang des Flusses, teilweise durch den Wald, bot ausreichend Schutz vor der Sonne. So wanderten wir an Zell-Arzberg und Marienhof vorbei aus hinein in den Gewerbepark, wie man ihn dort nannte. Dort befand sich auch die hochinteressante Fassbinderrei Stockinger. Entlang der Bundesstraße B22 gelangten wir dann in den kleinen Ort Steinmühle. Wir folgten dem Radweh entlang der Bundesstraße östlich hinein nach Ybbsitz. Dort fanden wir wieder auf den originalen Pilgerweg zurück. In Ybbsitz kehrten wir beim Gasthaus zum goldenen Hirschen ein. Südlich von Ybbsitz führte der Weg durch das Tal "in der Noth". 

Dort lernen wir den Holzschnitzer "Hans" kennen. Im Wald befindet sich seine Werkstatt, wo er nach Lust und Laune Figuren und Modelle schnitzt. Kurzerhand schnitzte er für meinen Vater einen Wanderstab. Diesen sollte er fortan verwenden. Weiter ging es über eine kleine Klamm in den Süden. Am Ende des kleinen Naturschauspiels wartete die gebogene Ybbsitzer Erlebnisbrücke aus Aluminium. Im Ort Bauernschrotmühl zweigte der Pilgerweg wieder in den Osten ab. Es folgte bei diesen Temperaturen ein heißer Aufstieg am Asphalt nach Mitterlehen und Unterweissenbach, ehe wir am Zielort Maria Seesal ankamen. Ein kleiner verträumter im Tal versteckter Ort mit einer Wallfahrtskirche.

 

Karte:


6. Etappe: VON MARIA SEESAL NACH LUNZ AM SEE
Distanz: ca. 13km  Höhenmeter bergauf: ca. 420m Höhenmeter berab: ca. 330m / Unsere (netto) Gehzzeit: ~ 4 Std.

VIDEOCLIP INKL. FOTOS:


Langsam aber sicher ging diese Weitwanderung in das letzte Drittel über. Doch auf diese Etappen freuten wir uns beide schon lange. Das Ziel würde nämlich Lunz am See sein. Bei diesen hochsommerlichen Temperaturen ab in den Lunzer See. Was hätte es in diesem Moment noch Schöneres gegeben? Doch zunächst mussten wir erst einmal Lunz am See erreichen. Es wartete eine kürzere Etappe. Wir brachen relativ früh auf, um schon dementsprechend bald am Zielort zu sein. 

Wir verließen Maria Seesal und folgten dem 06er in den Süden. Sehr angenehm, da hier der Wald uns noch den nötigen Sonnenschutz gab. Am Mitteregg und Saurüssel vorbei führte der Weg über Pramsmühle bis Fuchslehen. Ab hier hieß es dann ab in den Osten über das so genannte Gscheid entlang des Gscheidgrabens. Und dieser Graben war schon eine kleine Herausforderung. Auf der höchsten Erhebung des Gscheids, einem Sattel zwischen dem Spitz und Hamotkogel legten wir eine kleine Pause ein. 

Nun folgten wir dem ausgedehnten Graben über Oberhackstock und Haslau südöstlich nach Bodingbach. Und ab Bodingbach durften wir ein wirklich wunderschönes Etappenstück abmarschieren. Vor allem wenn man Eisenbahnliebhaber ist. Denn ab hier folgt man der so genannten "Eisenstraße". Einer Schmalspurbahn, die ebenfalls bis Lunz am See verläuft. 

Aus dem Pilgerweg wurde so schnell ein richtiger "Bahn-"oramaweg. Mal folgte man den Schienen, dann überquerte man sie wieder des Öfteren. Letztendlich kamen wir beim Ort Holzapfel zum Bodingbach bzw. der Bodingbachstraße. Diese führte uns direkt hinein bis nach Lunz am See.

Am Abend sollte uns noch ein Sprung in den Lunzer See eine ordentliche Abkühlung verpassen.

 

Karte:


7. Etappe: VON LUNZ AM SEE NACH LACKENHOF-ÖTSCHERWIESEN
Distanz: ca. 12km  Höhenmeter bergauf: ca. 480m Höhenmeter berab: ca. 170m / Unsere (netto) Gehzzeit: ~ 4 Std.

VIDEOCLIP INKL. FOTOS:


In der Ursprungsplanung unserer Weitwanderung wäre dies nun ein "Erholungstag" gewesen. Da wären wir nämlich von Waidhofen bis Lunz am See durchmarschiert. Bekanntlich haben wir uns ja entschlossen, noch einen Zwischenstopp in Maria Seesal einzulegen. Übrig geblieben ist dennoch die kürzeste Etappe der gesamten Weitwanderung. Nämlich jene, die am vorletzten Tag anstehen sollte. Von Lunz am See zu den Ötscherwiesen von Lackenhof. Auch egal. 

So konnten wir unseren Aufenthalt in Lunz am See in vollen Zügen genießen, länger schlafen und ausgiebig frühstücken. Wir starteten wohl gestärkt von unserer Bleibe am Zellerhof und marschierten noch einmal zum Lunzer See nach Seereith. Wir folgten dem MZWG 06 und dem Ötscherland Rundweg südlich des Sees und genossen noch einmal dessen eindrucksvolle Präsenz. Ab Schlögelberg mussten wir uns dann vom See verabschieden. Am Schloss Seehof vorbei, folgte der Weg nun durch den Wald hinauf zum sogenannten Durchlass. Eine Art Pass zwischen dem Scheiblingstein und dem Maiszinken. Nun folgten wir dem ausgedehnten Graben hinab zum Fluss Ois und dem Ort Maierhöfen. Dort gönnten wir uns noch eine kleine Pause. 

Im Anschluss folgten wir dem Weg nordöstlich entlang des Lackenbachsetwas versetzt der Ötscherstraße. Der schwarze und der kleine Ötscher begleiteten uns bereits in Richtung Etappenziel Lackenhof. Schließlich hatten wir es dorthin geschafft. Uns bot sich ein richtig verträumtes Bild auf. Ein im Winter wohl überlaufenes Skigebiet lag im Hochsommer fast einsam und verlassen vor uns. Bei diesem traumhaften Wetter (das es über 30 Grad hatte, muss ich wohl nicht mehr erwähnen) schien uns sogar der majestätische Ötscher zu begrüßen.

Unser Quartier lag jedoch östlich von Lackenhof bei den Ötscherwiesen. Aber auch diese letzten Meter meisterten wir ohne Probleme.

Karte:


8. Etappe: VON LACKENHOF-ÖTSCHERWIESEN NACH MARIAZELL
Distanz: ca. 26km  Höhenmeter bergauf: ca. 1000m Höhenmeter berab: ca. 1000m / Unsere (netto) Gehzzeit: ~ 8-8,5 Std.

VIDEOCLIP INKL. FOTOS / TEIL 1 & TEIL 2: 


Der Tag war gekommen. Die letzte Episode unseres Weitwanderwegs von Linz nach Mariazell stand uns bevor.
Und ein Tag wie dieser musste wohl mit einer großen Änderung beginnen. Aber erst mal ein feines Frühstück beim Gasthaus Digruber. Nach meiner Planung "hätten" wir aus Lackenhof die Variante vom Riffelsattel über den Erlaufsee südlich von der Gemeindealpe bewandert. Doch letztendlich siegte die Neugierde über die so genannten "Ötschergräben". Auch, wenn dies den einen oder anderen Kilometer mehr bedeutete. Im Hinterkopf war da natürlich auch die Tatsache, dass wir am Abend unseren Zug (Himmelstreppe) nach St. Pölten erwischen mussten. 

Und etwas Zeit bei der Basilika wollten wir auch noch verbringen. Doch würde sich dies alles mit dem Aufstieg auf den Riffelsattel ausgehen? Wir entschieden uns also, den Sessellift von Lackenhof hinauf zum Ötscher Schutzhaus zu verwenden. Ja, ich weiß. Das ist sozusagen eine Abkürzung. Doch für die wunderschönen Ötschergräben nahmen wir das in Kauf. Wir wanderten also vom Ötscherschutzhaus (ca. 1420 m) hinab zum Riffelsattel. Dort wartete die eben besagte Kreuzung nach meiner Planung oder über die Gräben. Es folgte gleich einmal ein abenteuerlicher Abstieg über mehre hundert Höhenmeter hinab bis zur Spielbichlerhütte. Hier folgten wir dem Waldmark, Ötscherland Rundweg und Pilgerweg östlich auf der Forststraße bis zur Abzweigung hinab zum Greimlbach der uns genau zu den Ötschergräben führte.

Vom Norden kommend erreichten wir das Gebiet des Mira Wasserfalls. Leider führte er gerade nur sehr wenig Wasser. Doch das Gefälle reicht bis zu 80 Meter. Den Weg entlang den Felswänden erklimmt man teils über künstliche Steige mit Stahlseilversicherung oder Holzbrücken. Wir gelangten zu einer kleinen Raststätte, dem sogenannten Ötscherhias. Hier zweigte unser Weg in den Süden ab und wir hatten einen letzten intensiveren Anstieg neben dem Mühlbach hinauf bis zum Erlaufstausee. Ebenfalls ein Augenschmaus. Letztendlich erreichten wir Eben und Mitterbach. Aufgrund der Schönheit der Ötschergräben und der vielen Zwischenhalte mussten wir etwas Zeit gewinnen. So beschlossen wir, von Mitterbach nur noch entlang der Bundesstraße B20 südlich zu marschieren. Wie bei einem richtigen Zieleinlauf zelebrierten wir die letzten Ortschaften Weißenbach und St. Sebastian vor dem großen Ziel.

Und dieses erreichten wir schließlich überglücklich, stolz und demütig. MARIAZELL - wir waren angekommen! Zum dritten Mal! Episch.

 

Karte:


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