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ich, am Weg

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Ma
der burgenländische Mariazellerweg 06
10.05.2017 18:31

DIE RÜCKKEHR DES PILGER-DREAMTEAMS

Der Wiener Wallfahrerweg öffnete mir einst die Augen. Seit dieser Wanderung, im Jahre 2012, war nichts mehr so, wie es einmal war. Noch im selben Jahr ging ich alleine auf große Entdeckungstouren und lerne das Wandern noch viel mehr zu schätzen.
Für meinen Vater war das Abenteuer, einmal nach Mariazell zu gehen, eigentlich abgeschlossen. Nachdem er 2009 alleine gescheitert war, und dies nun mit mir geschafft hatte, war der Drang nach einem weiteren Mariazellerweg zunächst gar nicht so stark ausgeprägt. Ich war zunächst die treibende Kraft hinter einer Rückkehr des Pilger Dreamteams. Ich begann mich für die Weitwanderwege nach Mariazell zu interessieren und schlug schon wenige Wochen nach dem Wiener Wallfahrerweg vor, nun den burgenländischen Mariazellerweg in Angriff zu nehmen. Dieser wäre nur um 1-2 Tagesetappen länger und sollte uns, als Wanderanfänger, doch nicht gleich zu stark fordern. Schließlich lieferte ich dann doch recht gute Argumente, die meinen Vater überzeugten, dieses neue Projekt genauer zu studieren.

    Präsentation der Pilgershirts für den bgld. Mzwg. 06

Lebenseinschnitte verhinderten den ersten Versuch

Und dann gab es tatsächlich einen ersten Termin für den burgenländischen Mariazellerweg. Und zwar räumten wir uns beide eine Woche im September 2012 ein. Doch es kam anders. Ich verlor meinen Job und musste erst mein Leben neu sortieren. Zusätzlich fehlte mir nun auch das Geld für so eine Tour. Vater Joe hatte auch einige Verpflichtungen gegenüber Elite Tours als Rad Guide. So riet er mir, dass wir dieses Vorhaben erst einmal verschieben sollten. Es würde nicht davonlaufen. Wo er auch recht hatte.

Erst im Mai 2013 trat ich wieder ins Berufsleben ein. Aber in den Monaten davor konnte ich mir nicht wirklich etwas ansparen. Ich musste ohnehin erst wieder einen geordneten Alltag aufbauen. Da war von Weitwandern absolut noch keine Rede. Erst im Herbst 2013 wurden die Pläne neu aufgerollt. Zunächst musste ich meinen Vater wieder überzeugen, den burgenländischen Mariazellerweg zu gehen. Er wollte zunächst noch einmal den Wiener Wallfahrerweg gehen. Erst als ich ihm riet, doch eher das neue Abenteuer zu suchen, willigte er erneut ein und bat mich die Planung für diese Tour aufzunehmen. Die Tour sollte im Sommer 2014 starten.

Familiäre Schicksalsschläge wurden zum finalen Antrieb

Die Planung lief sehr gut. Ich organisierte die Quartiere (bis auf die letzte Etappe, aber dazu dann mehr im Bericht) und kümmerte mich auch um sämtliche Karten, GPS Dateien etc. 
Dann ereilten unserer Familie zwei schwere Schicksalsschläge. Im Dezember 2013 verstarb jener Onkel, der meine Großmutter aus Niederösterreich pflegte. Dies kam recht unerwartet und hinterließ ein großes Loch. Nur 5 Monate später, im April 2014 verstarb dann auch meine Großmutter mit 92 Jahren.
Meine Mutter hatte das Haus, indem beide lebten, vererbt bekommen und mein Vater setzte sofort alle Hebel in Bewegung, um dieses Haus von Kopf bis Fuß zu sanieren. So eine Phase ist wohl nie so leicht zu bewältigen. 

Dies ging so weit, dass ich es meinem Vater freistellte, ob wir den burgenländischen Mariazellerweg nun dieses Jahr machen sollten. Klar, er hatte freilich wichtigere Dinge im Kopf als eine 6-tägige Weitwanderung. Doch er willigte ein, und auch meine Mutter setzte sich dafür ein, dass wir diesen Weg nach Mariazell für meinen Onkel und meine Großmutter gehen sollten. Wir packten die Parte beider ein und versprachen, sie von Eisenstadt nach Mariazell zu führen, was wir auch taten. Das Pilger Dreamteam kehrte zurück !!!

Und das ist das Geheimnis hinter dem wohl emotionalsten Einmarsch nach Mariazell, bei dem auch Tränen flossen. (siehe Video)
Es war einfach berührend, diesen Weg für zwei großartige Menschen gegangen zu sein. Bislang hatte ich das nie in einem Bericht erwähnt, aber ihr könnt unsere Emotionen im Video so richtig wahrnehmen, und jetzt wohl auch sehr gut verstehen.


DIE GESAMTE TOUR

BURGENLÄNDISCHER MARIAZELLERWEG 06 
(06.07. - 11.07.2014)

Strecke gesamt: ca. 150,4km 
Dauer: ca. 42,22 Std. (6 Tage)

Aufstieg: ca. 5398m 
Abstieg: ca. 4708m

Etappen:
1. Tag: Eisenstadt - Forchtenstein
2. Tag: Forchtenstein - Schwarzau am Steinfeld
3. Tag: Schwarzau am Steinfeld - Puchberg am Schneeberg
4. Tag: Puchberg am Schneeberg - Schwarzau am Gebirge
5. Tag: Schwarzau am Gebirge - Frein an der Mürz
6. Tag: Frein an der Mürz - Mariazell


1. Etappe: EISENSTADT - FORCHTENSTEIN
Distanz: ca. 32,5km  Höhenmeter bergauf: ca. 940m Höhenmeter berab: ca. 530m / Unsere (netto) Gehzzeit: ~ 8 - 8,5 Std.

VIDEOCLIP INKL. FOTOS:


Nach einer kurzen Zugfahrt nach Eisenstadt konnten wir schließlich unser großes Unternehmen beginnen. Wir verließen den Bahnhof und marschierten in Richtung Hauptstraße, wo unsere Tour schließlich beginnen sollte. Zunächst besichtigten wir noch die Dom Kirche bei St. Rochus sowie einen Bauernmarkt auf der Fußgängerzone. Danach marschierten wir noch am Schloss Esterhazy und am Kalvarienbergplatz bzw. an der Bergkirche vorbei ehe wir Kleinhöflein und später, nach dem Feldweg entlang der oberen Satzäcker, Großhöflein erreichten. Wir genossen tolles Wetter und eine super Fernsicht.

Nach Großhöflein sollten wir aber für lange Zeit keine weitere Ortschaft besuchen, denn der Pfad verlief oft nur zwischen den Orten hindurch. Über die A3 und Bahn hinweg marschierten wir über eine kleine Erhebung entlang eines netten Kreuzweges zur Fölligkapelle. Von hier hatten wir einen genialen Weitblick auf unser Tagesziel, die Burg Forchtenstein. Sie wirkte so nah und war noch so fern. Es folgte eine lange Tour über breite Felder, bis wir den Pürstlingwald durchquerten. Danach folgte wieder eine lange Gerade entlang der Felder, ehe wir den Hirmerwald erreichten. Dieser Wald schien zeitweise endlos zu verlaufen. So beschritten wir auch die Schlaufe am oberen Hirmerwald inkl. Überquerung der Mattersburger Schnellstraße.

Nach der Überquerung der L219, mussten wir sogar eine kleine Strecke unfreiwillig wildwandern, da der originale Streckenverlauf sehr schlecht ausgeschildert war und mein GPS uns erst später anzeigte, dass wir vom Weg abgekommen waren. Aber wir fanden ihn natürlich wieder. Trotzdem waren unsere Wasserreserven aufgebraucht und wir mussten uns neben dem Schöllingberg wahrlich bis nach Wiesen schleppen.

Dort konnten wir unsere Akkus und Wasservorräte wieder auffüllen. Wir rasteten im Grisus Pup. Die letzten 4 Kilometer durch Schreinermühle bis nach Forchstenstein sollten uns aber noch mal alles abverlangen. Hier verläuft die Strecke fast durchgehend langsam bergauf. Nach 30 Kilometer Fussmarsch können auch 250 Höhenmeter noch sehr anstrengend sein. Doch letztendlich erreichten wir die Burg Forchstenstein und unser Quartier (Gasthof Sauerzapf) an der Rosalienstraße.

 

Karte:


2. Etappe: FORCHTENSTEIN - SCHWARZAU AM STEINFELD
Distanz: ca. 22km  Höhenmeter bergauf: ca. 790m Höhenmeter berab: ca. 1030m / Unsere (netto) Gehzzeit: ~ 6 - 6,5 Std.

VIDEOCLIP INKL. FOTOS:


Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf den Weg. Wir ließen Forchtenstein hinter uns und wanderten nun gleich brav bergauf durch den Wald entlang des Flusses Wulka. 200 Höhenmeter aufwärts später erreichten wir einen der schönsten Aussichtspunkte der gesamten Tour, nämlich die Wiese vor der Rosalia Kapelle. Von dort konnte man in der Ferne noch das Leitha-Gebirge sowie Eisenstadt und sogar den Neusiedler See erkennen.

Es ist traumhaft schön dort oben. Doch wir mussten weiter gehen. Nun folgte ein stetiger Abstieg durch den großen Kaiserwald. Das Wetter war äußerst anstrengend, denn es war sowohl schwül als auch drückend heiß. Ein Gewitter kündigte sich an. Hier war der Weg einigermaßen verwildert. Das Wildgras und Unkraut wuchs bis zu 1,50 über den Boden und man hatte alle Mühe mit diesem Pfad. Für einen offiziellen Weg ziemlich schwierig zu bewältigen, wenn er nicht ordentlich gepflegt wird. Nach dem Heuberg erreichten wir die Siedlung Mehlberleiten und den Ofenbach.

Dort folgte eine Abzweigung links in ein langes Tal, dem Kohlgraben, mitten durch den Wald. Dort sorgte die Verlegung des Pilgerwegs bei uns für kurze Verwirrung. Der alte Weg wurde gesperrt und wir mussten einen Kilometer mehr in Kauf nehmen. Noch immer im Wald marschierend, schritten wir einige hundert Meter entlang der L148 Schleinzer Straße. Wieder folgte ein Abstieg, bis wir schließlich die Ortschaft Walpersbach erreichten.

Dort gönnten wir uns eine kleine Rast. Im Anschluss konnten wir das Unheil, in Form eines Schauers, schon kommen sehen. Die Wolken wurden pechschwarz. Und so marschierten wir im teils heftigen Regen eine Stunde lang durch den Steinberger Wald. Doch bevor wir die Ortschaft Pitten erreichten, verflogen der Regenwolken und die Sonne kam zum Vorschein. Wir besuchten noch das Burgschloss und setzten unsere Wanderung fort.

Die Temperaturen stiegen wieder rasant an und der Wald verwandelte sich eine Waschküche. Dieser Dampf machte vor allem mir zu schaffen. In Pitten angekommen stärkten wir uns noch einmal, und marschierten die letzten Kilometer über eine kleine Erhebung im Wald, bis wir den Fluss Leitha erreichten. Dieser führte uns dann ans Etappenziel Schwarzau am Steinfeld, wo wir von unseren netten Gastgebern der Pension Gästezimmer Gerlinde herzlichst empfangen wurden.

 

Karte:


3. Etappe: SCHWARZAU AM STEINFELD - PUCHBERG AM SCHNEEBERG
Distanz: ca. 30km  Höhenmeter bergauf: ca. 840m Höhenmeter berab: ca. 590m / Unsere (netto) Gehzzeit: ~ 8 Std.

VIDEOCLIP INKL. FOTOS:


Ausgeruht und gestärkt durch ein ausgiebiges Frühstück konnten wir nun unsere Reise fortsetzen. Doch diese Etappe zu gehen hatte auch ein Risiko in sich, denn schon der Wetterdienst im Radio sagte Regen, Sturm und Hagel voraus. Trotzdem wollten wir es wagen. Wir ließen Schwarzau am Steinfeld zurück und marschierten entlang der L140 über die A2 hinweg nach Breitenau. Dort zweigte der Weg nach rechts in das großflächige Gebiet des Föhrenwalds ab. Erst überquerten wir die Bundesstraße B17, Wiener Neutstädter Bundesstraße, und erreichten dann das Gleisbett der Südbahn.

Hier wanderten wir entspannte Meter südöstlich, ehe wir über eine Brücke nördlich, in Richtung Mollram abbogen. In Mollram machten wir eine kleine Rast bei der Mollramer Weltachs`. Über einen Föhrenwaldausläufer, dem Mollamer Wald, wanderten wir weiter nach Hettmannsdorf und Würflach. Dort kehrten wir nochmals ein, um uns für den Aufstieg durch die Johannesbachklamm zu stärken. Die Johannesbachklamm bot uns einen wunderschönen Anblick.

Entlang Holzstufen marschierten wir am tosenden Johannesbach, durch dicke Felswände hindurch, ehe wir die kleine Siedlung Greith erreichten. Von dort marschierten wir durch das Rosental und machten einen Abstecher nach Grünbach am Schneeberg. Auch hier stärkten wir uns noch einmal für den letzten großen Anstieg. Über das Hornungstal ging es nun steiler hinauf auf den Obersberg. Von dort wieder steil hinab nach Stolzenwörth.

Nach einigen Metern entlang der B26, Schneebergstraße, ging es erneut stetig hinauf und wiederum hinab ins Tal nach Pfenningbach. Aber damit noch nicht genug. Erneut marschierten wir einige Höhenmeter entlang des Himbergs, bis wir endlich bei unserem Tagesziel der Etappe, Puchberg am Schneeberg, ankamen. Erleichtert kehrten wir in unser Quartier, Pension Bruckerhof, ein und genossen den Abend mit Blick auf den Schneeberg. Wir hatten Glück. Das Wetter hatte gehalten. Kein Regen, kein Sturm, kein Hagel. Dafür aber mäßiger kühler Wind bei Sonnenschein.

 

Karte:


4. Etappe: PUCHBERG AM SCHNEEBERG - SCHWARZAU IM GEBIRGE
Distanz: ca. 19,5km  Höhenmeter bergauf: ca. 760m Höhenmeter berab: ca. 750m / Unsere (netto) Gehzzeit: ~ 5,5 - 6 Std.

VIDEOCLIP INKL. FOTOS:


Schon beim Frühstück konnten wir sehen, was uns an diesem Tag bevorstand. Der Gipfel des Schneebergs war kaum zu erkennen. Alles grau in grau. Nur nördlich vom Berg, auf der Höhe des Maißkogels, lichteten die Wolken ein klein wenig. Gut, das wir in diese Richtung gehen würden. Also rein ins Regengewand, den Rucksack vor Nässe schützen, und los ging es.
Zunächst drehten wir noch eine kleine Ehrenrunde durch Puchberg, um uns noch Proviant zu besorgen. Mein Blick wanderte oft dem Schneeberg empor. Diesen hatte ich vor einem Jahr noch bis zum Gipfel erklommen. Das Gute war, das wir von der Hitze heute verschont bleiben sollten. Hier würde eventuell mehr Energie frei werden. Zunächst ging es ins Schneebergtal, über Größenberg, nach Mittering. Wir folgten dem Langseitenweg bis wir den Wald des Hühnerbühel erreichten. Dort folgte wieder ein längerer Anstieg hinauf über den Fadengraben. Zunächst unter strömenden Regen erreichten wir die allseits bekannte Maumauwiese.

Aber kaum hatten wir sie erreicht, wich der Regen und für einen Moment kam die Sonne zum Vorschein. Schönes Ambiente. Wir überquerten eine große offene Weidefläche und erreichten wieder ein Waldstück. Von dort ging es dann aber mäßig bergab am Stritzelsberg und der Tränkerwiese vorbei ins Tal von Vois.

Dort angekommen folgten wir der Bundesstraße L134 und genossen die schönen felsigen Einblicke der Hollertaler- ,Steinlehen- ,und Kachelgräben. Am Ende von Vois wartete noch mal ein mittelschwerer Anstieg über einen kleinen Bergkamm zwischen dem Mitterriegel und dem Baumeckkogel.  Der Regen hatte mittleweile komplett aufgehört und es wurde zunehmend schöner. Letztendlich schritten wir wieder bergab ins Tal und erreichten die B27, welcher wir nördlich folgten und so schon sehr bald an unserem Etappenziel Schwarzau im Gebirge erreichten. Der Fels Falkenstein hies uns ebenso willkommen wie die lachende Sonne. Schließlich kehrten wir beim Bacherlwirt ein, welcher den meisten Pilger ein Begriff ist.

 

Karte:


5. Etappe: SCHWARZAU IM GEBIRGE - FREIN AN DER MÜRZ
Distanz: ca. 22km  Höhenmeter bergauf: ca. 990m Höhenmeter berab: ca. 730m / Unsere (netto) Gehzzeit: ~ 6 - 6,5 Std.

VIDEOCLIP INKL. FOTOS:


Nach bereits über 100 Kilometer hockten wir beim Bacherlwirt in Schwarzau im Gebirge und waren nun mit einem kleinen Dilemma konfrontiert.
Ursprünglich hätte unsere 5. Etappe in Terz oder im unteren Halltal enden sollen. Von dort wären es nur noch 10 Kilometer nach Mariazell gewesen. Doch dann erfuhren wir das sowohl die Unterkünfte in Terz als auch im Halltal nicht mehr existierten.
Die freundliche Bacherlwirtin unternahm alles, telefonierte mit privaten Unterkünften und mit den Gemeinden. Keine Chance. Alles belegt. Sollten wir nun gar bis nach Mariazell durchmarschieren? Das wären über 35 Kilometer gewesen. Dann hatte die Bacherlwirtin aber eine sehr gute Idee. Wir sollten vor dem Halltal drei Kilometer Abseits der Tour den Freinerhof in Frein an der Mürz aufsuchen.
 Und so ging es nach einem reichlichen Frühstück los. Wir folgten gleich dem Anstieg über die L4173 und begegneten einer Gruppe Studenten, die ebenfalls Mariazell als Ziel hatten.

Diese sollten wir an diesem Tag öfter treffen. Eine wirklich nette Gruppe. So wanderten wir durch das wunderschöne Preintal. Berge, Wälder, Wiesen. Wirklich toll. Das Wetter spielte auch mit und schenkte uns einen schönen und nicht all zu heißen Tag. Vorbei am Eckbauerhof, und folglich auch am Biobauer Mitterhofer, erreichten wir die Preinmühle. Hier zweigte der Weg links über einen Forstweg in den Wald ab. Der Aufstieg auf das Gscheidl begann. Dies war nicht zu unterschätzen. Es ging lange stetig aufwärts. Auf der Höhe des Weidentals verließen wir die Forststraße, um einen steinigen Waldpfad zu folgen. In diesem Wald fanden wir die, von Pilger ins Leben gerufene, Andachtsstelle. Ein sehr schöner Fleck. Viele Kreuze, Bilder und Schilder erinnerten an die unzähligen Pilger vor uns. Schließlich erreichten wir mit dem Gscheidlpass die höchste Stelle des Tages (1137 Meter). Von hier aus hatte man einen wunderschönen Blick ins westliche Preintal zu den Grenzen Steiermarks.

Wirklich beeindruckend, denn man sah nur Berge, Wälder und noch schönere Täler. Entlang des Preinbachs führte der Weg nun wieder talwärts. Wir ließen den Gippel (1669 Meter) an uns vorüber ziehen und passierten den Gippel-, Gsenger und Höllgraben. Nun verließen wir das Preintal und erreichten Donaudörfel am Fuße des Berges Göller (1766m). Nun hatten wir die Bundesstraße B23 erreicht. Und hier mussten wir nun abzweigen. Wir folgten nicht der Bundesstraße am Lahnsattel ins Halltal, sondern wanderten in den Süden. Nach wenigen Metern erreichten wir die steirische Landesgrenze. Und 3 Kilometer später kamen wir in der kleinen verträumten Ortschaft Frein an der Mürz sowie am Freinerhof an. Eine sehr gute Entscheidung. Der Freinerhof versorgte uns mit selbst gemachter Hausmannskost. Ich kann ihn wirklich nur empfehlen.

 

Karte:


6. Etappe: FREIN AN DER MÜRZ - MARIAZELL
Distanz: ca. 20,5km  Höhenmeter bergauf: ca. 750m Höhenmeter berab: ca. 760m / Unsere (netto) Gehzzeit: ~ 6 Std.

VIDEOCLIP INKL. FOTOS:


Der letzte Tag dieser genialen Tour stand uns bevor. Schon beim Frühstück herrschte große Aufbruchsstimmung. 130 Kilometer hatten wir bereits in den Beinen. Es sollten noch 20 weitere folgen. Wie schon erzählt, marschierten wir nicht die Bundesstraße zurück ins Halltal, sondern wagten den Weg über das Freinertal beim Schusterwald. Doch schon nach wenigen Minuten setzte der Regen ein. Dieser sollte uns fast den ganzen Tag begleiten. So wanderten wir gut verpackt entlang des Freinerbachs durch das schöne Tal zwischen der Wildalpe (1523m) und dem kleinen Proles (1579m) bis wird die kleine Siedlung Gschwandt erreichten. Durch das graue Regenwetter bildeten sich jedoch schöne Wolkenfelder die mit einer hohen Geschwindigkeit an den Bergwipfel emporzogen. Bei schönem Wetter hätte man hier sicher einen weit aus schöneren Fernblick gehabt. Weiter ging es durch das Brunntal und dem Brunnbach zwischen dem Arzkogel (1413m) und dem Tonion (1699m).

Bei der Höhenreithalm verlangten uns Regen und Wind noch mal alles ab. Schließlich erreichten wir das Tal um Schöneben. Hier kreuzte unser Wanderweg mit dem "kärntner/steirischen Mariazellerweg 06" so das wir von nun an wieder eine gute Beschilderung des Weges vorfanden. Entlang des Freingraben und dem Falbersbach ging es nun wieder nördlich schön langsam dem Ziel entgegen. Nun verließen wir das Freinertal und erreichten Mooshuben. In Wieland marschierten wir nun durch das Naturschutzgebiet der Steinriege und gelangten so wieder in das untere Halltal und erreichten somit wieder den originalen Streckenabschnitt des burgenländischen Mariazellerwegs. Von hier aus war uns der Weg schon bekannt, denn auch 2012 folgte hier unser Finalaufstieg auf den sogenannten Kreuzberg.

Eine Serpentinstraße führt einem hinauf bis zur B21 und der Abzweigung in den weltbekannten Ort "MARIAZELL". Und wie könnte es anders sein? Die Sonne kämpfte sich durch das Wolkenfeld. Gerade rechtzeitig! Unglaublich. Wir hatten es geschafft! Die letzten Meter schritten wir noch dankbar durch den Ort bis vor die Stufen der Basilika und konnten es noch immer nicht so recht glauben. Wir besuchten die Basilika, zündeten Kerzen an und gönnten uns die eine oder andere Stärkung beim Markt vor der Basilika. Doch dann hieß es wieder Abschied nehmen. Wir mussten unseren Zug "Himmelstreppe" nach St. Pölten erwischen. Als der Zug dann Mariazell verließ, begann es wie aus Eimern zu regnen.

 

Karte:

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